Faszination: Gratwanderung zwischen Begeisterung und Fanatismus


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Wenn der Jubel ins Bodenlose driftet

Was findet man im Laufe eines Lebens nicht alles faszinierend. Der Rundblick von der Berghütte auf das Alpenpanorama, die Fahrt mit einer alten Dampflok, der Gesang einer Sängerin, das putzige Spiel von Hundewelpen, der erste Anblick auf seinen Nachkommen, die Schnelligkeit des Rennautos.

Und diese Begeisterung, Faszination birgt oftmals eine Ansteckungsgefahr für die Umstehenden oder sogar für ganze Menschengruppen, ja sogar für Nationen. Ein schönes Beispiel dafür sind sportliche Wettkämpfe, wenn Faszinierte live bei diesen Veranstaltungen dabei sind, aber es reicht auch eine virtuelle Übertragung. Ähnliche Effekte gibt es bei Musikkonzerten, Filmen, neuesten technischen Errungenschaften. Faszination kann sich wie ein Virus ausbreiten, der ungehemmt Menschen erfaßt, vielleicht ganz ähnlich einem Lachanfall, der andere Menschen dazu verleitet, ebenso in Gelächter auszubrechen.

Fascinare, lateinisch, beschreien, behexen, ist ein treffender Wortbegriff. Allerdings wird die Herkunft des Wortes als ungeklärt angegeben. Wobei es durchaus ähnliche Wortverwandten gibt, wie faszikulieren, bündeln, heften; Faszes, Bund, Bündel; Faszie, Binde, Streifen, sehnenartige Muskelhaut und nicht zu vergessen die alte Schreibweise für Faß, nämlich Fasz. Faszinierend! Begeisterungswürdig, oder? Ups, hier ist ja auch ein Geist drin versteckt.

Setzen wir uns einmal ins Kolosseum, gedanklich natürlich, oder in ein Stadion, um uns herum hunderte Menschen. Die Jubelschreie oder die Ausdrücke der Enttäuschung reihen sich von Mensch zu Mensch weiter, es entsteht eine Bündelung von Gefühlen, selbst wenn man bemüht ist, sich nicht mitreißen zu lassen, sind wir doch fasziniert, gefesselt von der Stimmung.

Und die, die auf dem Platz ihr Bestes geben, werden hingerissen oder entmutigt, je nachdem ob für sie Jubelrufe oder Buhrufe gelten. Sie werden im Sinne des Wortes beschrien und behext, geistig natürlich. Das ist Faszination und Begeisterung.

Vielleicht ist die Stimmung in einigen europäischen Ländern auf dieses Phänomen zurückzuführen, denn Bejubelung oder Warnungen von „verbotenen Sachen“, nationales Gedankengut von „geschmähten Personen“ üben auch im täglichen Umfeld Begeisterungen aus.

Unterliegen viele Menschen dieser Faszination, etwas gegen die allgemeine Meinung, Einstellung zu sein, sei etwas Besonderes, dies ist kein zu unterschätzender Aspekt, kann dieser einmal ausgebrochene Virus wie ein Faß ohne Boden sich zu einem Flächenbrand ausbreiten. Bleibt zu hoffen, daß es genügend Menschen gibt, die sich von der Faszination der Begeisterten nicht verhexen lassen.

Doris Mock-Kamm

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