Butter bei die Fische


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Heraus mit der Sprache

Jetzt aber mal Butter bei die Fische! Und? Sie sind ja ganz ruhig! Kein Interesse jetzt die Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, über das Geschreibsel von querdenkende.com ihre Meinung zu äußern? Fällt Ihnen nichts ein? Rein gar nichts? Na, dann kam man Sie regelrecht beglückwünschen, so zufriedene Mitmenschen findet man selten. Oder wir haben bis jetzt alles richtig gemacht, dann ist ja alles in Butter!

Butter, wieder mal so ein Fremdwort, das wir täglich und vielleicht bei dem ein oder andern Haushalt schon morgens beim Frühstückstisch in den Mund nehmen und uns keinerlei Gedanken hingeben, warum wir das gelbe Fett, das unter anderem so herrlich dafür zu gebrauchen ist, eine für Konfitüre oder Gelee brauchbare Untergrundschicht zu Brot oder Brötchen herzugeben. Oder dafür geeignet ist, den Kuchen besser schmecken zu lassen.

Mittelhochdeutsch buter, althochdeutsch, butera, über das Vulgärlateinische butyrum vom Griechischen boútyron, Kuh, Rind, eigentlich Quark aus Kuhmilch (Duden). Im französischen wird je bous gleich für mehrere Tätigkeiten in der Küche gebraucht, ich koche, ich siede, ich walle, ich brause.

Direkt nachvollziehbar, warum auf die Butter in etlichen Redewendungen Bezug genommen wurde, ist im Nachhinein allgemein nicht erklärbar, denn einerseits kann es sich bei der Butter um ein wertvolles Lebensmittel gehandelt haben oder um ein Lebensmittel, das überall zur Verfügung stand und somit täglich in Gebrauch war. In der angewandten Sprache finden wir öfters den Bezug auf Butter, so daß es uns mitunter gar nicht mehr auffällt, wie oft und bei welcher Gelegenheit wir, außer beim Frühstücktisch und um den Einkaufszettel zu schreiben, Butter erwähnen.

Jemanden nicht die Butter auf dem Brot gönnen, nicht die Butter vom Brot nehmen lassen,  wie warme Butter, wie Butter in der Sonne, die beiden oben erwähnten, Butter bei die Fische, alles in Butter und die eventuell weniger bekannten, Butter auf dem Kopf haben und bei jemanden liegt der Kamm neben der Butter, sind schon eine ganze Menge Butter, die da so mir nichts, dir nichts, sprachlich verteilt werden.

Jeder wird sicher so seine eigene Vorliebe bei der Anwendung der oben genannten Sprichwörter haben und sie bei der passenden Gelegenheit einsetzen. Zu keinem der erwähnten Redewendungen gibt es eine eindeutige Erklärung, es sind lediglich Vermutungen.

Butter auf dem Kopf haben, bedeutet ein schlechtes Gewissen haben, soll sich darauf beziehen, daß Frauen die Butter in Körben auf dem Kopf zum Markt trugen und falls die Sonne schien, sie nicht schnell genug unterwegs waren, mit dem Ergebnis, daß die Butter geschmolzen war, als sie auf dem Markt ankamen, dann hatten sie ein schlechtes Gewissen und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Den Kamm neben der Butter liegen haben, klar, bezieht sich auf einen unordentlichen Haushalt. Wie warme Butter und auch wie Butter in der Sonne soll verdeutlichen, jemand schmilzt dahin, ist rührselig, sehr schnell nachgiebig. Jemanden nicht die Butter auf dem Brot gönnen, neidisch sein. Nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, sich nicht alles gefallen lassen. Butter bei die Fische, Sachverhalt klären, mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Norden Deutschlands, dafür spricht auch die falsche Grammatik, Butter kommt erst kurz vor dem Servieren über den Fisch, also in etwa, zur Sache kommen, die Wahrheit sagen, sich aussprechen.

Und zu guter Letzt: alles in Butter, alles in Ordnung, Sie haben diesen Text gelesen oder zumindest überflogen, was will man als Schreiberling mehr. Ach so, die Erklärung, da dürfen Sie sich es sich aussuchen, welche Ihnen am wahrscheinlichsten vorkommt. Bei häufigem Wechsel der verschiedenen Adelssitze soll das gute Geschirr in Butter eingelassen worden sein, und selbstverständlich wurde am Ankunftsort nachgefragt: Alles in Butter? Eventuell auch durch den Transport von Muranogläsern über die Alpen zu den verschiedenen Fürstenhäusern. Die andere Variante dieser Redensart könnte von einem Berliner Gastwirt stammen, der ein Schild mit: Alles in Butter! an seinem Schaufenster angebracht hatte, um damit seinen Kunden mitzuteilen, bei ihm wird alles mit Butter gekocht oder gebacken.

Es ist Zeit für die Butter bei die Fische! Guten Appetit!

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu Butter bei die Fische

  1. Ninde schreibt:

    Gelesen, nachgedacht und auch geschmunzelt. Und nun “ Butter bei die Fische“. Es ist nicht immer einfach, solche Texte zu kommentieren. Vor allem nicht, wenn Leser nur Leser, aber nicht unbedingt Schreiber ist.
    Danke dir trotzdem für deine Beiträge, die ich immer wieder gern lese, auch ohne Kommentare!

    Lieben Gruß von Ninde 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Manfred Wiegand schreibt:

    Gibt es eine „falsche Grammatik“?
    Sicher schreibst Du vom unrichtigen Gebrauch der Grammatik.
    Der Kuchen muss schmecken, auch wenn er gut aussieht.

    Liebe Grüße
    manfredw

    Gefällt 2 Personen

    • quittenbluete schreibt:

      Da habe ich mir bemüht, eine gute Satzstellung zu formulieren, und schon steckt der Fehler in die Aussage. Natürlich müßte es heißen: …dafür spricht auch die falsch angewandte Grammatik. Der Kuchen war übrigens lecker, alles in Butter! Liebe Grüße Doris Mock-Kamm

      Gefällt 1 Person

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