Flüchtlinge im Diskurs einer aufgebrachten Gesellschaft


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Polemik, Menschenwürde und blinder Haß treffen aufeinander

Was früher der Ausländerhaß, reizt heute etliche in der Bevölkerung, sobald die Rede von Flüchtlingen, die man vorschnell aburteilt, sie instrumentalisiert, um eigene Zwecke damit dienlich zu befriedigen. Polemik, Menschenwürde und blinder Haß treffen aufeinander im Diskurs einer aufgebrachten Gesellschaft, die oftmals keinerlei Bereitschaft mehr zeigt, genauer zu differenzieren.

Natürlich machen es sich die Hardliner der Rechtspopulisten denkbar einfach, bedienen sich der latent vorhandenen Skepsis allem Fremden gegenüber, Hauptsache der Deutsche darf in seinem heißgeliebten Germania schalten und walten, wie er es für sich in Anspruch nimmt. Doch Halt, auf wessen Säulen eigentlich, die ihn dorthin führten, wo er jetzt hinunterblickt? In den 1960igern die Italiener, in den 1970igern die türkischen Gastarbeiter, es folgten immer mehr, ob Griechen, Spanier, Russlanddeutsche, aus Ex-Jugoslawien bis hin zu den jetztigen Flüchtlingen, ob aus direkten Kriegsgebieten oder als sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“.

Wer die Welt ausbeutet, darf sich nicht wundern, wenn die Dritte uns aufsucht

Keine Sorge, ganz so dramatisch kann es gar nicht werden, daß Hunderte Millionen den Weg nach Europa finden oder auf sich nehmen, wie ganz besonders all jene uns weismachen wollen, die im Pool rechtspopulistischer Gruppierungen und Parteien fleißig ihre Propaganda streuen. Nur ein Bruchteil bringt den Mut auf, diese gefährliche Reise zu wagen, viele wollen eher in ihrem Land selbst eine Veränderung zum Guten herbeiführen, was durchaus auch mal erfolgreich stattfindet, wie Volker Seitz hier zum Besten gab.

Ob der Schritt hin zu einer Flüchtlingsdatenbank entscheidende Impulse trägt, bleibt mal dahingestellt, abgesehen vom Datenmißbrauch, insgesamt betrachtet darf man sie schon als Möglichkeit werten, den Schleusern und Menschenhändlern ins brutale Handwerk zu pfuschen, schließlich zögern Gutinformierte eher als Ahnungslose. Dennoch wird manch Leid sich nicht davon abhalten lassen, selbst nach perfiden Strohhalmen wie Schleusern zu greifen.

Vom Mißbrauch angeblicher „Mitte der Gesellschaft“

Insbesondere mitten in Europa, wo hierzulande etliche Flüchtlingsheime abfackeln, was wiederum der rechten Mischpoke willkommener Anlaß, die Brandstiftungen den Flüchtlingen selbst anzulasten. Die Medien tragen sehr stark dazu bei nebst deutscher Justiz, die Behauptung zu schüren, solche Straftaten seien inszwischen in der „Mitte der Gesellschaft“ angelangt.

Bei genauer Betrachtung schaut es aber eher anders aus, wie ausgerechnet die FAZ in ihrem gestrigen Artikel beschrieb. Dort entpuppen sich „harmlos unpolitische Bürger“, die sich nur mal Luft machen wollten, als „neonazihaft“ vorbelastet, wovon die Behörden, Politik und Justiz nichts wissen oder ahnen wollten. Unser Staat weiterhin auf dem rechten Auge blind?

Das läßt tief blicken, und natürlich wird jetzt erneut die „Lügenpresse“ seitens all jener bemüht, die auf diese Weise möglichst simpel von ihrem rechten Gedankengut ablenken wollen. Wohin das führt, durfte man vor kurzem am Rande der Fußball-EM erleben, denn der Rassismus ist keineswegs verbannt aus den Köpfen Ewiggestriger, er erhält fleißig weiterhin Futter. Stoppen wir ihn, bevor es zu spät ist.

Lotar Martin Kamm

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3 Antworten zu Flüchtlinge im Diskurs einer aufgebrachten Gesellschaft

  1. Sabine Adameit schreibt:

    Heute wurden von der Polizei Wohnungen von Hasspostern durchsucht. Ein kleiner Lichtblick👍

    Gefällt 2 Personen

    • m. sastre schreibt:

      Diese vorschnelle und oberflächliche Schadenfreude ist unpassend . Dieses Vorgehen sollte ihnen eigentlich eher zu denken geben, werden hier nämlich gerade die Fundamente des Rechtsstaates geschleift. Wer weiß, wann bei Ihnen dann die Polizei für eine bloße Meinungsäußerung (die Sie zwar Hetze nennen, die aber Ausdruck einer allgemeinen Meinungsfreiheit ist) vor der Tür steht, ihre privaten Dinge durchstöbert, mitnimmt und die neugierigen Nachbarn befragt. Hier geht es nicht um Ermittlungen, hier geht es um Einschüchterung oppositioneller Teile der Bevölkerung.
      Die unreflektierte Leichtfertigkeit, mit der Sie dieses Vorgehen des Staates gegen seine andersdenkenden Bürger gutheißen, nur weil Sie in diesem konkreten Fall die Staatsmeinung vertreten, macht mir Angst um unser Land.
      Die Sorge um die Zukunft unseres Landes und eine daraus resultierende Ablehnung einer ungezügelten Einwanderung durch Migranten aus aller Welt (Flüchtlinge sind es nämlich nicht) nach Deutschland, mit all den bereits jetzt feststellbaren Kollateralschäden (nein, in der Tagesschau erfahren Sie nichts darüber) ist nämlich kein Ausdruck von Hass, sondern vielmehr von dem Realitätssinn, den ich bei Ihnen vermisse und der die Beeinträchtigung des grundgesetzlich geschützten Rechtes auf Unverletzlichkeit der Wohnung keinesfalls rechtfertigt.

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  2. Sabine Adameit schreibt:

    Eine Nachrichtenmeldung „unreflektiert“ und „leichtfertig“ zu nennen, befreit Sie davon, dass ich Sie einer sachlichen Antwort würdige.

    Gefällt 1 Person

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