Dem Links-Rechts-Schema auf der Spur


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Zwischen Straßenverkehr, Schreiben und politischer Gesinnung

Rechts, links, eine fallen lassen. Wer schon mal gestrickt hat, kennt diesen Satz, vor allen Dingen von nervenden Nichtstrickern, die sich besonders schlagfertig vorkommen, über Dinge zu reden, die sich ihrem Wissensstand entziehen.

„Rechts ist da, wo der Daumen links ist.“ Wer diesen Spruch hört, sitzt sehr wahrscheinlich mit dem Fahrlehrer im Auto. Eine wichtige Regel im Straßenverkehr, die hoffentlich jeder Autofahrer kennt, lautet: rechts vor links; aber Achtung, nur in Ländern, bei denen das Lenkrad links montiert ist und allgemein der Rechtsverkehr auf den Straßen gilt.

Rechts, links, rechts, links, rechts, links, diesem Kommando folgen augenscheinlich Menschen, die am militärischen Exerzieren teilnehmen. Wohl gibt es auch rechts, links, rechts beim Tanzen lernen. Bis hierhin alles schön und gut, rechte Seite, linke Seite. Kann man verstehen lernen, wie hell und dunkel, unten und oben, Gegensätze also.

Wer aber hat festgesetzt, daß rechts und links als Begriffe für politische Parteien gelten?

Die Unterscheidung geht sehr wahrscheinlich auf die Sitzordnung in der französischen Abgeordnetenkammer zurück. Dort saßen 1814 vom Präsidenten aus gesehen, auf der rechten Seite die Parteien, die für die jetzige Ordnung und gesellschaftlichen Verhältnisse eintraten. Auf der linken Seite die, die eine Änderung der politischen und sozialen Belange einforderten.

Er ist link, bedeutet falsch, hinterhältig, dem ist nicht zu trauen. Im Gegensatz zu: Er ist schon recht; alles bei ihm ist in Ordnung, auf den kann man sich verlassen, er ist ehrlich. Hier spielt uns die Sprache einen Streich, oder?

Mittelhochdeutsch linc, stand für schlaff, matt, später auch für unwissend und wurde eng in Zusammenhang mit der linken Hand als die unbeholfene, schwache, ungeschickte Hand bezeichnet. In der Gaunersprache (17. Jahrhundert) entwickelte sich das Wort link für verdächtig, falsch, hinterhältig.

War Goethe nicht auch Linkshänder? Hier wird nicht nur diese Frage beantwortet: Linkshänderseite.

Recht sein, deutet darauf hin, anständig, geeignet, echt, glaubwürdig zu sein, das Wort ist abgeleitet von mittelhochdeutsch reht, die ursprüngliche Bedeutung aufgerichtet, gelenkt und ist wortverwandt mit rechnen, recken.

Nährt man nicht mit dem Begriff „links“ und „rechts“ in der Politik falsche Vorstellungen über deren politische Auffassungen und Handlungen?

„Die Meinungsforscherin Noelle-Neumann hat beschrieben, was Menschen unter rechten und was sie unter linken Werten verstehen. Als linke Werte gelten danach: Gleichheit, Gerechtigkeit, Nähe, Wärme, Formlosigkeit, das „Du“, Spontaneität, das Internationale und Kosmopolitische. Ihnen stehen als rechte Werte gegenüber: Betonung der Unterschiede, Autorität, Distanz, geregelte Umgangsformen, das „Sie“, Disziplin, das Nationale.“ (Auszug bpb, Bundeszentrale für politische Bildung)

Vielleicht ist gerade zurzeit eine neue Differenzierung zwischen den Parteibegriffen links, rechts notwendig, um klarer hervorzuheben, in welche Richtung einige Parteien wirklich tendieren und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Dem Links-Rechts-Schema auf der Spur

  1. gkazakou schreibt:

    Für mich nützlicher Artikel. danke auch für den link auf die Linkshänderseite. Ich bin umgeschulte Linkshänderin,habe Orientierungsprobleme (was schlecht ist) und kann gleichzeitig „richtig“ und in Spiegelschrift schreiben (was ich gut finde). Die politisch-ideologische rechts-links-Falle kenne ich bis zum Erbrechen und wundere mich, dass immer noch so viele Leute sich darin verfangen.

    Gefällt 1 Person

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