In die Suppe spucken


https://www.flickr.com/photos/webtuefu/6998578146/sizes/z/

flickr.com/ Webdevil666/ (CC BY-SA 2.0)

Wer hat uns das wohl eingebrockt oder ist etwa ins Fettnäpfchen getreten?

Hat Ihnen auch schon mal jemand in die Suppe gespuckt? Oder haben Sie jemandem die Suppe versalzen? Im übertragenen Sinne natürlich, schätzungsweise ist es sicher schon jedem passiert, womöglich aus Absicht oder aber aus Versehen. Denn schnell kann man in ein Fettnäpfchen treten, das man übersehen hatte.

In die Suppe spucken ist gleichbedeutend mit, jemanden schaden, seine Pläne durchkreuzen, dies muß nicht unbedingt bewußt geschehen. Die Suppe versalzen, bedeutet so ziemlich das Gleiche. Ob also in die Suppe gespuckt oder sie versalzen wurde, beide Redewendungen implizieren eine absichtliche Handlung, um jemanden irgendetwas nicht zu gönnen. Ob wir nun das Haar in der Suppe finden oder suchen, auch hier gilt die vorsätzliche Böswilligkeit.

Immerhin besteht, wenn eine böswillige Absicht hinter unserem Tun steckt, die Möglichkeit, die Suppe auszulöffeln, die wir uns eingebrockt haben. Die Suppe abgeleitet von saufen, schlürfen, saugen, ausquetschen liefert eine Einsicht in die Eßgewohnheiten der Vorfahren. Ob nun als supfa, eingetunkte Brotschnitte, soppa, Milch mit gebröckeltem Brot, soppen, Brot in Flüssigkeit tunken, leichte Abendmahlzeit halten, bei sämtlichen artverwandten Wörtern, es gibt noch einige mehr, ist das Tunken von Brot in einer Flüssigkeit erwähnt.

Vielleicht gibt es den ein oder anderen Leser, der sich noch sehr gut daran zurückerinnern kann, daß auf dem Ofen, der „Küchenhexe“ immer ein Topf mit Suppe köchelte oder nur noch kurz warm gemacht werden mußte. Manchem mag noch im Bewußtsein sein, daß zur Suppe oftmals ein Kanten Brot serviert wurde, und falls sich unerwartet Besuch einstellte, die Suppe gegebenenfalls mit ein bißchen mehr Wasser angereichert wurde, damit es für alle ausreichte.

Die Suppe als Nahrungsmittel hatte schon deshalb einen hohen Stellenwert, weil sie ohne weiteres mit verschiedenen Zutaten und Gewürzen kurzerhand verändert werden konnte. Es ist es kein Wunder, daß die Suppe Einzug in die Redensarten gefunden hat, kam sie doch bei allen gesellschaftlichen Schichten auf den Tisch. Und da die Suppe in schlechten Zeiten, wenn sie mehr oder weniger nur aus Wasser bestand, wertvoll war, steckte natürlich böswillige Absicht dahinter, wenn jemand in die Suppe gespuckt hat, vielleicht damit den anderen der Appetit verging.

Mit Menschen, die anderen schaden wollen, ihnen etwas nicht gönnen, neidisch sind, nicht fähig sind zu teilen, auf ihren eigenen Nutzen bedacht sind, haben also schon unsere Vorfahren ihr Leidwesen gehabt.

Nichtsdestotrotz kann es natürlich passieren, daß jemand unabsichtlich, unüberlegt, ohne böse Absicht, im falschen Moment etwas äußert oder tut und damit jemanden die Suppe versalzt. Es ist dann der Moment, in dem wir ins Fettnäpfchen treten. Die Fettnäpfchen waren eigentlich Töpfe, Pfannen, Krüge, die neben oder über den Kaminen, Öfen standen, um das Fett, das durch das Räuchern von Speck, Fisch heruntertropfte, aufzusammeln.

Und wer des nachts im Dunkeln durchs Haus geisterte, konnte also schon mal in so ein Fettnäpfchen treten. Falls uns dies passiert, hilft nur eine aufwendige äußerliche Reinigung, zur innerlichen Reue löffeln wir die Suppe leer, die wir uns eingebrockt haben.

Doris Mock-Kamm

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s