Kosmos und seine scheinbare Ordnung


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Mit Kosmetik dem Chaos des Schönheitsideals trotzen

Es gibt sie gewiß, die Menschen, die es schaffen, täglich ihre Wohnungen, ihr Auto, ihre Handtasche, ihre Schränke in Ordnung zu halten, die immer wissen, wo nun die verdammte Schere wieder ihren Platz gefunden hat. Und sie schaffen diese Ordnung im Handumdrehen, machen diese Dinge mit links, während alle anderen daneben stehen und sich verzweifelnd fragen, wie schaffe ich es, in dieses Chaos so etwas wie Ordnung zu bringen.

Zu dieser Thematik gibt es inzwischen ganze Bücherreihen, die Hilfestellungen anbieten, wie miste ich am besten meinen Schrank aus, welche Prioritäten zu setzen sind, um Entscheidungen der Auswahl zu treffen, was benötige ich noch, was nicht. Wie der Tagesablauf am besten zu organisieren ist, damit alle zu erledigenden Arbeiten auch wirklich ausgeführt werden können.

So mag es erstaunlich klingen, daß Kosmos, unser Begriff für Weltall, Weltraum vom griechischen Wort kósmos abstammt  und eigentlich Ordnung, Schmuck, Ehre, Glanz bedeutet. Wo bitte ist im Weltall Ordnung? Herrscht dort nicht ein einziges Chaos? Keiner der Planeten ist der Reihe nach aufgestellt, aufgeräumt, es gibt zwar Bemühungen der Wissenschaftler, in dem Chaos von Planeten, Sternen, schwarzen Löchern, Galaxien eine gewisse Ordnung zu erkennen und zu benennen, dennoch ist der Blick ins All eher ein Blick ins Chaos als in ein aufgeräumtes Zimmer.

Nun ist kósmos auch über das französische Wort cosmétique, aus dem Griechischen kosmētikḗ (téchnē), Kunst des Schmückens in unserem Wortschatz aufgenommen worden und bezeichnet abertausende Artikel, die zur Verschönerung des Körpers angepriesen werden. Diese Artikel schaffen dort Ordnung, wo die Natur anscheinend vergessen hat, daß hierauf momentan in diesem Zeitalter geachtet wird. Das Schmücken des Körpers oder Körperpartien, Parfüms, Öle für einen angenehmen Körperduft wurden dem Menschsein durch Ausgrabungen und Zeichnungen auf Gestein, Vasen nachgewiesen. Es ist also keine neuzeitliche Erfindung, sich der Kosmetik zu verschreiben.

Selbst Torturen des Leidens für ihr Schönheitsgefühl haben unsere Vorfahren in ähnlicher Weise auf sich genommen, um einem Ideal der Zeit entsprechend zu gefallen. Dabei haben nicht nur die weiblichen, sondern auch die männlichen Vorfahren nicht davor zurückgeschreckt, sich der jeweiligen Mode anzupassen. Es ist der Versuch, Ordnung (Kosmos) durch Schmuck (Kosmos) in eine Gemeinschaft zu transportieren. Wobei je nach Kultur, Land im Laufe der Jahrhunderte sich die Maßstäbe für das Aussehen, Kleidung verändert haben. Wie schnell so eine Veränderung des idealen Aussehens erfolgen kann, erlebt jeder, der sich mal wieder Photos, Filme ansieht, die vor 20 Jahren oder früher aufgenommen wurden.

Unser Kosmos, die Ordnung, die wir zurzeit gerne vertreten, die Kosmetik, der Schmuck, den wir zurzeit anwenden, um den jetzigen Vorstellungen von Schönheit zu entsprechen, mögen in wenigen oder vielen Jahren eine komplett andere sein, von denen wir jetzt nicht mal den leisesten Phantasieansatz erbringen können. Vielleicht ist die Ordnung das Chaos, vielleicht ist die Schönheit der kleine Leberfleck, der sich partout nicht wegretuschieren läßt.

Vielleicht sollten wir der griechischen Sprache dankbar sein, daß sie in einem durcheinander gewürfelten Wirrwarr von Planeten, Sonnen eine Ordnung erkannt hat, die dadurch zum Kosmos (Schmuck) wird, weil sie eben nicht „quadratisch, praktisch“ ist, ähnlich einem Mosaikbild, das bei genauerem Betrachten verschiedene Differenzen aufweist.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Kosmos und seine scheinbare Ordnung

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Mein kleiner Kosmos funktioniert, weil ich immer für alles feste Plätze habe …, bis meine Frau kommt und umräumt 😀

    Gefällt 3 Personen

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