Verwerflichkeit hat mich eingeholt


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Die Verwerflichkeit hat mich eingeholt,
trotz Wissen, Weisheit, Hunger, kein Brot.

Hab die Spiele mit Leidenschaft gespielt.
War stets der Kämpfer, dem Sieg obliegt.

War willkommen auf vielen Feiern und Festen,
konnte Reden schwingen ohne viele Gesten.

Texte formuliert, Strategien entwickelt, gelächelt,
wenn genervte Kunden über dies und das gestänkert.

Mein Platz war stets bei den Mutlosen, Trost gespendet,
das Spiel erklärt, manch böses Schicksal abgewendet.

Ich wurde hofiert, abgeworben, herzlich empfangen,
Job gemeistert, Leistung erbracht, von alleine gegangen.

Manchmal hab ich die Familie tagelang nicht gesehen,
Überstunden, Verantwortung, Termine im Kalender stehen,

die waren wichtig, das Spiel lief, keiner gibt den Ball ab,
bevor die Abschlüsse sind unter Dach und Fach.

Irgendwann waren die Familie, Freunde und Kollegen weg,
Krankheiten schlichen sich ein, das Zuhause wurde das Bett.

Als Körper und Geist wieder geheilt, war fast alles dahingerafft
von meinem ehemaligen Fleiß, an Materiellen erschafft.

Das einst gegebene Geld, die bedingungslose Liebe,
war vergessen, man vertrieb mich, es trafen mich Stockhiebe

voll Ignoranz, Verleugnungen, Lügen, Verständnislosigkeit,
kein Schulterklopfen, kaum einer mehr zum Händedruck bereit.

Begegnungen auf der Straße bewegten viele zum Seitenwechsel,
andere, die mich zu spät bemerkten, schenkten ein müdes Lächeln.

Meine neue Heimat, der Park am See mit angrenzendem Wald.
Ich lebe von der Hand in den Mund, manchmal von Flaschenpfand.

Meine Verwerflichkeit war Ehrlichkeit, Kompetenz, Toleranz,
Verhandlungsgeschick, meine Ernte Häme und Arroganz.

Sie wollten in mir auch mal den Verlierer sehen,
wollten selbst allein auf dem Gewinnertreppchen stehen,

wollten meinen Charakter durch ihren Haß, Verhalten entblößen,
vergaßen, Persönlichkeit kann in Reichtum und Armut leben.

Nafia

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2 Antworten zu Verwerflichkeit hat mich eingeholt

  1. gkazakou schreibt:

    ich weiß nicht, ob mir die Ich – Sie – Gegenüberstellung gefällt. Auf der einen Seite Edelmut, auf der anderen Häme.

    Gefällt mir

    • quittenbluete schreibt:

      Das Gedicht bezieht sich auf das Schicksal eines Stadtstreichers, den ich 1975 kennengelernt hatte. Er war ein Glückskind, einer jener Menschen, denen alles sozusagen in den Schoß fällt und die mit einer Leichtigkeit durchs Leben gehen. Deshalb war es ihm möglich, viele Menschen mit auf seiner Karriereleiter zu tragen. Durch eine langwierige Krankheit verlor er nach und nach sein Gleichgewicht und fiel die soziale, berufliche Treppe herunter. Vom Bauernsohn zum Architekten, zum Stadtstreicher. Die Erinnerung an ihn steht stellvertretend für hunderte Schicksale ähnlicher Art. Er war ein Mensch mit Charisma.

      Liebe Grüße
      Nafia

      Gefällt 1 Person

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