Lärm: Unterschätzte Hörschäden bis hin zum Tinnitus


flickr.com/ pppspics/ (CC BY 2.0)

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Zu wenig Schutz vor zunehmenden Lärmquellen

In Deutschland gibt es weiterhin kein allgemeines Gesetz zum Schutz vor Lärm, sondern jede Menge rechtliche Einzelregelungen und -vorschriften, um halbwegs Lösungen bei Lärmproblemen anzubieten. Wer in der Flut der gesetzlichen Regelungen Rat sucht, sollte einfach sich an das Umweltbundesamt, aber auch an die Kommunen selbst wenden, dort werden entsprechende Ansprechpartner aufgeführt.

Unsere Augen können wir operieren und lasern lassen, vieles hilft tatsächlich, unser Sehvermögen wieder zu verbessern. Doch beim Hörschaden sind irreparable Faktoren im Spiel, die für immer dafür sorgen, daß unsere Hörfähigkeit nie wieder so sein wird wie in Tagen sorgloser Zeiten. Dabei hat im Laufe der letzten Jahrzehnte die Welt der Lärmquellen erheblich zugenommen, so wie auch die Bevölkerungszahl in Ballungszentren ihren Anteil hat. Hauptlärmquellen sind der Verkehrslärm, also der Straßen- und der Fluglärm sowie die Eisenbahnlärmbelästigung.

Belastungsgrenzen im Fokus genauerer Betrachtung

Der Verkehrslärm ist immer noch eines der Hauptlärmquellen bei unserer täglichen Belastung, der wir ausgesetzt sind, ohne daß wir es etwa verhindern könnten, außer wir leben einfach beispielsweise in einem Naturschutzgebiet. Stark befahrene Straßen in größeren Städten belästigen uns mit 70 bis 80 Dezibel. Mindestens 10 Dezibel mehr werden es, wenn ein Lastkraftwagen vorüberdonnert. Beim Abheben eines Flugzeuges werden gar 120 bis 140 Dezibel erreicht. Hierzulande wird noch verhältnismäßig wenig gehupt, in den europäisch-südlichen Ländern gehören somit die Hupgeräusche von etwa 100 Dezibel zum Alltag. Während noch ein Landregen bei 30 Dezibel als angenehm empfunden wird, erreicht unsere Stimme in einem Gespräch immerhin schon 60 bis gar 70 Dezibel.

Richtig dramatisch greift eine dauerhafte Lärmbelästigung, wobei es schon Unterschiede gibt, kein Organismus verhält sich gleich. Und dennoch wird besonders in der Freizeit die stetige Lärmquelle vernachlässigt, überhört, um es mal genauer zu sagen. Ständig lautes Musikhören, auch der stundenlange, wochenendmäßige Discobesuch, wo meist mehr als 100 Dezibel an der Tageordnung sind, rufen einen Hörschaden hervor. Dabei werden die hochempfindlichen Haarsinneszellen im Innenohr regelrecht herausgerissen. Sind sie erst mal zerstört, gibt es kein Mittel der Besserung mehr, sie wachsen weder nach, noch können sie künstlich ersetzt werden. Am Ende hilft nur noch ein Hörgerät.

Ursachen des Lärmes per langer Liste von Krankheiten

Als unmittelbares Ergebnis von dauerhafter Lärmbelästigung stellen sich erbarmungslos Hörschäden ein. Eine weitere, schreckliche Folge: Tinnitus. Aber es gibt noch ganz andere Folgen. Zum Streß, der beim Lärm ganz schnell sich gesellt, folgen viele Herz-Kreislauferkrankungen, somit ist auch der Herzinfarkt mit von der Partie. Bei einer dauerhaften Verkehrslärmbelästigung von mehr als 65 dB(A) hat das Umweltbundesamt immerhin jährlich cirka 4.000 Herzinfarkte ermittelt.

Schlafstörungen sowie Bluthochdruck treten ebenso vermehrt auf beim Dauerlärm. Selbst der Hormonhaushalt wird durcheinandergewirbelt. Eine erhöhte Konzentration der Aktivierungshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin in unseren Körperflüssigkeiten sind meßbar. Neben den organischen Schäden muß auch darauf hingewiesen werden, daß die schulische Leistungsfähigkeit unter Lärm erheblich beeinträchtigt wird, in vielen Klassenräumen ist ein dB(A)-Wert von über 55 Dezibel keine Seltenheit, während später für Büroarbeitsplätze Richtwerte von 40 Dezibel empfohlen werden. Diesen völlig unverständlichen Gegensatz gilt es allemal zu hinterfragen und schnellstens zu regulieren. Wie kann es sein, daß bei unseren Schülern dermaßen hohe Werte hingenommen werden, wobei bestimmt Unkenntnis mit im Spiel ist, während gewisse hochanspruchsvolle Bürotätigkeiten mit angenehmen Höchstgrenzen geschützt werden?

Man sollte gleichwohl nicht die psychischen Folgen bei dauerhaft täglicher Lärmbelästigung unterschätzen, die natürlich unser Wohlbefinden beeinflußt und daher unser soziales Miteinander erheblich beeinträchtigen kann. Eine Studie in Österreich aus dem Jahre 2002 hat dies deutlich aufgezeigt, die 1.400 Kinder im Alter zwischen acht und elf Jahren untersuchte, die umweltbedingten Lärm ausgesetzt waren. Sowohl die Leistungen als auch das soziale Verhalten verschlechterten sich eindeutig.

Kann man sich prophylaktisch vor Lärm schützen?

Klar doch, zweifellos. Beim Arbeitsplatz benutzen immer mehr aufmerksame Mitarbeiter Kopfhörer oder Ohrstöpsel. Selbst Musiker schützen sich bei ihren Auftritten. Von der Trittschalldämmung bis hin zu Lärmschutzwänden entlang von Wohngebieten bei Autobahnen und Schnellstraßen, der Verzicht von eigentlich unnötigen, neuen Startbahnen bei Flughäfen wäre doch mal eine Option, statt stets irgendwelche scheinheiligen, wirtschaftlichen Argumente vorzutragen, lärmarme Elektrogeräte im Haushalt sich anschaffen, wer diese Kosten aufbringen kann, wenn schon Musik mit Kopfhörer genießen, darauf achten, eben keine hohe Lautstärke sich zuzumuten. Richtig gefährlich sind auch Feuerwerkskörper.

Hält sich wenigsten das weibliche Geschlecht bei extrem auftretendem Lärm die Ohren instinktiv zu, scheint das männliche Pendant eher cool darüber hinwegzuhören. Das sollte man(n) tunlichst vermeiden, weil wie gesagt, ein Ohrschaden ein Ohrschaden bleibt.

Lotar Martin Kamm

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