Viel Bohei um nichts


© Doris Mock-Kamm

© Doris Mock-Kamm

Laßt euch bloß nicht von den wichtigen Dingen im Leben abhalten

Waren Sie auch schon mal in Versuchung, ein Bohei loszutreten? Sie sind der Meinung, dieses Wort gehört nicht zur deutschen Sprache und haben es noch nie gehört? Der Duden hat es erstmals 2004 aufgenommen, 1973 allerdings seinen Namensvetter Buhei, beide Wörter besagen dasselbe: Klamauk, Rummel, Tamtam, viel Lärm um nichts, unnötige Aufregung wegen einer Kleinigkeit.

Vielleicht ist Ihnen der Begriff auch nicht geläufig, da er eher im mitteldeutschen, rheinischen Raum angewandt wird. Der Duden gibt an, daß eventuell der Ausdruck von den beiden Ausrufen buh und hei entstanden sei oder aus dem niederländischen Wort boeha (heute poeha) Lärm, Tumult, Aufheben. Andere Quellen beziehen sich bei dem Wort auf den schottischen Kampfruf buaidh (Sieg), aus dem jiddischen bzw. hebräischen Ausdruck paihe über Österreich einen Bohai machen oder durch den Boxeraufstand, als die alliierte Flotte in der Bohai-Straße lag und im Endeffekt eine große Anzahl Schiffe für eine politische falsche Maßnahme stand.

Und wie wichtig dieser Begriff zu sein mag, erklären weitere Ursprungsbeschreibungen. Bereits im „Versuch eines bremisch-niedersächsischen Wörterbuchs“ von 1767 lesen wir: een groot Behoi maken. In Ostfriesland heißt es: He maakt´n groot Puhee um nicks, in Moers: En grot Behei en necks en de Täsch, in Köln: Dä mäht vil Buhei öm nix, in Aachen: Voel Behei oem nues maache. „Das Rheinische Wörterbuch“ übersetzt Buheikopf mit Großsprecher, Buheimaul mit Prahler, buheien, buheizig mit kleinlich.

Im „Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten“ wird behole mit durcheinander gleichgesetzt. „Alles Kokolores?“ übersetzt das französische Wort brouhaha mit Lärm, Getöse, Stimmengewirr und sei die veränderte Wendung aus dem Hebräischen baruch haba (gesegnet, der da kommt), wenn in französischen Mysterienspielen als Teufel verkleidete Geistliche diesen Ausspruch schrien.

Viel Bohei um Bohei? Viel Lärm um nichts?

Genau darum geht es einigen Menschen, die gerne meistens lautstark auf Dinge hinweisen mit einer Intensität, als ob gleich der Himmel auf unser aller Köpfe herabfallen würde. Es scheint, daß einige Menschen diese Art der Kommunikation oder das Aufmerksam machen regelrecht bereits als Charakter verinnerlicht haben. Oftmals erreichen sie dadurch ihr Ziel einer Einwilligung oder Absegnung einer Sache, einfach nur deshalb, weil das Gegenüber zu diesem Thema nicht mehr bereit ist, irgendetwas noch zu äußern.

Babys, Kleinkinder, Jugendliche sind im Bohei machen sehr geschickt. Manche Eltern können von der Fliege, die zum Elefanten wird, unzählige Geschichten erzählen, wetten? Es gibt eine Vielzahl von Empfehlungen, die das Zusammenleben mit einem Boheimacher für erträglicher gestalten sollen.

Schwieriger wird es natürlich, wenn ganze Gruppen von Buheiköpfen, Buheimäuler auftreten. Dies scheint wie der immer wiederkehrende Morgen eines jeden Tages von Zeit zu Zeit zu geschehen und man kommt nicht umhin, es zu sagen, so eine Zeit passiert gerade unser Dasein.

Wenn der Inhalt des Getöses, das uns nun seit Monaten um die Ohren weht, wenigstens ansatzweise neue Denkansätze vermitteln könnte, wäre das Tamtam und der Rummel sicher wert, sich mit dessen Argumenten auseinander zusetzen. Trotz Bemühen um ein Verständnis zielt diese politische, soziale, wirtschaftliche Meinungsmache in eine verkrustete, verklemmte moralisierende Wertewelt, die es nicht ermöglichen wird, Fortschritte in diesen Bereichen zu machen. Diese völkischen Traditionswerte verhindern ein menschliches Miteinander und sind ein Hemmschuh, der die Menschen in den Morast der Geschichte gräbt.

In der Hundeerziehung funktioniert es am besten, einem Hund deutlich zu machen, sein Getöse, Bellen, sein Bohei ist hier unangebracht, indem man einfach dem Hund den Rücken zukehrt und ihn im Regen stehen läßt. Er sieht ein, daß es sinnlos ist, sich zu echauffieren, da niemand mehr Interesse an seinem Bohei zeigt.

Zeigen wir denen die kalte Schulter, die uns mit ihrem Bohei von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens abhalten wollen.

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Viel Bohei um nichts

  1. Arabella schreibt:

    Bohei ist ein Schauturnier der Ritter gewesen, bei dem mit stumpfer Lanze gekämpft wurde.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Sabine Adameit schreibt:

    Als ehemalige Lehrerin habe ich gelernt, dass ignorieren oft ein sehr effektives Mittel ist. 😉

    Gefällt 1 Person

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