Ohne Fleiß kein Preis


https://pixabay.com/de/stress-spannung-burnout-kopfschmerz-391660/

pixabay.com

Konkurrenz und Rivalität belastet die Gesellschaft nicht folgenlos

Ohne Fleiß kein Preis, denn haste was, biste was. Solange Gesellschaften unter diesem Motto ihre Grundfesten haben, kann kein wirkliches Miteinander funktionieren. Es ist der absolute Konkurrenzkampf, der mit diesen Floskeln eingeläutet und beständig als Leistungsbeweis erschreckenderweise schon in den Kindergärten vermittelt und eingefordert wird.

Selbst wenn wir von dem besten Fall ausgehen, den Eltern ihren Kindern zukommen lassen, nämlich bedingungslose Liebe, kann diese in den Momenten gestört werden, in denen dem Nachwuchs unterstellt wird, der kann noch nicht richtig laufen, sprechen, selbständig auf Toilette, Puzzle zusammenfügen, nur auf einem Bein stehen und das in dem Alter. Damit wird den Eltern impliziert, ihr Kind ist zurückgeblieben, auch wenn man sich als Eltern bemüht, dem keine Beachtung zukommen zu lassen, wird dadurch bereits ein kleiner Stachel der Unvollkommenheit zur Liebe gelegt. Denn spurlos gehen solche Äußerungen selbst bei Eltern mit dem dicksten Fell nicht vorbei.

Fleiß, die Wortherkunft ist ungeklärt, findet sich in dem althochdeutschen Wort flīʒ, das so viel bedeutet wie „laut Duden“ (Wett)streit. Ohne Wettstreit, kein Preis.

Fleiß, sich ständiges Bemühen ohne Unterlaß oder Wettstreit, sich ständiges Bemühen ohne Unterlaß, in Konkurrenz zu andern oder gegen sich selbst. Im Prinzip unerheblich, denn der Anspruch nach größer, besser, weiter, verbirgt sich hinter beiden. Erst kürzlich waren die Medien entsetzt (wirklich) über die Laufveranstaltung eines Kinderfestes, bei dem die Eltern ihre Kinder auf der Laufstrecke hinter sich herzogen, um ihren Kind zu ermöglichen, als erstes durchs Ziel zu laufen, um auf dem Siegertreppchen zu stehen, eine Medaille, einen Pokal, eine Teilnahmebestätigung zu bekommen. Hier hat schon längst der Konkurrenzkampf unerbittlich zugeschlagen.

Und das obwohl es völlig unnötig ist, zumal eine Konkurrenz, Rivalität, sagen wir mal ganz frech, eine natürliche Eigenschaft des Menschen ist. Wer mit mehreren Geschwistern aufgewachsen ist, kennt dies sicher zur Genüge. Wer im Religionsunterricht aufgepaßt hat, kennt noch die Erzählung über Kain und Abel und den Ausgang dieser Konkurrenz.

Ohne Fleiß keine Anerkennung, ohne Ellbogendenken keinen Gewinn, keinen Wert. Für manche Eltern der Ansporn, ihre Kinder zu Höchstleistungen zu treiben, im schlimmsten Fall wie die salopp benannten Tigermütter. Wobei der Begriff sich nicht ausschließlich auf Mütter beziehen muß, sondern auch auf Väter, die alles dransetzen, aus ihren Sprößlingen einen Jahrhundertmeister in den, dann obendrein von ihnen ausgesuchten Fachgebieten werden zu lassen.

Damit löst sich die bedingungslose Liebe der Eltern auf und Leistung wird zur Bedingung für Liebe. Nun beginnt der Kampf um das Sammeln von Pokalen, Lobhudeleien, Noten, kurz, Dinge, die man vorzeigen kann, denn haste was, biste was. Allerdings benötigen manche Kinder keine besonderen Preise, um damit zu konkurrieren, sie bringen von zuhause schon den Namen, den sozialen Status mit ins Rennen, der ihnen von vornherein eine bessere Startposition ermöglicht.

Dieser Wettstreit (Fleiß) wird vorausgesetzt für alle zukünftigen Handlungen, die das Kind fortan unternimmt, dabei werden die Mittel zum Erreichen der besten Position, oftmals durch Hinterhältigkeit, Denunziation, Lügen, Heuchelei, Betrug nicht in dem Maße angemahnt wie der Wille zum Erfolg. Kein Wunder also, daß einige Menschen daran zerbrechen, Nervenzusammenbrüche, Burnouts, Selbstmord, Selbstaufgabe oder mit ihrem Umfeld abschließen und die große weite Welt bereisen.

Eine Gesellschaft, die Fleiß (Wettstreit) und Preis (Ware) als Bemessungsgrundlage für den Wert eines Menschen, als eine der obersten Prioritäten des täglichen Umgangs zwischen den Menschen fördert, darf sich nicht wundern, wenn Neid, Haß, Mißgunst in deren Mitte sich ausbreitet. Haste was, biste was. Haste nix, biste nix.

Doris Mock-Kamm

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ohne Fleiß kein Preis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s