Das verlorene Kind


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Hast sie gewickelt und gepflegt,
gefüttert und vorgelesen,
liebevoll zugedeckt,
manchmal dich dazugelegt,
bist stets bei ihnen gewesen,
morgens zur Schule sie geweckt.

Das Los der Eltern ein jeder kennt,
welch liebevolle Aufgabe,
so der Lauf der Welt.
Ob sie lachen oder eine flennt,
du weißt oft Rat in fast jeder Lage,
viel Vertrauen, genau das zählt.

Irgendwann, dann sind sie groß,
erwachsen, suchen eigene Wege,
verirren oder finden sich.
Du stehst bereit, berätst, so dein Los,
auf das sich bei ihnen Gutes rege,
suchst das Gespräch, weiter fürsorglich.

Meist mag Familie sich verstehen,
begegnen auf Augenhöhe,
im respektvollen Umgang.
Wenn nicht, heißt’s auseinandergehen,
gar im Streit, was jucken mich deren Flöhe,
bis zu bösartig häßlichem Überschwang.

Da sitzt du nun, Vater oder Mutter,
mit den Jahrzehnten herangereift.
Dein Blick taucht manchmal ins Leere,
lauter Vorwürfe man schmiert, statt Butter,
wurdest hinterher gar eingeseift,
was verbleibt dir dabei als Lehre?

Am Ende zählt stets die eigene Persönlichkeit,
die dir niemand nehmen darf,
weder Staat, noch Freund oder eigenes Kind.
Und falls es bei dir auch ist soweit,
handle nie beherzt, besser scharf,
sonst wirste zur Schlachtbank geführt, wie ein Rind!

Lotar Martin Kamm

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6 Antworten zu Das verlorene Kind

  1. Sylvia Kling schreibt:

    Traurig und leider nicht selten. 😢

    Gefällt 1 Person

  2. sabinerrinen schreibt:

    aus dem Leben gegriffen, total zutreffend!
    SUPER
    LG
    Sabine Daus

    Gefällt 2 Personen

  3. So ist es, geschieht schon mal und ist dann auch schwer zu ändern.
    Kenne ich sehr gut – leidvoll, die Seele wird gequält
    LG
    Ede-Peter

    Gefällt 2 Personen

  4. Auberge Keur Diame schreibt:

    Auf den Punkt gebracht! Leider!
    Schmerzen in der Brust, im Kopf, Gefühl der Leere…
    Kenne ich gut, doch Hoffnung stirbt zuletzt! 🙂
    Vielen Dank für diese Zeilen
    Mme Ruth

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Donnerstag, den 16. Juni 2016 | Kulturnews

  6. nurmalich schreibt:

    Inhaltlich ist das leider in viel zu vielen Fällen zutreffend.
    Ich bin froh und glücklich, dass ich davon (noch) nicht betroffen bin.
    Sprachlich allerdings ist der Text in meinen Augen dann doch ein wenig holprig. (Aber wer weiß, vielleicht ist das ja Absicht, um deutlich zu machen, dass die beschriebene Situation ja auch nicht glatt ist.)

    Gefällt mir

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