Kultur: Gestaltung braucht stets Freiräume


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Schöpferische Gedanken – Impulse aus dem Kosmos

Kann uns die Urknalltheorie (The Big Bang Theory), wenn sie denn überhaupt als ernsthafte Annahme sich bestätigen sollte, schlüssig dem neugierig erstaunten Menschen plausibel erklären, was das Sein der Dinge ausmacht, wie diese ursächlich entstanden? Im Johannesevangelium lautet es: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“.

Ersetzen wir Gott durch die Schöpfung als den Beginn allen Seins, ist der zündende Gedanke als Wort manifestiert letztlich die Kreativität selbst. Jede sich fortsetzende Entwicklung, in der wir ihr freien Lauf lassen, entspricht dem Wesen der Schöpfung. Mensch braucht nur noch Kreativität vom Alltag bis zur Kunst ausleben, so wie er es bekanntlich auch meistens praktiziert.

Ohne Spielen kaum kreative Momente entstehen

Erwachsene, die naserümpfend oder gar pikiert sich abwenden, wenn Kinder spielen, manchmal dabei lärmen, sich ausleben, Gedanken freien Lauf lassen, ihre Grenzen ausloten, Regeln und Normen nicht beachten, unterwegs sind, erkennen dabei ein Stückweit tief im Unterbewußtsein ihre eigenen verlorenen Fähigkeiten, sich eben genauso frei zu entfalten. Da mag eine autoritär aufgesetzte Haltung dies noch so heftig zu retuschieren versuchen, solche Menschen unterdrücken zum eigenen Leidwesen etwas ganz wichtig entscheidendes: die spontan sich dabei entfaltende Kreativität. Das Spielen somit die Wiege solcher Prozesse?

Die sogenannte Naivität, das Kind im Menschen, möge somit nie verloren gehen. Wer das auslebt bzw. unbedarft bis in den Alltag hinein zuläßt, dem bieten sich viel öfters kreative Momente, Gedanken, die das Leben selbst bereichern. Denn einzig und allein die Kreativität muß als der Motor betrachtet werden, der ganz entscheidend jedwede Entwicklung vorantreibt. Würde sie ausbleiben, nicht stattfinden, wäre Stillstand die Folge, ein trister Alltag vorprogrammiert.

Phantasie sucht stets Wege, Grenzen zu durchbrechen

Das gilt natürlich auch für behinderte Menschen, die durchaus sehr kreativ in Erscheinung treten bis hin zu Genies, die am Rand des Wahnsinns ebenso kreative Momente wahrnehmen und umsetzen. Dies verdeutlicht, daß Phantasie grenzüberschreitend in Erscheinung tritt und nicht ausschließlich eine Frage des Verstandes beinhaltet. Ganz im Gegenteil: Erst wenn man ihr eben keine Regeln, Normen und Gebote vorschreibt, entfaltet sie sich in Gänze. Heißt das im Umkehrschluß, daß jede Begrenzung Gift für das Ausleben der Kreativität bedeutet, sie dadurch eingeengt sich nicht richtig entfalten kann? Auf alle Fälle!

Kaum verwunderlich daß sich viele Künstler ihren Platz erkämpfen, sogar soziale Bindungen notfalls beenden, wenn sie aufgehalten werden, um ihren Drang nach kreativer Entfaltung auszuleben. Hierbei durchbricht Kreativität eine Grenze, und selbst wenn es das Ende einer Beziehung bedeutet, zwischen Eltern und Kindern, bei Paaren oder Freundschaften, sie sucht sich ihren Weg der bestmöglichen Entfaltung, vorausgesetzt, der betreffende Künstler hat die entsprechende Kraft, sich durchzusetzen. Wie verhält es sich mit all jenen, die das nicht vermögen?

Disput zwischen Ignoranz und Toleranz

Exakt zwischen diesen beiden Begriffen versucht Kunst, sich stets ihren Freiraum zu ergattern. Wird sie toleriert, kann sie sich ausleben. Bei Ignoranz verkümmert sie wie ein unbeachtetes Mauerblümchen und stirbt gar, denken wir an ihre Instrumentalisierung in politischen Systemen, vom Verbot bis hin zur Verfolgung, von Propaganda bis zu Statussymbolen. Das gilt ebenso für die Lebenskunst, in der Freiheit und Herzlichkeit verlorengeht, wenn wir sie einschränken.

Dabei muß Kunst selbst stets anmahnen, das Bedürfnis der Selbstreflektion Bestandteil ihres Wesens zum Ausdruck bringen, sie letztlich im kreativen Akt alles Dasein analysieren. Die Grenzen der Toleranz werden manchesmal überstrapaziert oder gar bis ins Unerträgliche überschritten, was keineswegs bedeutet, alles erdulden zu müssen – selbst das Ausleben der Kunst unterliegt der zwischenmenschlichen Nächstenliebe, die es zu respektieren gilt.

Nada Brahma – die Welt ist Klang

Der Kreis schließt sich, denn nicht nur das Wort war im Anfang, sondern zuvor die Idee, die wiederum das Wort entstehen ließ. Somit der Gedanke, also die Kreativität selbst, alles Sein verwirklicht, ob nun materiell oder spirituell? „Nada Brahma – die Welt ist Klang“, so das Buch des Musikjournalisten und Musikproduzenten, Redakteurs beim Südwestfunk Baden-Baden, Joachim-Ernst Berendt, welches im Ursprung einer indischen Meditationsform entspricht, die man dahingehend interpretieren darf, und genau dies versuchte Behrendt, in seinem Werk zum Ausdruck zu bringen, daß alles Sein klingt, der gesamte Kosmos. Dürfen wir daher, wenn wir die Kreativität wegdenken, sie nicht zulassen, davon ausgehen, daß alles Sein einer Illusion entspricht?

Lotar Martin Kamm

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