Kinderarbeit geduldet ohne durchgreifende Änderung


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flickr.com/ Caro Paz Fernandez/ (CC BY-ND 2.0)

Vom Smartphone zur Autoindustrie – eine profitable Versklavung

Während manch Jugendliche auch hierzulande dem Pókemon-Fieber verfallen, schuften weltweit verteilt rund 250 Millionen Fünf- bis Vierzehnjährige tagtäglich als Dienstmädchen, in der Landwirtschaft, in Steinbrüchen oder in Werkstätten, um ihre armselige Existenz zu sichern, die Großfamilie mit zu ernähren.

Dabei verdienen deren Vermittler vor Ort durch sie gutes Geld, die eigentlichen Auftraggeber der Großkonzerne profitieren ganz besonders. Milliardenbeträge auf Kosten der Gesundheit ihrer Opfer, moderne Versklavung dienlich der Zulieferindustrie wie z.B. Smartphones oder der Autobmobillobby. Was unternehmen Menschenrechtsorganisationen und eine kritische Politik dagegen?

The Guardian deckt jüngsten Fall auf – Audi, BMW, Vauxhall und VW mit im Boot

Vorneweg beim Thema Kinderarbeit: Indien. Was 1986 als Gesetz zur Eindämmung von Kinderarbeit in Indien verabschiedet wurde, nochmals reformiert vor zehn Jahren hinsichtlich dessen, daß auch Kinderarbeit unter 14 Jahren in Restaurants oder fremden Haushalten verboten sein soll, somit bei Aufdeckung unter Strafe gestellt wird, stellt sich als Flop heraus. Warum? Die Kontrollen greifen zunächst sowieso nicht, das florierende Geschäft mit der weit verbreitenden Armut im Lande hält zügellos an.

Jüngster aufgedeckter Fall: Eine Reihe von Autokonzernen nutzt diese Grauzone für ihre Zwecke aus, wie der Guardian feststellt. Es geht schlicht um die Bergung von Glimmer aus dem Fels in Minen, damit die schönen Autos im vollen Glanze lackiert der Außenwelt sich präsentieren. Prestige auf Kosten der Ärmsten der Armen, am Ende der Kette werden Kinder mißbraucht!

Obwohl gerade die BMW-Group per Hochglanzbroschüre sich bemüht, Menschenrechte und Arbeitsbedingungen akribisch zu regeln, eben sich auf das IAO-Übereinkommen Nr. 138 und 182 berufen, lassen derartige Aufdeckungen wie die des Guardian sie in keinem guten Licht dastehen. Entrinnt den Konzernen nicht nur die Kontrolle, nutzen windige Mittelsmänner dazwischen viele Grauzonen für ihre eigenen Zwecke aus? Man muß davon ausgehen.

Amnesty International, Brot für die Welt und Kinderhilfswerk klagen an

Glimmer für die Lackierung der Autoindustrie in Indiens Minen, Kobalt geschürft in Afrika für Smartphones, ebenso von Kindern, die dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Und im Kongo sind Kontrollen erst recht nahezu unmöglich durchzusetzen, zumal im Osten der Republik der dritte Kongokrieg anhält.

Auch hierbei dürfen Apple und Co. zwar sich rühmen, Kontrollen zur Eindämmung krimineller Kinderarbeit eingeführt zu haben, wirklich verhindern und gänzlich ausschließen vermag man sie dennoch nicht.

So kommt selbst das Hilfswerk Brot für die Welt (BfdW) zu keinem anderen Ergebnis: viele Bemühungen, jedoch treibt vor allem Korruption sein bösartiges Spiel der Ausbeutung, die leidtragenden Kinder gehen der menschenverachtenden Arbeit nach, diese perfiden Kreisläufe, von denen somit die Industriestaaten auch hier in Europa profitieren, halten an. Die eingangs aufgezählten Tätigkeiten von Kinderarbeit sollte man im übrigen erweitern, man denke nur an Kinderprostitution, Drogenhandel oder gar Kindersoldaten.

Ausbeutung ist die eine Seite, denken wir an das Instrument des Niedriglohnsektors in Verbindung zum Hartz IV hierzulande. Das generelle Verbot von Kinderarbeit läßt sich ohnehin nicht durchsetzen, aber eine menschenunwürdige, äußerst miserable Entlohnung sollte unter allen Umständen vermieden werden. Theoretisch richtig, aber in der Praxis werden gerade die sich schwer tun, die eine neoliberale, also ausbeuterische Politik anstreben und umsetzen.

Lotar Martin Kamm

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2 Antworten zu Kinderarbeit geduldet ohne durchgreifende Änderung

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Als Produzent habe ich außerdem die Erfahrung gemacht, dass Endkunden trotz besseres Wissen den billigeren Artikel kaufen oder sich gar nicht mehr melden, wenn man darauf hinweist, keine Produkte mit Kinderarbeit herstellen zu wollen. In dem Punkt ist die Gesellschaft einfach verlogen und betrügt sich gerne selbst.

    Gefällt 3 Personen

    • nurmalich schreibt:

      Ja, leider ist das so. Wir führen im EineWeltLaden zum Beispiel hochwertige Fuß- und Handbälle, die garantiert ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Der Preis dafür ist natürlich höher als im konventionellen Handel.
      Ein Verkaufsschlager sind diese Bälle bisher nicht geworden.

      Gefällt 1 Person

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