Anderssein – Individualität im Kontrast zur konformen Gesellschaft


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Qual oder Chance anders zu sein?

Beides kann sich bedingen, muß aber nicht. Für manchen bleibt das Anderssein eine lebenslange Qual, für andere die Möglichkeit, sich zu einer starken Persönlichkeit zu entwickeln. Wobei die Persönlichkeit nicht unbedingt im positiven Sinne zu sehen ist. Genauso gut kann die Qual einen „Schutz“ bedeuten. Daran erkannt man schon, jeder ist anders und zwischen diesen Lebensmodellen gibt es noch viele mehr.

Obwohl alle Menschen biologisch gleich sind, das heißt, unser Körperbau und die Funktionalität sind im Wesentlichen keine große Unterscheidungsmerkmale, haben wir dennoch unsere eigenen Charakteristiken. Sei es der Körperwuchs, die Farbe des Haares, der Augen, der Haut, die Gesichtsform oder andere äußerliche Unterschiede. In den ersten Lebensmonaten und Jahren nehmen wir dies als einfache Tatsache wahr, bis wir durch andere oder uns selbst erkennen, daß das Gegenüber rote Haare hat. Wir bemerken, der große Bruder mag keine Bananen, die Oma lispelt, die neuen Schuhe gefallen auch Tante Rosa, einige sagen, wir ähneln Onkel Rolf und so weiter. Jetzt beginnen wir andere zu erkennen und hinterfragen unsere Erkenntnis mit Hilfe der anderen oder durch uns selbst.

Viele „andere“ im obigen Text, aber ohne die keine Reflektion eben durch „andere“, egal ob ich mich selbst als anders definiere oder durch andere als anders reflektiert werde. Zur Qual des Anderssein wird es erst, wenn es als negativ oder positiv hevorgehoben wird.

Man muß und man kann nicht immer nachvollziehen, warum das “Anderssein“ von dem einen als gut, vom andern als schlecht bezeichnet wird. Dies bleibt seine Ansicht, seine Meinung, seine Erkenntnis und sei jedem gestattet. Allerdings nur bis zu der Grenze, an der Abgrenzung, Ausgrenzung beginnt. An der Grenze, an der das Anderssein als abartig, nicht hinnehmbar verteufelt wird.

Manch einer versucht, deshalb sich zu ändern, läßt sich formen, um dieser Ausgrenzung zu entkommen, andere akzeptieren diese Diskriminierung irgendwann und vermögen an der Ausgeschlossenheit zu einer Persönlichkeit heranwachsen, die aufgrund ihrer Erfahrungen und Qualen anderen gegenüber empathisch auftreten. Für andere führen diese Abgrenzungsqualen zum geschultesten Förderer von jeglicher Art der Diskriminierungsformen. Beide sind Opfer durch Anderssein, beide haben diese Abgrenzung als Chance benutzt, der eine zum positiven Verständnis, der andere, um das positive Verständnis abzulehnen.

Diejenigen, die die Qualen nicht als Chance, sondern als Schutz betrachten, schlenkern für jedes Ausgrenzungsgefühl an einen andern Standpunkt und begrüßen den Hinweis auf das Anderssein als „Geschenk“, ihren Standpunkt zu verändern. Diese Menschen sind sogenannte „Fähnchen im Wind“. Oftmals sind sie auch diejenigen, die sich permanent nicht geliebt und geachtet fühlen und sich hinter Fassaden verstecken, sei es hinter „Führern“ oder „Ideologien“.

Der Wert des Andersseins ist trotz vieler Aufklärungsarbeit und vorgelebter Möglichkeitsformen immer noch nicht gänzlich in den Gesellschaften angekommen.

Gesellschaften, die in der Entwicklung des Menschen vom Kleinkind zum Erwachsenen nicht bewußt auf die persönliche Entwicklung jedes Individuums, sein Recht auf Anderssein eingehen, dürfen sich nicht wundern, wenn Troglodyten (Höhlenmenschen), wie in Platons Werk „Politeia“ beschrieben, die Mehrheit des Volkes stellen.

Doris Mock-Kamm

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