Vergewaltigung: Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats


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flickr.com/ füthart/ (CC BY-NC 2.0)

Freie Entfaltung vs. Menschenwürde im Widerspruch

Straftatbestände gegen die sexuelle Selbstbestimmung belasten erheblich ein friedliebendes Zusammenleben in allen Gesellschaften, zumal obendrein eine ungeahnte Dunkelziffer innerhalb von Partnerschaftsgemeinschaften inklusive dem dramatischen Bereich pädophiler Übergriffe erst recht für genügend Leid sorgt. Und der Staat schaut meist hilflos zu, das Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats muß auch hierzulande als ziemlich dürftig bezeichnet werden, was gerade die Strafmaße anbelangt.

Die freie Entfaltung vs. Menschenwürde etwa im Widerspruch? Auf alle Fälle, denn nach wie vor meinen Sexualstraftäter, das deutlich ausgesprochene Nein neben anderen klaren Signalen zur Abwehr gelte nicht für sie, was erst recht deren Tatfortsetzung beflügelt. Unabhängig davon, daß ein solch erzwungener Akt alles andere als angenehm sein kann, stellt sich genau hier die Frage: Wie krank muß die Moralvorstellung unserer Gesellschaft sein, daß viel zu oft in der Praxis die Opfer sich erklären müssen, während ein zu hohes Maß an Verständnis Tätern entgegengebracht wird?

Der Fall Gina Lisa-Lohfink

Garantiert geistert in den Köpfen manch hämischer Damen und Herren das vorschnelle Urteil, daß wenn jemand als Modell und It-Girl unterwegs sei, es nahewegs anlegen würde, sexuell auffallen zu wollen, um somit belästigt zu werden. Fehlanzeige! Gerade Menschen, die sich dermaßen selbstbewußt in der Öffentlichkeit präsentieren, sind eben in der Praxis kaum ein Opfer, das Gros der Sexualstraftäter vergreift sich an hilflos erscheinende Menschen.

Gina Lisa-Lohfink hat einen üblen Leidensweg bereits durchleben müssen nach der besagten Nacht, in der sie nach der Einnahme von Ko-Tropfen sexuell mißhandelt wurde, ein regelrechter Shitstorm durchs Netz geisterte, nachdem die Täter die enstprechenden Filme veröffentlicht hatten. Inzwischen kehrte ein Gericht die Vorfälle um, den Angeklagten wurde mehr Glauben geschenkt, sie solle dafür 24.000 Euro wegen Falschaussage berappen, woraufhin sie nach der Verhandlung verständlicherweise zusammenbrach. Jetzt hat sich Familienministerin Manuela Schleswig eingeschaltet.

Der Fall einer 22-jährigen Niederländerin

Das sollte eigentlich bekannt sein, in wie weit in muslimisch geprägten Ländern das Verhältnis zwischen Mann und Frau sich äußert, vom Alkoholverbot bis hin zur Kleiderordnung. Eine Frau hat sich dort anzupassen oder muß mit unangenehmen Folgen rechnen. Warum eine 22-jährige Niederländerin im arabischen Katar dies offensichtlich nicht beherzigte, liegt allerdings auf der Hand: Etliche andere westliche Touristen tun es doch ebenso, dann kann ja nichts schiefgehen.

Welch brutaler Irrtum! Man sollte sich niemals in Sicherheit wiegen, das Verbrechen lauert stets überall, erst recht in einer extrem nach dem Manne ausgerichteten Gesellschaft, in der dieser nahezu sämtliche Rechte seiner sexuellen Ausschweifungen genießen darf, während Frau dort zurückstecken sollte.

Reform des Sexualstrafrechts viel zu lang überfällig

Vielleicht wurden viel zu wenig prominente Politikerinnen oder gar Ehefrauen von Richtern sexuell mißbraucht, könnte man aus der Sicht von Opfern in die Welt brüllen, damit endlich eine längst überfällige Reform des Sexualstrafrechts stattfindet. Dabei sollte ummißverständlich das „Nein“ zusammen mit anderen Verlautbarungen als Gegenwehr vor dem sexuellen Mißbrauch im Gesetzestext ausformuliert festgehalten, im Strafrecht verankert werden. Daß Falschanzeigen folgen mögen, darf dennoch kein Hinderungsgrund sein, den Opfern dadurch mehr beizustehen, es gilt stets, daß erst deutliche Beweise, Zeugenaussagen Straftatbestände feststellen.

Ebenso das Grabschen muß mit in den Gesetzestext fließen, was seit der letzten Silversternacht einen neuen Stellenwert erhalten hatte, weil dermaßen massiv, obwohl bei manchem Oktoberfest oder ähnlichen Festen, denken wir an Schützenfeste, gleichwohl oftmals dort gängige Praxis ist.

„Schrecklich sind die Schwächen der Gewalt.“ (Stanislaw Jerzy Lec)

Lotar Martin Kamm

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3 Antworten zu Vergewaltigung: Sexualstrafrecht in einer Welt des Patriarchats

  1. Arabella schreibt:

    Ein sehr kluger Artikel.

    Gefällt 2 Personen

  2. bilbo schreibt:

    In der heutigen Zeit, kann eine falsche Aussage, Rufmord oder ganz einfach eine Lüge einen Mann seine Familie, seinen Job und seine Reputation kosten….mit dem neuen Sexualstrafrecht wird diese Gefahr nur noch größer und wesentlich erleichtert, wie der Fall des Wetterfrosches gezeigt hat. Wie hoch denken sie, sollte das Strafmaß für Frauen sein, die leichtfertig mit dem Leben anderer spielen? Ich halte Frauen übrigens nicht für die besseren Menschen, wie im Mainstream ständig propagiert wird, nach 25 Jahren in einem Betrieb mit 80 % Frauenanteil, habe ich einiges an Schlechtigkeiten erlebt. Nein, der Schaden und die Folgen die durch Lügen und unfaires Verhalten entsteht, ist genauso fürchterlich und traumatisierend, wie eine Vergewaltigung. Bei eindeutig bewiesener Vergewaltigung hatte die Rechtsprechung genügend Mittel zur Hand. Was Maas umgesetzt hat, ist eine gesellschaftliches Zerrüttungselemt. Die Justiz gerade in Deutschland ist fehlbar, politisch und handelt eben nicht nach dem Gleichheitsgrundsatz. Es wird weder mehr Gerechtigkeit, geben noch werden solche Fälle w.o. beschrieben aufhören.

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  3. gripseljagd schreibt:

    Falschanzeigen in diesem Bereich sind auch eine Art sexuelle Vergewaltigung mit enormen Folgen für das Opfer. Ein Gesetz welches Falschanzeigen provoziert ist einfach schlecht gemacht. Gerade in diesem Bereich ist die Gefahr sehr hoch, dass aus gekränkter Eitelkeit dann enormer Schaden entsteht.

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