Einen an der Waffel haben


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Zuviel Dilettantismus verhindert fruchtbare Denkanstöße

Irgendwie und irgendwann hat man immer mal wieder einen Menschen getroffen, der einen an der Waffel hatte. Das führte zu leichten oder heftigen Kopfschütteln, einem kurzen Ärgernis, das meistens schnell wieder vergessen wurde, da es nicht von großer Bedeutung war, sich darüber lang und breit auszulassen.

Grob eingeteilt in zwei Arten gab es die, die generell nicht alle Tassen im Schrank haben oder diejenigen, bei denen Hopfen und Malz verloren sind, weil sie bewußt „einen an der Waffel haben“, für ihre wie auch immer geartete Ziele benutzt haben.

Bei erstgenannten ist es natürlich ein leichtes, diese Menschen zu diffamieren, zu belächeln, sich über sie lustig zu machen, weil ihnen der Verstand fehlt für kausale Zusammenhänge. Selbst heute noch werden Menschen, die an einer geistigen Behinderung leiden, als Deppen bezeichnet. Vielleicht weiß der ein oder andere noch, als es nahezu in jedem Dorf einen Dorfdeppen gab, wie oft diese Menschen zum Spielball höhnischer Beleidigungen wurden und dem Gespött ganzer Kindergenerationen.

Bei den zweitgenannten, die bei denen Hopfen und Malz verloren sind, findet man eher die Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dem „einen an der Waffel haben“ bedienen, um sich dadurch Vorteile und Erfolge zu ergattern. Denn hierzu zählen Menschen, die durch ihre spitze Zunge oftmals mit hinterhältigen Anspielungen Unfrieden stiften.

Einen an der Waffel haben, ist laut den Ausführungen der Gebrüder Grimm auf den Ausdruck für den Mund als Waffe zurückzuführen. Genauer auf das Wort waffen, beziehungsweise waffeln, die in etwa die Bedeutung von Unsinn schwätzen haben. Die englischen Wörter to waffle, schwafeln und waffle, Geschwätz, deuten ebenfalls darauf hin. In unserer heutigen Sprachanwendung ist das Wort Geschwafel noch in Gebrauch für belangloses, unzusammenhängendes Gerede. Den kausalen Zusammenhang zwischen Mund und Waffe stellten die Gebrüder Grimm durch das Auf- und Abbewegen des Unterkiefers beim Sprechen an. Waffeln, waffen ist eher ein Lispeln, Flüstern, Stammeln, Murmeln. Dem Schwafler ist oft Böswilligkeit zu unterstellen, da er nicht offen, laut und deutlich seine Meinung kundtut und durch das Flüstern oftmals seinen Äußerungen einen Hauch von Geheimnis anheftet.

Zurzeit beschleicht einem immer öfter das Gefühl, von einer regelrechten Horde von Schwaflern umgeben zu sein, sodaß eine regelrechte Sprachlosigkeit, auch ob der vielen Anhänger dieser Schwafler sich in vielen Bevölkerungsschichten breit macht. Es bleibt vielen Menschen zunehmend einfach die Spucke weg, über den Unverstand und Dilettantismus einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen, die auf sämtliche Phrasen, Parolen der Schwafler hereinfallen und den größten Unsinn für bare Münze nehmen. Bei einigen Menschen mag es daran liegen, denen da oben oder worauf auch immer sie mißgünstig gestimmt sind, es mal zu zeigen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und sie zu analysieren, weil sie mit gehässigen Zoten geeigneter ihren Frust befriedigen können.

Wer schon einmal einen Menschen getroffen hat, dem die Spucke weg blieb, aufgrund eines Schockes oder einer weniger dramatischen Situation, der weiß, daß diese Menschen im günstigsten Fall recht schnell wieder ihre Sprache finden, tun sie das aber nicht, kann dies zu einer über tage- oder wochenlange Störung führen, in denen die Menschen langsam wieder lernen zu sprechen und sie über stammeln, flüstern, murmeln wieder zu ihrem Wortschatz finden.

Während also einige schwafeln, flüstern, stammeln, um andere Menschen intrigenhaft zu verletzen, einen an der Waffel haben, weil sie in bösartiger Form ihre Interessen durchsetzen wollen und andere flüstern, stammeln, murmeln, sie ihre Sprache verloren haben, wird es da nicht Zeit, den Schwaflern gemeinsam entgegenzutreten, indem man ihnen keine Beachtung schenkt, sondern die Beachtung all jenen zukommen läßt, die noch die Möglichkeit haben, Gehör zu finden und mit neuen Ideen und Gedankenanstößen dazu beitragen können, konstruktive Lösungen für die anstehenden Probleme in sozialen, wirtschaftlichen, politischen Bereichen zur Diskussion stellen?

Doris Mock-Kamm

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