Wohnungsmarkt: Mietpreisbremse ein einziger Flop


denk klein

Spekulation und Wohnungsnot – welch dramatische Entwicklung

Arno von RosenDie Mietpreisbremse sollte alle erhitzten Gemüter beruhigen. Verbände rannten gegen die steigenden Mieten in den Großstädten an, und die große rot-grüne Koalition nahm sich des Themas wahlwirksam an. Und so wurde der große Wurf beschlossen. Der Mietzins sollte bei bereits bestehenden Mietverträgen nur noch kalkulierbar steigen und für Neuvermietungen zumindest bei der Vermittlung durch einen Makler das Auftragsprinzip gelten, also das derjenige die Provision an den Makler bezahlt, der ihn beauftragt.

Das waren bisher meistens die Vermieter, die sich die Arbeit gerne abnehmen ließen, Wohnungs- oder Hausbesichtigungen zu machen, dem zukünftigen Mieter unangenehme Fragen zu stellen wie etwa, wo und wie lange arbeiten Sie schon? Was verdienen Sie, haben sie Bälger und einen Köter, äh, ich meine liebreizende Kinderchen und den treuesten Freund des Menschen, und dergleichen mehr?

Was ein Vermieter will, sind pensionierte Beamte, die ihre Hose mit der Pinzette zumachen, weiße Socken tragen und zweimal im Jahr in den deutschen Urlaub fahren. Mieter sollten weder Tiere noch Kinder haben, nicht alleinstehend sein (wer will schon dauernd Besuch im Haus, außer neugierige Nachbarn vielleicht), natürlich müssen sie reinlich sein, ohne sich über den Zustand des Hauses zu mokieren, nie die Kürzung der Miete androhen, Reparaturen stets selbst ausführen, ein Fachbetrieb wäre schön und ganz wichtig, am 1. des Monats ist die Miete auf dem Konto des Vermieters.

Mieter sind da naturgemäß flexibler, denn Kinder und Tiere sind kein Problem. Vom geliebten Hund über eine Katze mit Diva-Allüren bis hin zu schmeichelnden Reptilien mit einer Länge von 5 Metern ist alles cool. Instandhaltung ist Sache des gierigen Hausbesitzers. Wenn Dreck neben den Mülltonen liegt, waren es sowieso die Nachbarn, und der Schimmel kommt immer von Kältebrücken, schließlich sind die Fenster so marode, dass ein Öffnen nicht mehr nötig, weil es sowieso zieht wie Hechtsuppe. Deshalb sind die Nebenkosten auch so gigantisch und werden mit 50 Ocken im Monat abgestottert, jedenfalls so lange man da überhaupt noch wohnt, in dem überteuerten Drecksloch. Und wer hat jetzt gewonnen bei dem neuen Gesetz?

Ähm, ich will ja kein Spielverderber sein, aber es hat sich eigentlich nix geändert, denn es gibt nur eine kleine Gruppe von Mietern, die von der komplizierten Regelung profitieren können. Die wohnen schon lange in der Wohnung, und der Vermieter hat dauernd vergessen, die Miete zu erhöhen. Es würde mich jetzt wundern, wenn ausgerechnet Sie zu dieser Gruppe gehören würden, denn die Wahrheit ist, dass der überwiegende Wohnraum nicht nur regelmäßig neu vermietet wird, sondern auch von Wohnungsgesellschaften verwaltet und vermarktet wird.

Mietzinsentwicklung

Dazu kommt, dass das Gesetz nicht bei Neubauten oder Luxussanierungen gilt. Was ist denn mit der Maklercourtage? Erst lief die Branche Sturm, und Szenarien von mittellosen Maklern machte die TV-Welt unsicher, aber schließlich fand man genug Tricks und Kniffe, um den zukünftigen Mieter doch wieder zu Kasse zu bitten, und das gilt nirgendwo mehr als in den Großstädten.

Wie kam es zu der Mietmisere in den Metropolen? Nun, als die Aktienmärkte abrutschten, die Immobilienblase weltweit platzte und die …, was? Wieso dann wieder die Immobilien so teuer sind, obwohl die Banken gerade damit auf die Schnauze gefallen sind? (Na gut, nicht nur damit, sondern auch, weil man mit miesen Papieren auf dem Aktienmarkt „Reise nach Jerusalem“ gespielt hat und die letzten und kleinen Banken wurden zum Schluss in den Allerwertesten gekniffen). Also, die Länder retteten die Banken, gerne mit Steuergeld, weil es davon so viel gibt (Ironiebutton bitte anschalten), und nachdem die Großaktionäre/Milliardäre wieder ihr sauer verdientes Geld in den langen schön gefeilten Händen hatten, gab es weder lukrative öffentliche Anleihen (Staatsschulden), Edelmetallkurse mit Zukunft, Aktienpapiere, denen man trauen konnte und …, aber das würde jetzt für das eine blöde Gesetz zu weit führen.

Also Menschen mit Geld entdeckten für sich das Betongold, und weil ja ein Grieche, Spanier, Italiener, Engländer, Deutscher, Schweizer…, äh auch hier beenden wir die Liste, sich nicht mit den guten Immobilienorten auskennt, kauft er einfach in Großstädten wie London, Paris, Berlin, München (ist für einen Bayer natürlich eine Metropole) usw. alles auf, was bei Drei nicht auf dem Baum war, und schwups stiegen die Preise ins unermesslich Absurde.

Ja, Sie sind ein Cleverle, denn damit haben wir natürlich die nächste Immobilienblase, die wieder zwangsläufig platzen wird, denn die Drei-Zimmer-80 m²-Wohnung in München Schwabing ist natürlich keine 650.000 Euro wert, vor allem, wenn die gleiche Bude in Meck-Pomm gerade mal schlappe 40.000 Schleifen kostet, nur mit dem Unterschied, dass dorthin kein Geldfürst seine Penunzen verschiebt. Und weil nun mal Geld die Welt regiert, vergessen Sie am besten das Gesetz und legen sich ihr Erspartes unter die Matratze, denn um ein Haus zu kaufen, dürfen Sie maximal drei Jahresgehälter ausgeben, alles darüber verschwendet ihr Geld, selbst wenn die Europäische Zentralbank den Zins auf minus 2% senken sollte (ist machbar, aber wäre Idiotie), können Sie sich keine eigenen vier Wände leisten.

Daher pendeln wir, sind nett zum Vermieter, zahlen unsere Miete pünktlich und heben den Müll neben der Tonne auf, selbst wenn er nicht von uns ist. Außer, ja, außer Sie wohnen in Wien, denn dort bezahlt die Stadt den normalen Menschen mit normalen Jobs den Anteil der Miete, den sie sich nicht leisten können, damit genau diese Menschen nicht wie Lohnsklaven täglich zwei Stunden pendeln müssen, um sich dann noch als Rabeneltern beschimpfen zu lassen.

Und so schließe ich den heutigen Artikel, der von einem Gesetz handelt, welches heiße Luft um die Ecke schiebt, mit einem Satz von Karl Valentin:

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Ach ja, Ironiebutton wieder aus…

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