Eine Fahrt ins Blaue dem Meer entgegen (Teil 1)


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Nur Leichtsinn der Jugend?

Moosgrüne Farbschattierungen spiegelten sich im Glanze des schicken Sportwagens wider, dessen Automarke völlig einerlei, zumal im nächsten Moment das scheinbar idyllische Bild schlagartig verschwand, entzaubert von einer Gruppe Jugendlicher, die sich lautstark pöbelnd Luft machten. Ein Hagerer schmiss voller Übermut einen Hundekothaufen an die Windschutzscheibe der Nobelkarosse.

Die Fahrertür wurde aufgerissen, ein stämmiger Mitt-Vierzigjähriger sprang heraus, erreichte in drei vier großen Hechtsprüngen den Übeltäter und schlug diesem mit der flachen Rechten ins erschrockene Gesicht. Obwohl daraufhin dessen Kumpels die beiden umringten, wagte niemand, den Mann anzugreifen, zu eindeutig entspannt und lauernd zugleich stand dieser abwartend, sie festen Blickes visierend.

Der kleine Harald fasste sich ein Herz und sprach ihn an.

„Ey, Alter, sach mal, haste noch alle Latten am Zaun, unseren Andy eene zu langen?“

„Hab ich. Und nun? Wer will der nächste von euch sein?“, entgegnete der Fahrer, wobei er langsam und sehr zielsicher auf seinen Sportwagen sich zubewegte, die Gruppe ihn zunächst gewähren ließ. Rudie wagte es plötzlich, ihn anzuspringen, verfehlte den Fighter aber, weil dieser sich elegant zur Seite drehte, um im selben Moment den Fuß des Jungen fest zu ergreifen, so daß dieser zu Boden stürzte, wimmernd ihn bat, doch loszulassen.

„Ach, warum sollte ich? Nur unter einer Bedingung, Jungs. Ihr holt dort drüben bei der Tankstelle den Scheibenwassereimer, reinigt und trocknet meine Windschutzscheibe, während ich enstpannt in meinem Wagen sitze und alles kontrolliere“, forderte er Rudie und die anderen auf. Ein kurzes Kopfnicken der meisten genügte, so daß der Fahrer lässig aber äußerst wachsam in seine Nobelkarosse stieg, die emsig und zügig wieder ihren alten Glanz erhielt.

Anschließend schlenderte die Jugendgruppe eher mißmutig von dannen, George konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, startete den Wagen und fuhr gen Autobahn. Im Radio lief gerade Lindsey Stirlings „Beyond the Veil“, welches er sehr schätzte, schließlich kannte er ihre Geburtsstadt Santa Ana, die Familie seiner Mutter kam dort her. Gedankenverloren erreichte er die Auffahrt, gab richtig Gas, der Sportwagen überholte problemlos heimkehrende Berufspendler.

Der Journalist freute sich auf seine kurze Auszeit, sehnte sich nach der ewiglich wiederholenden Geräuschkulisse des Meeres, der salzigen Luft, die kaum still hielt, entfacht durch ungebremsten Wind, dem Geschrei der Möwen, den warmen Sand zwischen den Fußzehen.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

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Eine Antwort zu Eine Fahrt ins Blaue dem Meer entgegen (Teil 1)

  1. Ursula Henn schreibt:

    Liest sich gut. Respekt lernen und (als Teenie) mal ganz andere Erfahrungen machen zu können, als die, welche sich schon im jungen Hirn festgesetzt haben … ist hier offensichtlich gut eingefädelt.

    Gefällt mir

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