Ich habe fertig


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flickr.com/ PAN Photo Agency/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Kein Fiasko des ehemaligen Trainers vom FC Bayern München

Wer kennt sie nicht, diese drei Wörter, diesen einen Satz, der alles, aber auch wirklich alles auf den Punkt bringt? „Ich habe fertig!“

Giovanni Trapattonis Statement bei der Pressekonferenz am 10. März 1998, nachdem FC Bayern München gegen FC Schalke 04 verloren hatte. Nicht zu vergessen, der ebenso bei dieser Rede gefallene Ausdruck: „….waren schwach wie eine Flasche leer.“

Woran liegt es, daß Giovanni Trapattonis Aussagen bei dieser Pressekonferenz immer noch im Gedächtnis haften? Die Niederlage, die Bayern München damals hinnehmen mußte, ist längst Schnee von gestern oder interessiert höchstens noch Statistiker, die alle Tore, Niederlagen, Gewinne, Elfmeterschießen, Fouls, Abseits des Vereins auflisten, um bei passender Gelegenheit mit dem Wissen oder etwaigen Vergleichen zu anderen Vereinen sich brüsten zu können.

Schätzungsweise ist es auch nicht unbedingt seine Art, sich über ein Ärgernis Luft zu machen, sein Temperament, das sich hier präsentiert hat. Es ist doch wohl eher die Tatsache, daß mit „ich habe fertig“ und „waren schwach wie eine Flasche leer“ genau den Aussagepunkt, den Nerv, die Erklärung für die Situation und über die Situation geäußert wurde. Treffender geht’s nicht.

Oder blieben noch Fragen übrig? Was uns alle veranlaßt, diese Sätze zu wiederholen, ist ihre Essenz. Obwohl sie nach grammatikalischen Regeln der deutschen Sprache nicht richtig formuliert wurden und eher eine Eigenkreation darstellen, so muß man diesen Ausdrücken trotz ihrer Eigenwilligkeit, ihrem aussagekräftigen Sinn zusprechen.

Ich bin fertig mit meiner Arbeit, ich habe meine Arbeit fertiggestellt, damit bringen wir zum Ausdruck, etwas wurde zu Ende gebracht. Der Ursprung des Wortes fertig, althochdeutsch fartīg, niederländisch vaardig, niederdeutsch fardig bedeutete zur Fahrt fertig, reisebereit, auf dem Sprung stehend. Das Wort ist verwandt mit parare, zur Fahrt rüsten.

Sicher ist Ihnen der Ausdruck „du Flasche“ bekannt, der besagt, daß jemand unfähig ist, er nutzlos sei. „Flasche leer“ ist demzufolge noch eine Steigerung dieses Ausdruckes. Im Italienischen gibt es nachweislich seit dem 18. Jahrhundert den Ausdruck „fiasco“ für einen Mißerfolg, Fehlschlag, kleinere und größere Katastrophen. Schauspieler, Publikum, Kritiker nannten ein Theaterstück, das keinen Erfolg hatte oder die Aufführung mißraten war, „fiasco“.

Warum das Publikum so eine Vorstellung „far fiasco“, also „Flasche machen“ genannt hat, darüber gibt es etliche Theorien, die wie Theorien so sind, eben nicht hundertprozentig nachweisbar. Eigentlich heißt fiasco einfach eine bauchige Weinflasche. Das Fiasko kam über die französische Sprache und über E.T.A. Hoffmann und Heinrich Heine in unseren Sprachgebrauch. „Flasche leer“ ist also demnach eine Steigerung von einer Unfähigkeit zur totalen Unfähigkeit. Insoweit hat Giovanni Trapattoni durch die Vermischung der beiden Sprachgebräuche eine neue hinzugefügt.

Da Sprachen, hoffen wir, daß es so bleibt, eine „lebendige“ Vielfalt der Ausdrucksformen über Jahrhunderte durchleben, so kann es durchaus möglich sein, daß „waren schwach wie Flasche leer“ und „ich habe fertig“ in etlichen Jahren im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr als „exotisch“ klingend auffallen.

Doris Mock-Kamm

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