Zutexten lassen – ein nerviges Unterfangen


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Neue Themen schaffen Abhilfe

Fühlen Sie sich auch manchmal zugetextet? Zutexter gibt es schätzungsweise in jeder Familie, Bekanntenkreis, Gruppe oder wo immer eine Ansammlung Menschen sich treffen. Sie treten völlig altersunabhängig als Frau oder Mann, frei vom Bildungs- Gesellschaftsstand, aus allen sozialen Schichten auf. Kein Thema, das nicht von der Betrachtung eines Staubkornes in die Welten des Alls führt, dabei ist es sehr oft unerheblich, ob es um reine Spekulationen oder fundierte wissenschaftliche Exkursionen handelt. Der Zutexter kann einfach nicht den Schnabel halten, auch auf die Gefahr hin, daß keiner ihm mehr zuhört oder nur einen kleinen Teilausschnitt seiner Ausführungen bei den anderen ankommt.

Es ist immer wieder erfreulich, wie einfach Sprache aufgebaut ist, versucht man die Hintergründe für einen Begriff zu verstehen. Text, aus dem Lateinischen textus, Inhalt, zusammenhängende Worte einer Schrift oder das Gewebe der Rede, übernommen von texere, weben, flechten. Ein guter Redner sowie ein gut geschriebener Text vermögen durch die Wortwahl und Satzfolgen genauso gut spannungsgeladene, aufregende, betörende, traurige Gefühlsmomente auslösen, die dem Zuhörer oder dem Lesenden den Eindruck des selbst Erlebten vermitteln. Sie weben mit ihren Worten Decken, Teppiche voll umhüllender Leichtigkeit oder Schwere.

Über die Thematik der guten Rede und deren Vertreter gibt es, wie soll es auch anders sein, zuhauf Bücher, Abhandlungen, gleichwohl wie über Qualität der angewandten Sprache in der Literatur. Selbstverständlich gibt es ganze Regalwände voll Bücher in Bibliotheken oder Buchhandlungen, um die Kunst des Redens und der guten Schreibweise zu erlernen. Vorträge werden veranstaltet, auf denen Tipps und Tricks verraten werden, Angebote von Redenschreiber finden sich in Zeitungen, und natürlich gibt es Kursangebote, um das freie Sprechen und Schreiben guter Texte zu erlernen.

Aber alle Mühen der sich Bildenden an guter Sprache oder der perfekten Rede nützen wenig, wenn nicht die Kunst des Talents in ihnen steckt. Denn wie bei allen andern Tätigkeiten kann es zwar von Vorteil sein, eine gewisse Technik, Handhabung zu erlernen, die Kunstfertigkeit aber liegt in der Begabung, die Decke so zu weben, daß ihre Material-, Farb- und Musterwahl mit dem Adjektiv perfekt umschrieben werden kann.

Perfekt, fehlerfrei, makellos, mustergültig, vollkommen, tadellos, aus dem Lateinischen perficere, vollenden. Dem ist nichts hinzuzufügen, es ist ein für sich geschlossener Kreis. Jedes mehr oder weniger würde die Harmonie, das Gleichgewicht stören. Nur etwas völlig Neues kann dann, wenn überhaupt, damit konkurrieren. Wer selbst webt, schreinert, schraubt, zeichnet, musiziert, Sport betreibt, singt oder irgendein anderes Gewerbe ausübt, kennt diese Situation, dabei ist es oft nicht entscheidend, ob die Perfektion sich über das gesamte „Gewebe“ erstreckt, ausschlaggebend ist das Gesamtwerk.

Die Kunst des Zutexters ist deshalb nicht auf seine inhaltswichtigen Themen zurückzuführen, sondern auf die Gabe, in jedem noch so unwichtigem, längst bis zur Verzweiflung ausdiskutiertem Thema immer noch eine bis dahin scheinbar nicht berücksichtige Ansammlung von Thesen und Erklärungen ins Feld zu führen. Die einzige Chance den Redefluß dieser Menschen zu stoppen, ist nicht Argumente vorzubringen, sondern selbst ein Thema zu weben, außer Sie genießen mit Freuden einem Stimmklang, der Sie melodisch in eine Entspannung führt, ähnlich einer meditativen Musik.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Zutexten lassen – ein nerviges Unterfangen

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    Lach, ich nenne sie die „Ungefragterklärbären* Ja, es gibt sie überall. Wo kommen die bloß immer so schnell her? 😀

    Gefällt 1 Person

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