Schöne neue Welt des freien Handels in einer globalisierten Gesellschaft


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Verbraucherschutz fängt bei jedem selbst an

Verbraucher und Handel, eine folgenreiche Symbiose eines Miteinanders, welches zunehmend gefährdet, was ganz unterschiedliche Ursachen birgt. Solange ein Geschäft in ehrlicher Absicht per gegenseitiger Zufriedenheit stattfindet, mag die Balance zwischen Kunde und dem Händler, dem Handwerker und Dienstleister bewahrt bleiben.

Aber in dem Moment, wo erbarmungslose Konkurrenz, ein Ringen um die besten Preise, eine Werbung der Superlative, ein Aufkaufen kleinerer und mittlerer Betriebe im Zuge der Globalisierung immer mehr um sich greift, das Vertrauen in die Marktwirtschaft empfindlich erschüttert wird, ohnehin die Schwachen darunter leiden müssen vom Endverbraucher bis hin in Entwicklungs- oder Schwellenländer, führt das „Krebsgeschwür“ jener Wirtschaftspolitik in eine fatale Spirale, an deren Ende Großkonzerne und deren Helfershelfer vor allem in der Politik selbst stehen und auf der anderen Seite eben die Geprellten.

Erneut die Milchbauern – exemplarisches Beispiel verfehlter Politik

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, das ist der Minister, der Monsanto wohlgesonnen absegnet, in dem er sich für das unter Krebsverdacht stehende Glyphosat auf deutschen Äckern entscheidet, um im nächsten Atemzug den kleineren Milchbauer-Betrieben unter die Arme greifen zu wollen per 100 Millionen Euro Soforthilfe.

Dabei wissen wir doch alle, daß es sowieso zuviel Milch gibt, die den Kühen entnommen auf die Märkte gelangt. So funktioniert Angebot und Nachfrage, zunächst plausibel. Wer die besten Konditionen verhandelt, streicht die fetteren Gewinne ein, kleinere Betriebe haben einfach das Nachsehen bis hin zur pleite. Darf eine Gesellschaft das nonchalant hinnehmen, zumal weite Teile unterm Strich in ihr betroffen?

Zerstörte regionale Strukturen – dem Gobalismus verpflichtet

Böse Zungen mögen dies als „Heile Welt Phantasien“ abtun, aber die Zerstörung regionaler Strukturen kann kaum jemand von der Hand weisen. Einige fahren weit entfernt zum Arbeitsplatz, während zu Hause manch kleiner Betrieb aufgeben mußte, in kleinen Orten der Einzelhandel verschwand, abgelöst von Supermarktketten auf der grünen Wiese, selbst Grund- und Hauptschulen in größere Orte sich einfanden. In der Landwirtschaft schon lange Kleinbauern aufgaben.

Und Deutschland verhandelt übers TTIP, was jener verfehlten Wirtschaftspolitik ein neues Tor unbegrenzter Ausbeutung öffnen wird, wo der eigene Staat seine Mündigkeit verliert, Konzerne bestimmen. Dem Globalismus verpflichtet ordnen sich Kapitalflüsse jener Marschroute unter, treibt weltweite Korruption ihr perfides Spiel eigener profitorientierter Politik, rücksichtslos, ohne jedwede Bedenken.

Alles hat seinen Preis, was man durchaus wörtlich nehmen darf. Milch zu billig, Kleinbauern pleite gehen, die großen noch mehr Profite einheimsen. Am Ende trinkt der Verbraucher die Milch, die eher schadet, aber Hauptsache Urlaub auf Malle.

Lotar Martin Kamm

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6 Antworten zu Schöne neue Welt des freien Handels in einer globalisierten Gesellschaft

  1. Bernd Engelking schreibt:

    Ich würde uneingeschränkt zustimmen, gäbe es nicht auch noch Verbrauchertäuschung, Manipulation und Gleichschaltung durch die Medien und durch das Bildungssystem sowie bewusst herbeigeführter Armut.
    Der Verbraucher trägt nicht die Verantwortung für ein verfehltes Wirtschaftssystem. Er wird systematisch an dieses System angepasst, man braucht nur die wesentlichen Entwicklungen in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Das Kapital wird auch massivst für diese Assimilierungsprozesse eingesetzt, man muss sich nur einige Werbespots im TV ansehen. Werbung ist Manipulation der Massen in ihrer gesamten Lebensweise. Die Vorbereitungen und psychologischen Voraussetzungen zu dieser kritiklosen Aufnahme von „Unsinn“ werden bereits im Bildungssystem gelegt.
    Nein, die Verantwortung sollte man nicht den einfachen Menschen zuschieben, die einfach nur versuchen, ihr Leben zu bewältigen. Das heißt nicht, dass man nicht auch zu Bewusstsein kommen kann, doch das kostet Zeit, die die Menschen heute nicht mehr haben, bzw. werden Anreize gesetzt, die dies verhindern.

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    • Bernd Engelking schreibt:

      Die Regierungen haben von Anfang an den Rahmen für die Wirtschaft vorgegeben, innerhalb dessen seit langem alles nach den Vorstellungen der Konzerne läuft. Das herunterzuspielen, indem man dem Verbraucher Macht unterstellt, kann nicht richtig sein. Das Gegenteil ist der Fall. Die Regierungen haben in den letzten Jahrzehnten die Monopolbildungen der Großkonzerne und Investoren ermöglicht. Nun treiben Großkonzerne und Investoren die Konsumenten in die Enge, indem sie die Konkurrenten ausschalten und das Angebot verarmen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer arbeitet inzwischen unter prekären Bedingungen, da der Konzernsektor auch durch Lohndrückerei die Kaufkraft beschädigt. Und von Mitsprache kann angesichts der Parteienzwänge nicht mehr die Rede sein.
      Es ist schon länger so, dass das Volk nicht mehr die Politikrichtung signifikant beeinflusst. Wie soll der Bürger die Politiker rügen, wenn diese sich zu Parteien verbünden und er in die Irre geführt wird? Wie beschrieben werden in jüngerer Zeit Volkes Wille und Bedürfnisse bewusst und offen ignoriert, zugunsten des Konzernsektors.
      Der Bürger kann auch keinen signifikanten Umweltschutz betreiben, was die „Erfolge“ der letzten 40 Jahre beweisen. Und auch Grün wählen hat alles nur noch schlimmer werden lassen. Wir, die „Westliche Wertegemeinschaft“, haben die Umweltzerstörung zusätzlich exportiert und in die Welt ausgebreitet.
      Nein, der Konzernsektor hat angefangen ein Eigenleben zu führen, hat sich abgekoppelt hat vom Konsumenten. Dieser ist nur noch ein Objekt, welchem die Produkte aufgezwungen werden.
      Ich frage den Autor, welche Macht soll ein Konsument haben und sich schützen gegenüber Nestle, der Weltweit sein Unheil in Form von Wasser verkauft, nachdem er die Quelle aufgekauft und eingezäunt hat? Oder wie soll er Monsanto durch seine Konsumwahl in die Schranken weisen?
      Das sind nur zwei Beispiele, aber wenn alle in der Pflicht sind und der eine hat keine Macht, wer trägt dann die Verantwortung für die ganze Katastrophe in der Nahrungsmittelproduktion? Und von Symbiose kann vielleicht in rudimentären Einzelfällen gesprochen werden, denn wenn ungesunde Lebensmittel alternativlos sind, dann würde ich das Parasitismus nennen. Was hier wirklich gespielt wird, ist doch, dass die Welt gefälligst unsere Milch in Form von Pulver aufkaufen soll, indem neue Märkte erschlossen werden, nachdem weiter regionale Wirtschafträume zerstört wurden.

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      • hraban57 schreibt:

        Der Autor antwortet schlicht: Zustimmung, die Macht der Konzerne wächst ins Unermeßliche, so daß tatsächlich wenig bis gar kein Einfluß am Ende möglich. Dennoch, man sollte niemals den Verbraucher und dessen Macht unterschätzen! Nur, er kennt sie wohl nicht, weil er „duckmäuserisch“ nicht nur in den letzten 40 Jahren lernte, klein beizugeben. Ganz so einfach sehe ich das aber nicht, mit den Grünen und den Mißerfolgen. Hätte der politische Mensch in dieser Zeit nichts getan, wäre die Welt noch wesentlich zerstörter.

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  2. Arno von Rosen schreibt:

    Ich gebe Bernd recht. Die Regierung kann nicht auf der einen Seite den Bürger weitgehend entmündigen und dann verlangen alles Kleingedruckte und jeden Gesetzestext zu studieren, um einen Wahrheitsgehalt aus dem Produkt zu quetschen. Gerade erst wurde die Milchquote liberalisiert, obwohl Experten vor dem Verfall der Preise gewarnt hatten (was natürlich eine logische Folge war). Jetzt werden die Milchbauern mit Geld am Verhungern gehindert und die Konsumenten zahlen jetzt doch mehr für die Milch als auf der Preistafel steht. Die Pfuscherei hat seit Jahrzehnten Tradition, obwohl das Milchbauernsterben anhielt. Ich kann jetzt schon versprechen, dass die Preise für Milchprodukte explodieren werden, sobald der Markt sich auf große Erzeuger eingependelt hat, denn dann sind wir nahe einem Monopol und dieses geht immer zu Lasten des Verbrauchers.

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  3. hraban57 schreibt:

    Vielleicht habe ich mit meiner zweiten Überschrift den Leser ein wenig in die „Irre“ geführt. Es beginnt sehr wohl beim Verbraucher selbst, dem kleinen Mann, der sich um den Schutz zu kümmern hat, folglich die Politik zu rügen. So leicht kommt niemand davon. Dieses eine schließt aber keineswegs das andere aus: Manipulation und Täuschung seitens etlicher bis hinein die Politik selbst. So schließt sich der Kreis, alle sind in der Pflicht, wachsam diese nicht nur zu beäugen, sondern im Sinne der Gerechtigkeit entsprechende Vorgehensweisen eben zu verhindern. Mit der Anmahnung zur Pfuscherei allein ist es eben nicht getan.

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