Versöhnung in ihren Ursprüngen betrachtet


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Zugeständnisse fordern berechtigte Toleranz ein

Sind Sie auch schon einmal versöhnlich gestimmt worden, obwohl Sie eine Tochter sind? Eine unsinnige Frage? Mag sein, aber vielleicht lohnt es sich doch zu hinterfragen, warum in dem Begriff das Wort Sohn steckt und nicht Tochter.

Was bedeutet versöhnlich? Nachgeben, zu einem Zugeständnis bereit, kompromißfähig sein, sind Eigenschaften, die wir benötigen, um uns für eine Versöhnung zu entscheiden. Das setzt natürlich einen friedlichen und nachsichtigen Charakter voraus, obwohl es auch angebracht sein kann, einer Versöhnung nicht zuzustimmen. Diese Gründe können mannigfach sein und ihre Berechtigung haben, was dennoch nicht die Friedfertigkeit einer Person schmälert, sondern in einigen Fällen seine Persönlichkeit stärkt.

Sowohl der Duden als auch das Wörterbuch der Gebrüder Grimm stellen bei dem Wort „versöhnlich“ keinen Bezug zu Sohn her. Was nicht heißen soll, daß man darüber nicht sinnieren darf. Im Spätmittelhochdeutschen versüenlich für versöhnlich, mittelhochdeutsch sun, son, für ursprünglich der Geborene, laut Duden. Die Gebrüder Grimm versunlich, versünlich für versöhnlich, sonr, son, sun, sune, suon, ab etwa dem 16. Jahrhundert endgültig durch Sohn in den Schriften festgesetzt. (Versünlich, drey sün oder drey sünne. Versöhnlich, drei Söhne oder drei Söhne.)

Immer noch unsinnig die Frage, warum nicht vertöchterlich? Da sun oder son für der Geborene steht, kann es wiederum nicht verwunderlich sein, daß Person als durch den Geborenen gedeutet werden kann. Per, durch umher, son, Sohn. Person bin ich aufgrund meiner Geburt. Es ist weit hergeholt aus den Gedankenwindungen, aber nicht so gänzlich von der Hand zu weisen. Interessant in diesem Zusammenhang allerdings auch, daß Person, aus dem Lateinischen für Maske steht, für durch diese Maske dargestellte Rolle, Charakter, Mensch (Duden).

Warum sollte nun aber die Versöhnung etwas mit Sohn zu tun haben? Wenn wir davon ausgehen, daß der Wunsch eines Stammhalters in vielen Kulturen zu einer überlebensnotwendigen „Tatsache“ stilisiert wurde, da der Sohn als Erbe des väterlichen Besitzes, seiner Gene, seines Status eine wichtige Rolle einnahm, war es da nicht demzufolge auch nur recht und billig, daß dieser Stammhalter die gleichen Charaktereigenschaften vorzuweisen hatte. Und hatte er dies nicht, konnte er nicht nach dem Willen seiner Familie leben, so sein, wie man es erwartete, war es dann nicht vonnöten, trotzdem versöhnlich miteinander umzugehen? (Kindstötungen waren über Jahrhunderte durch die verschiedensten Gesellschaften „geduldet“. Wer hierüber sich intensiver informieren möchte, auf Wikipedia gibt es eine Reihe von Vorschlägen über Sachbücher, die sich diesem Thema widmen.)

Lassen wir das Geschlecht für „versöhnlich“ beiseite, da wir hoffentlich in einem Zeitalter leben, in dem es irrelevant ist, ob die Nachkommen weiblich oder männlich sind und ersetzen wir „söhn“ mit Geborenen. Durch den Geborenen, mit der Person versöhnlich leben, ist doch ein Anliegen, das alle Menschen betrifft. Zu Zugeständnissen bereit sein, Kompromisse zur Güte vorschlagen, nachsichtig sein, tolerant, Verständnis aufbringen für den anderen, sind das nicht Bedingungen für ein friedliches Miteinander?

Dieses kurze Nachdenken, Nachsinnen über das Versöhnen hat Ihnen vielleicht gezeigt, daß es unwichtig ist, ob wir Söhne oder Töchter sind, sondern daß wir Geborenen es sind, die entscheiden, wie „die Welt sich dreht“, solange wir nicht Personen sind, die durch eine Maske einen darstellenden Charakter spielen.

Doris Mock-Kamm

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