Lass dir das eine Lehre sein


flickr.com/ daniel.stark/ (CC BY 2.0)

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Nicht in die Fußstapfen des Lehrers treten

„Das laß dir eine Lehre sein!“ Entweder als liebgemeinte Warnung oder im hämischen Ton an uns gerichteter Ausspruch, wenn wir etwas augenscheinlich falsch gemacht haben. Was bedeutet Lehre? Warnung, Mahnung, Denkzettel, Erfahrung? Nein, es hat auch nichts mit der Lehre zum Messen eines Werkstückes, der Schieblehre zu tun. Lehre ist also kein Maßstab.

Das gotische Wort laisjan für lehren ist eng verwandt mit dem gotischen Wort laistjan, was soviel bedeutet wie folgen. Am deutlichsten erkennbar durch lâst, Fußstapfen, Fußspur und læstan, folgen. Sprachlich aus der weidmännischen Ausdrucksform zur Verfolgung eines Wildes und später in der Bedeutung übernommen für das Erkennen, Erfahren.

(…mit seinem öfter vorkommenden verbum laistjan folgen, und das ags. lâst fuszstapfe, fuszspur mit læstan folgen, ferner altn. leistr the foot below the ankle, und ahd. leist, calopodium, forma, uuagan-leisa orbita noch deutlich zeigt: in jenem verbum haben wir wol einen alten weidmännischen ausdruck vor uns, der sich auf das ausspüren des wildes und auch des feindes bezog und der erst später in die allgemeine bedeutung des erfahrens und kennens auslief. für den fall nun, dasz das causativ goth. laisjan, unser lehren, zu jenem leisan eine alte bildung ist, die schon bestand, als das letztere noch bloszes jägerwort war, und nicht etwa erst zu der zeit sich bildete, wo schon die allgemeinere bedeutung von leisan sich ausgeprägt hatte, so ist unser wort zufrühest auf den älteren weidmann bezogen gewesen, der dem jüngeren die spur des wildes erkennen und beachten lehrte; womit für lehren allerdings ein sehr entfernter und interessanter hintergrund gewonnen wäre. über das verhältnis von lernen zu lehren. DWB Trier)

Okay, der Textabschnitt ist jetzt sicher ein bißchen zuviel des Guten, aber ein wenig Lehre schadet nicht, damit es besser verstanden werden kann, da durch diesen Textabschnitt veranschaulicht wird, wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, nicht nur auf Deutungen Wert zu legen, sondern auf die Umstände, die dazu geführt haben, wie Wörter und Begriffe zu ihren „Aussagen“ kamen.

Im übertragenen Sinne bedeutet Lehre also auch lernen, das Lernen, die Fußstapfen richtig zu deuten, nicht in die Fußstapfen des Lehrers zu wandeln, sondern aus der Erfahrung des Lehrers Lehren zu ziehen.

„Das laß dir eine Lehre sein!“ Lerne zu lehren, den Fußstapfen zu folgen und lehre nicht zu lernen, den Fußstapfen zu folgen.

Doris Mock-Kamm

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