Störfaktoren allenthalben vorhanden


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flickr.com/ Stefan Jürgensen/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Auf den Spuren von Archimedes unterwegs

„Störe meine Kreise nicht.“ Dieser Ausspruch wird Archimedes als seine letzten Worte in den Mund gelegt. Er soll, als Plünderer in die Stadt Syrakus eingedrungen waren, beim Nachdenken über einen mathematischen Beweis gesessen, dafür Kreise in den Sand gemalt haben, einem Soldaten, der ihn dabei störte, mit den Worten: Störe meine Kreise nicht, so aufgebracht haben, daß der plündernde Soldat ihn erschlug. Archimedes lebte von 287 bis 212 v.Chr., wahrscheinlich ist dem Großteil der Menschen dieser Ausspruch geläufiger als seine mathematischen Beweise und Erfindungen.

Fast täglich werden wir damit konfrontiert, bei unseren Beschäftigungen gestört zu werden, sei es das Klingeln des Telefons, das Läuten der Kirchenglocken, hupende Autos. Ablenkungsfaktoren, die uns mitunter verleiten, von der Arbeit aufgeschreckt oder abgelenkt zu werden. Wer mit kleinen Kindern zusammenlebt, wird sich des Phänomens nicht verschließen können, zu beobachten, daß das Kind, sobald es den Eindruck hat nicht beobachtet zu werden, weil wir im Gespräch vertieft sind, die Gelegenheit nutzt, einfach mal eine Schublade auszuräumen.

Der Duden erklärt zu dem Wort stören, die Herkunft sei ungeklärt und die eigentliche Bedeutung komme von verwirren, zerstreuen, vernichten. Das Wörterbuch der Gebrüder Grimm allerdings führt unter anderem stören auf das germanische Wort sturian zurück, in Bewegung setzen, aufrühren, hetzen. Wahrscheinlich läßt sich der Sturm auch auf sturian zurückführen. Stüren, steuren, im ursprünglichen Sinn, mit einer Stange in etwas stochern, herumstoßen. In Bezug auf die lateinische Sprache restaurare, wiederherstellen, instaurare, instandsetzen. Es zeigt wieder einmal, daß durch handwerkliche, tägliche Handhabungen, wie zum Beispiel das Herumstochern im Feuer ein Wort sich sinngemäß gewandelt hat, um die Begrifflichkeit von menschlichen Handlungen zu erklären. In Bezug auf stöbern, das wortverwandt ist, kann dies sehr gut erkannt werden.

Obwohl Musik durch seine vielen Facetten einen positiven Einfluß auf unser Gemüt ausübt, so kann sie aber durchaus aus verschiedenen Gründen zu einem Störfaktor werden, der bei einigen Menschen bis zum blinden Wutanfall führen mag. Die Störungen, die Töne auslösen, sind nicht unbedingt auf die Lautstärke zurückzuführen, stören können die Vorlieben oder Aversionen der unterschiedlichen Musikrichtungen eben je nach eigenem Geschmack oder Empfinden. Eventuell gibt es kein Gegenstand, Person, Tier, Pflanze, der nicht von irgend jemandem als Störfaktor wahrgenommen wird und der dann bei der Erwähnung des Wortes sich schon in seinem Sein gestört fühlt.

Zurzeit empfinden die meisten Menschen wohl das Wetter und die politische Stimmung als Störfaktor für ihr Umfeld. Für ihren eigenen Wohlfühlmoment, das Wetter, weil es so gar nicht der Vorstellung entspricht, wie das Wetter zu sein hat in diesem Monat, dem Jahresrhythmus entsprechend. Die politische Stimmung, weil allzu viele nur ihre eigene Suppe kochen wollen und damit ihre Argumentationen fruchten, ihnen Beachtung geschenkt wird, verhalten sie sich wie kleine Kinder, die wie oben beschrieben, in Schubladen stöbern, damit man sich ihnen wieder zuwendet, kurz genannt, negative Aufmerksamkeit erhaschen wollen.

Störe meine Kreise nicht, bedeutet Respekt für den anderen und sein Tun, solange er mit seinem Verhalten weder sich noch andere gefährdet. Dies zu berücksichtigen, ist im täglichen Miteinander nicht einfach und manchmal auch nicht vermeidbar, aber bewußtes, absichtliches Stören, vielleicht sogar ein ständiges Stöbern nach Störungsmöglichkeiten wird für niemanden ein friedliches Zusammenleben bieten. Und das Wetter konnte wohl noch nie zur aller Zufriedenheit einen Beitrag leisten, aber schließlich brauchen wir manchmal seine Unzuverläßigkeit, um unser Befinden zu erklären oder um einen Gesprächsfaden anzuknüpfen.

Doris Mock-Kamm

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