In hanebüchene Lügen verstrickt


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Warum die Hainbuche dermaßen klotzig daherkommt

Manchmal erlebt und hört man schon immer mal wieder Schwachsinn. Und es freut einen dann auch augenblicklich, wenn ein Wort gleichzeitig auf der Zunge erscheint, das seit „Urzeiten“ verschwunden war, nämlich hanebüchen. So einen hanebüchenen Schwachsinn, so unerhört frech mit Lügen versehen, so dermaßen unverfroren können Menschen sich äußern und gleichzeitig sich mit dem reinen Licht der Wahrheit umgeben, daß einem die Sprache fehlt, darüber gefühltes auszudrücken, wäre da nicht plötzlich hanebüchen aufgetaucht.

Es gibt wahrlich Wörter, die in ihrer Einzigartigkeit eine ganze Wagenladung voll gefühlter Begriffe ausdrücken können. Mag sein, daß hier jetzt ein bißchen übertrieben wird, ein bißchen dick aufgetragen, aber Ehre wem Ehre gebührt. Hanebüchen, in älterer Form besser erkennbar worum es sich bei diesem Wort handelt, hagebüchen, grob, derb, klotzig, mittelhochdeutsch, hagenbüechin, aus Hagebuchenholz bestehend (Hainbuche).

Die Hainbuche, Hagebuche, Weißbuche, Hornbaum gehört zur Familie der Birken, und sie kommt in Europa und Westasien als Baum oder Strauch vor. Der im Namen zu erkennende Hain oder Hag weist die Verwendung dieses Gewächses auf, denn sie wurde gerne zur Hecke und zur Abgrenzung gepflanzt. Dieser Busch oder Baum hat eine größere Holzdichte als Eiche und Buche und ist das härteste Nutzholz in Europa, deshalb wird er auch oft Eisenbaum genannt.

Das Holz fand Verwendung für Webstühle, Schuhleisten, Zahnräder, wird aber heutzutage nicht mehr oft genutzt, da es anfällig für Wurmfraß ist. Zudem wurde es gern von Köhlern verwendet, da der Schnitt bis auf den Boden angesetzt werden könnte, und das Buschwerk trotzdem wieder nachwuchs. Die Hainbuche wird auch gerne als das Holz der weisen Frauen tituliert, weil es als Heilmittel genutzt wurde. Die Symbole der Hainbuche sind Mut, Standhaftigkeit, Gerechtigkeit und das Sinnbild für Lebendigkeit und Frische. Ihre Heilkräfte wurden unter anderem angewandt bei Heuschnupfen, Luftröhrenbronchitis, Augenleiden, bei geistiger und körperlicher Erschöpfung.

Hanebüchen bedeutet: empörend, haarsträubend, unmöglich, ungeheuerlich. Ist es wirklich erstaunlich, daß unsere Vorfahren für diese Begriffe das Wort hanebüchen kreiert haben? Nein, sicher nicht, denn wir wissen jetzt, daß das Holz das härteste in Europa ist, es als Schutzhecke angepflanzt wurde, ohne weiteres bis zum Boden abgebrannt werden konnte und trotzdem wieder neu wuchs, es sogar für Zahnräder benutzt wurde. Wenn jemand so dreist lügen kann, daß die Lügen nicht sofort erkennbar sind, sondern sie erst nach mühevoller Durchdringung einer festen stabilen Hecke (Haine wurden gerne durch Verflechtungen der Äste stabilisiert) oder durch zufällige Entdeckungen (Abbrand der Hecke) ans Tageslicht kommen, dann kann man den Sinn für diesen Wortbegriff eher nachvollziehen.

Dabei ist außerdem zu berücksichtigen, daß die Hainbuche wie oben erwähnt für Mut, Gerechtigkeit steht, also in doppelter Hinsicht eine äußerst enttäuschende Erfahrung für jemanden, den man diese Eigenschaften auch zusprach, von diesem dermaßen hinters Licht geführt worden zu sein.

Somit hat der Begriff seine einmalige Berechtigung zur Erklärung von dreisten Lügen, die gerade zurzeit in mancherlei Hinsicht Hochkonjunktur haben und es manchmal schwierig erscheint, den Lügner zu enttarnen und hinter den Hecken die „Wahrheiten“ zu erkennen. Dann kann man hanebüchene Frechheiten, Lügen, Behauptungen, Beschuldigungen im wirklichen Licht der Wahrheit sehen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu In hanebüchene Lügen verstrickt

  1. nurmalich schreibt:

    So hab ich das noch nie erkannt.
    Wenn dieses Holz auch als Sinnbild für Lebendigkeit und Frische steht, könnte man auch sagern „frischweg gelogen“? 🙂

    Gefällt 1 Person

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