Silberfäden im Haar


© Doris Mock-Kamm

© Doris Mock-Kamm

Silberfäden durchzogen ihr langes Haar,
ihre Bewegungen alles andere als starr.
Von hinten anzuschauen wie eine junge Frau,
ihre Mimik das Lächeln, stolz wie ein Pfau.

Das Alter hat ihre dunkle Haut welken lassen,
die Wörter sprudeln wie Wassermassen,
wenn sie spricht, spürt man Lebensfreude,
kein böses Wort der Vergangenheit, keine Reue.

„Das Leben ist wie eine Bergwanderung,
du siehst den Gipfel, Nebelschwaden ringsrum,
du verirrst dich trotz Anstrengung, immer wieder,
gehst zurück, im Kreis, läßt dich eine zeitlang nieder.

Beweinst die Menschen, die entweder zurück
oder gestorben sind, woanders fanden das Glück.
Der wolkenumhangene Gipfel schien manchmal nah,
ein Irrtum, anderntags schien die Sonne, wunderbar.

Die einzige Mühsal, das ist erst im Alter zu erkennen,
die Strecke zum Gipfel ist kein Pferderennen,
deine Stärke zeigt sich auf den letzten Metern,
es ist die Kraft, durch Nebel den Gipfel zu betreten,

die Herrlichkeit der Wegstrecke, die Serpentinen,
die Nachtlager, die Bäume, die verwobenen Linien,
die Weite, die spärliche Luft, die das Atmen erschwert,
spürst dein Innerstes, Tod, dies Leben war es wert.

Dieser Moment zählt bei weitem zu den schwersten,
Zukunft, jetzt, Vergangenheit auf einmal im Herzen.“
Sie nestelt an ihrem Haar, wischt eine Strähne fort,
in ihrem Gesicht spiegelt sich das Lächeln der Geburt.

Nafia

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