Mein Schatz – oder welche Koseform auch immer


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Wenn der Viehbestand familiäre Sicherheit bedeutet

Manchmal sind sie nur für vier Ohren bestimmt, dringen nicht nach außen, oftmals haben sie aber so einen tiefen Zugang in den Sprachgebrauch gefunden, daß sie andere Namen komplett verdrängten. Manche wirken niedlich, sogar passend, andere hingegen eher abstoßend, vielleicht sogar erniedrigend, die meisten sind aber wohl einfach alltäglich, flach, platt, ohne persönliche Aussage.

Schatz, Baby, Liebchen, Schnuffelbär, Häschen, Fröschlein, Lady, Juwel, Honey, Süßer, Sweetheart, Engel, Herzblatt, Hummelchen, Katerchen, Kuschelmaus, Schäfchen, Frechdachs, Täubchen, Zuckerschnecke, Goldspatz, Bussibärchen, Rehkitz, Schnuckelchen, Purzel, Herzchen, Knuffelchen, Biene und bis zur Unendlichkeit und weiter sind den Kosenamen keine Grenzen gesetzt.

Mitunter kann man dankbar sein, daß einige der Kosenamen selten anzutreffen sind. Und öfters weiß man auch nicht, ob man jetzt weinen oder lachen soll, wenn ein Ehepaar sich den ganzen Abend mit Scheißerchen und Spatzi anspricht. Wer weiß, vielleicht haben sie den richtigen Vornamen des Partners längst vergessen? So wie wir vergessen haben, was kosen, eher bekannt unter liebkosen, eigentlich bedeutet.

Mittelhochdeutsch kösen, althochdeutsch köson, bedeutet plaudern. Das Wort ist abgeleitet von kösa, lateinisch causa, eine Rechtssache führen, verhandeln. Wenn wir also liebkosen, dann besagt es, daß wir lieb plaudern, verhandeln. Oder anders ausgedrückt, wir hätscheln, tätscheln, streicheln, herzen mit einem Gegenüber. Wobei das Gegenüber nicht unbedingt ein Mensch sein muß, sondern das Liebkosen bezieht sich auch auf Tiere und nicht selten auf Pflanzen, die wir liebevoll pflegen. Und wenn wir etwas unheimlich lieb haben, dann erhöhen wir diesen Status gerne mit Kosenamen.

Viele der Kosenamen sind der Tierwelt entnommen, wenn sich deren Verhalten oder Aussehen dazu eignen, einen niedlichen Bezug zum liebkosenden Gegenüber herzustellen.

„Mein Schatzzz.“ Wer kennt diesen Ausdruck nicht, den Gollum in der Trilogie von „Herr der Ringe“ mehr als einmal in der ihm eigenen Art ausspricht. Schatz, in der Vorstellung vieler Reichtum pur, Juwelen, Gold- oder Silbermünzen und Perlen, zuhauf und nie gänzlich aufzubrauchen, da reichlich vorhanden für mehrere Leben.

Kann man für unsere Liebste, für unseren Liebsten einen besseren Beweis unserer aufrichtigen Zuneigung mit dieser Kosebezeichnung erbringen? Das sei jedem selbst überlassen.

Schatz, sprachlich abgeleitet von skatts, skat, sket, bedeutet in fast allen Sprachdialekten zuerst Geld, als einzelnes Goldstück. Die eigentliche Herkunft ist nicht hundertprozentig mehr nachzuvollziehen, doch scheint es in direktem Zusammenhang mit dem im altfriesischen Wort, sket, schet, verwandt zu sein, das auch für das Wort Vieh benützt wird. Sprachwissenschaftler sind sich auch hier nicht einig, aber die Wahrscheinlichkeit, daß der Schatz einer Familie in frühen Zeiten eher aus dem Viehbestand seinen Wert erhielt als aus Gold und Silber, das man nicht essen konnte, erscheint zumindest realistisch.

Mein liebstes Vieh, mein liebster Schatz, meine liebsten Leser, Ihnen allen noch ein wunderschönes, entspanntes und liebkosendes Wochenende mit Ihren Liebsten.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Mein Schatz – oder welche Koseform auch immer

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Eigentlich soll ja mit fortschreitender Beziehungsdauer die Tierwelt größer werden. Zuerst kommt die Maus und zum Schluss die großen Stallbesucher. Jeder soll bekanntlich so glücklich werden, wie es ihm gefällt (so wollte es zumindest der „Alte Fritz“, aber ich benutze immer eigene Worte, die sich dauernd ändern, also Neologismus in Reinform, ist aber manchmal ein Lächeln wert, und damit kann ich gut leben 😉 Schöne Pfingsten 🙂

    Gefällt 1 Person

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