Tradition – Stillstand im schlimmsten Fall


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Das Altbewährte mit neuen Ideen zu verbinden, eine Chance bedeutet

Tradition, ein neues Schlagwort, um seinem politischen Verständnis Nachdruck zu verleihen wie die Wörter Familie, Anstand, Kultur und noch einige mehr in vieler Munde. Tradition abgeleitet vom Lateinischen tradere, trans, über und hin, dare, geben. Tradition übergibt also etwas. Tradition gibt etwas weiter.

Der Begriff wird seit etwa dem 16. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch eingesetzt, ursprünglich wohl bis ins 18. Jahrhundert, nur im Zusammenhang zwischen den Glaubensgrundsätzen der Reformation und der Katholischen Kirche.

Heute wird der Begriff in sämtlichen Sparten eingesetzt, um zu verdeutlichen, daß das „immer so gehandhabte, das richtige sei“.

„In Europa begann mit der Reformation, später mit Rationalismus und Aufklärung, ein kritisches Infragestellen überlieferter Formen des Wissens, Glaubens und der Moral. Mit der Betonung des Vernunftprinzips (das an die Stelle des reformatorischen Schriftprinzips trat) wurde die Gültigkeit jedes Traditionsprinzips in Frage gestellt. Darauf reagierte schon frühzeitig der Französische Traditionalismus, Ausdruck der Reaktion. Das Kräftemessen von Tradition und Vernunft hält bis in die Gegenwart an. Zusammen mit der Eigendynamik eines rationalisierenden Kapitalismus und den Folgen kultureller und ökonomischer Globalisierung ist derzeit eine weltweite Revision überkommener Werte und Überlieferungen zu beobachten. Als Gegenreaktion sind ebenfalls weltweit fundamentalistische Tendenzen zu verzeichnen. Wie schon der Französische Traditionalismus ist die Reaktion in der Gegenwart häufig religiös motiviert und gewaltbereit.“ (Wikipedia)

Hätten nicht über die Jahrhunderte Menschen gegen das Bestehende Verbesserungen durchgesetzt, würden wir heute vielleicht noch in den Höhlen leben oder auf Bäumen. Wobei natürlich nicht jede Änderung wirklich eine Verbesserung dargestellt hat, aber aus Fehlern kann man lernen. Nur wer stetig an dem Herkömmlichen festhält, obwohl es nicht das Gelbe vom Ei ist, trotzdem sich an dem alten Brauch klammert, ist ein Traditionalist, wie im obigen Ausschnitt von Wikipedia beschrieben.

Tradition an und für sich ist erstmal nichts verwerfliches, das Festklammern allerdings kann zum Hemmschuh für weitreichende Entwicklungen in allen Sparten sein. Und das Brechen mit einer Tradition muß nicht mit der „Vernichtung“ der Kultur in Zusammenhang stehen, auch wenn dies bisweilen gerne in den Vordergrund von einigen geschoben wird, die diese beiden Begriffe nicht unabhängig voneinander sehen.

Wenn wirklich etwas einer Kultur schadet, dann ist es die Unbeweglichkeit, sich von Strömungen mitreißen zu lassen, um neue Ufer zu erreichen. Keiner legt sich doch freiwillig in das schon einmal benutzte Wasser der Badewanne, oder?

Eine erzwungene Tradition kann kein Weg in die Zukunft sein, sondern ein Rückschritt in verkrustete Zwangsidyllen, die es auch in der Vergangenheit nie gegeben hat.

Doris Mock-Kamm

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4 Antworten zu Tradition – Stillstand im schlimmsten Fall

  1. Ruhrköpfe schreibt:

    Nicht alles Traditionelle hat die Berechtigung auf eine Zukunft. Manches war zu seiner Zeit gut, heute ist es längst ins Gegenteil verkehrt… Danke für den Beitrag

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  2. schlingsite schreibt:

    Neue Besen kehren gut.

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  3. gkazakou schreibt:

    Alle Diktaturen, ob rechts oder links, lieben das Volk in Trachten und beim fröhlichen Tanz, lieben den wandernden Burschen und die züchtige Maid. Denn sie lieben Scheinwelten und „verkrustete Zwangsidyllen“. Doch die Wiederbelebung und Bewahrung von alten Liedern, Tänzen, Wanderpfaden und Mühlen ist, wenn sie aus freiem Herzen geschieht, auch Lebenselixier. Es ist das Falsche und Erzwungene, was stört, nicht die Sache selbst.

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  4. Stella, ad Astra! schreibt:

    Schöner Text!
    Ich finde ja auch, dass Tradition nicht wirklich etwas Starres ist. Wenn man so will, dann wäre es auch schon Tradition, wenn sich zwei Menschen jedes Jahr am selben Tag im selben Caffé treffen. Wenn sie dann keine Zeit mehr haben, müssen sie dann eisern daran festhalten? Ich denke nicht und wenn nur, wenn es für beide Seiten gut geht.
    Nun ist es aber so, dass das leider selten der Fall ist. Eine Tradition die von Illusionen und „Zwangsidyllen“ lebt, ist keine Tradition. Im Übrigen ist es auch gut, wenn sich gewisse Traditionen ändern, sonst wären wir ja immer noch in der Steinzeit… Ich kann mich der Autorin und den KommentatorInnen nur anschließen.

    LG und schönes Wochenende

    Gefällt 1 Person

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