Schuster bleib bei deinen Leisten


https://www.flickr.com/photos/timecollapse/435252089/sizes/z/

flickr.com/ egon voyd/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Trugschluß oder unabdingbare Redensart?

Schuster bleib bei deinen Leisten. Entweder wird diese Redensart als einfache Aussage oder als Ausspruch, Ausruf verwendet. Die Bedeutung bezieht sich nicht nur auf den handwerklichen Bereich des Schusters, sondern verdeutlicht unter anderem, jemand soll sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, nicht über Dinge zu sprechen, die die Person eigentlich nichts angeht, bleibe bei dem dir vorgegebenen Weg, auch in Bezug auf deine Ausbildung, Beruf.

Es wird behauptet, daß diese Redensart schon seit hunderten von Jahren bekannt und angewandt wird. Anscheinend ist die Redensart auf den Maler Apelles, der zur Zeit Alexander des Großen in Rom gewirkt hat, zurückzuführen, der, nachdem ein Schuster ein Bild von ihm kritisierte, geantwortet haben soll: „Was über dem Schuh ist, muß der Schuster nicht beurteilen“, so jedenfalls schildert es der römische Schriftsteller Plinius.

Für einige Menschen mag sich ihr beruflicher Lebensweg schon sehr früh abzeichnen und sie wissen schon Anfang der Pubertät, durch ihre Berufswahl, mit welchen Talenten sie ausgestattet sind, um in ihrem gewählten Ausbildungsplatz bis ins Alter glücklich zu sein. Die meisten Menschen aber brauchen mehrere Anläufe, um die Tätigkeit zu finden, mit der sie nicht nur ihren Lebensunterhalt finanzieren, sondern sich auch identifizieren. Ausbildungs-, Schul- und Studienabbrüche sind in den Lebensläufen zu finden, nicht immer werden sie ehrlich angegeben, denn die Gesellschaft sieht in den Abbrüchen immer gerne noch ein Versagen des Menschen.

Anderseits wurde, wird gerade das Austesten verschiedener Berufswege als das Nonplusultra angepriesen, gleichzeitig aber war, ist diese Angabe im Lebenslauf oft der Grund, warum ein Bewerber abgelehnt wird. Wie denn nun?

Die Entwicklung eines Menschen kann, wird trotzdem gerne versucht, nicht in Tabellen genauestens angegeben werden. Zu unterschiedlich sind die Prioritäten, die Menschen brauchen, um sich zu entwickeln. So kann es ohne weiteres sein, daß ein Kind erst mit zweieinhalb Jahren zu laufen beginnt, aber sich bereits sprachlich sehr gut ausdrücken kann. Selbst Zwillingsgeschwister beginnen nicht unbedingt gleichzeitig, sondern oftmals durch Tage oder Wochen verschoben ihre ersten Schritte.

Die Aussage, Schuster bleib bei deinen Leisten, ist insofern nicht aussagekräftig, wenn es um berufliche Entwicklung geht, auch Einwände, die von jemanden geäußert werden, der nicht unbedingt von einem Fachgebiet Kenntnis hat, können zweifelsohne ihre Richtigkeit haben. Allerdings beim Einmischen in persönliche Angelegenheiten, Zwistigkeiten unter Freunden, sollte der sich Äußernde die Fähigkeit besitzen, nicht eine einseitige Betrachtungsweise in die Auseinandersetzung fließen lassen, sondern genügend Menschenverstand das Entstehen des Konfliktes zu betrachten und zwar aus beiderseitigem Standpunkt. Denn hier liegen meist zurückliegende Unstimmigkeiten vor.

Schuster bleib bei deinen Leisten zählt übrigens oftmals nicht in den „höher gestellten“ Positionen. In den USA konnte ein Schauspieler Präsident werden, politische Ämter und Vorstandsposten können auch von Menschen besetzt werden, die aus völlig anderen Sparten und deren berufliche Kenntnisse überhaupt nichts mit diesen Stellungen zu tun haben.

Bei „normalen“ Arbeitern und Angestellten wird dies allerdings verneint, es wird ihnen abgesprochen, daß sie die Fähigkeit besitzen, in bis dahin völlig berufsfremde Sparten ihren „Meister“ zu stehen. Ganz fatal trifft es die Älteren, bei ihnen kommt die Redensart, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, hinzu. Auch wenn eine Arbeitsministerin vor ein paar Jahren großspurig angekündigt hat, Menschen, die auf Grund ihrer körperlichen Tätigkeiten ihren alten Beruf nicht mehr ausüben können, könnten ohne weiteres in den kaufmännischen Bereichen neue Jobs bekommen. Nur wurde übersehen, daß der kaufmännische Bereich, bedingt durch vielerlei Umstände, überhaupt nicht mehr die Kapazität hatte, diese Menschen „unterzubringen“.

Schuster bleib bei deinen Leisten, trifft wohl dann am besten zu, wenn der Mensch sich selbst treu bleibt, unabhängig vom beruflichen, sozialen, wirtschaftlichen Stand und sich nicht aus Gründen der Vorteilsnahme, Beziehungen in seiner Persönlichkeit beeinflussen läßt.

Doris Mock-Kamm

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s