Nur ein Käfig voller Narren


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Was Menschen von Käfern unterscheidet

Wer Käfige im Garten aufhängt, denen der Boden fehlt und die Käfigtüren, der ist irgendwie nicht richtig informiert, zu was diese Dinger eigentlich gut sind, oder? Die Installation bekam den Namen: Gedanken sind frei.

Käfig, eine Wortbildung aus dem Lateinischen cavea, Höhlung, Gehege. Mittelhochdeutsch kevje, althochdeutsch chevia, Behältnis. Cavea wird auch übersetzt mit Vogelkäfig, Bienenstock, Zuschauerraum, Theater. Und so unglaublich es klingt, Zuschauer, Publikum. Der Käfig ein umbauter Raum mit Stäben, einem Dach, einem Boden, einer Tür. Ansonsten nichts.

Nun klingt das Wort Käfer annähernd ähnlich, oder? Der Duden erklärt, mittelhochdeutsch kever, althochdeutsch chevar, wahrscheinlich eigentlich, Kauer, Nager. Wie bitte! Schon beim Lesen hört sich diese Behauptung Kauer, Nager so abwegig an, daß man es unweigerlich bezweifeln muß und sich fragt, wieso so eine Aussage ohne nochmalige Prüfung veröffentlicht wird. Nun, alles muß man nicht verstehen. Wer die beiden althochdeutschen Wörter chevia, Behältnis, Käfig und chevar, Käfer vergleicht, wird eine Verwandtschaft der beiden nicht verleugnen können.

Auch sollte es allgemein bekannt sein, Biologieunterricht läßt grüßen, Käfer tragen ihr Skelett außen. Ihr Körper ist durch einen äußeren Käfig geschützt. Im Gegensatz zu den Säugetieren, deren Skelettaufbau, ihr schützender Käfig für die Organe, nicht sichtbar ist. Somit kann davon ausgegangen werden, daß Käfig und Käfer aus demselben Begriff für Höhlung, Gehege entstanden ist.

Der Käfer trägt seinen Käfig für jeden sichtbar und zugleich als Schutz für seinen Körper. Der Mensch hingegen trägt seinen Käfig versteckt, somit ist es in vieler Hinsicht einfacher verletzbar. Denken wir so. Aber der Mensch ist schlau und kann sich ohne weiteres mit allerhand Gerätschaften schützen. Schwerter, Äxte, Helme, Rüstungen, Schilde, Pistolen, Messer, sogar Uniformen dienen dem Schutz. Zugehörigkeit zu Gruppierungen zeigen die Menschen durch äußerliche Veränderungen, Haarschnitte, Tätowierungen, Bekleidung sorgen dafür, daß der Mensch sich in den Schutz von gemeinsamen Interessen stellt.

Der Mensch ist weitaus raffinierter in Bezug zu seinem Schutz, denn er vermag sich durchaus auch durch Lügen, Intrigen, Heucheleien bedienen, um so vermeintlich sich in ein besseres Licht zu stellen, daß ihm dienlich sein kann, ein Ziel zu erreichen. Diese Käfige der versteckten Masken sind allerdings schwer, von den Mitmenschen zu erkennen, wobei die Tarnung mit äußerlichen Käfigen ehrlicher erscheinen mag. Es ist dennoch nicht immer auszuschließen, Menschen zu treffen, die durch Druck, Zwang, Strafandrohung nicht völlig frei ihr Leben gestalten können. Ihnen wird ein Käfig von Normen, Moralvorstellungen übergestülpt, die es ihnen oft unmöglich macht, ihr eigenes Leben zu führen.

Würden wir uns selbst ohne all die Hüllen, die wir uns selbst umhängen oder durch die jeweilige Gesellschaft, denen wir angehören wollen oder gezwungen werden, in ihnen zu leben, befreien, könnten wir dann immer noch aufrecht zu uns stehen. Oder würden wir ohne diesen schützenden Käfig zusammenbrechen wie ein leerer Sack?

Cavea, das Theater, (der Käfig), das uns im Schutze der Komik, der Dramatik unser aller Freuden und Wehklagen vorführt. Cavea, das Publikum, der Zuschauer, (der Käfig), das im Schutze von Bekleidung, Normen, Werten, seine Verantwortung über sein Leben und das Leben anderer minimiert.

Gedanken sind frei. Öffnen wir die Käfige, zeigen unsere Verwundbarkeit, wir werden trotzdem nicht gefährdeter sein als die Spezies Käfer.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Nur ein Käfig voller Narren

  1. gkazakou schreibt:

    ganz besonderen Dank für diese klugen Gedanken, die eben vom luftigen Käfig meines Computers eingefangen wurden! Grad hatte ich, im Zusammenhang mit meinem gestrigen Thema „das Harte und das Weiche“ heftig sinniert über das Außen- und das Innenskelett – da kam mir Ihr Artkel vor Augen. Schon tags zuvor („Synchronizität“) hatte ich eine Hausschnecke an der Windschutzscheibe meines Autos fotografiert – wo dies Thema von Außenskelett und weichem Innenleben gleich doppelt auftrat

    Gefällt 2 Personen

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