China Exporte: Wirtschaftspolitisches Gezeter mit viel Kalkül


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Das Reich der Mitte befindet sich nie auf der Verliererseite

Arno von RosenEin dramatischer Rückgang der chinesischen Exporte (im Februar 2016 um 25%) schockte Experten! Experten? Ich fange eigentlich keinen Artikel mit einem Sprichwort an, aber hier und heute mache ich eine Ausnahme: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Warum sage ich das? Nur ein paar wenige Fakten hierzu.

Tatsächlich ist der Export im Februar dieses Jahres auf 125 Milliarden Dollar zurückgegangen, gegenüber dem Vorjahr, aber im Dezember lag dieser noch bei 225 Milliarden Dollar. Allerdings hat man nicht erwähnt, dass das chinesische Neujahrsfest auf den 8. Februar fiel (das Datum ändert sich in jedem Jahr) und damit nicht nur auf die Glückszahl 8, sondern auch auf das Jahr des Feuer-Affen. Zugegeben, für westlich geprägte Wirtschaftsgedanken klingt das abstrus, aber Chinas Wirtschaft funktioniert anders. Zum Neujahrsfest bekommen alle Wanderarbeiter Urlaub, die sonst wie in einer Kaserne auf dem Produktionsgelände eng zusammengepfercht leben.

Damit sind auch Reisen durch das riesige China verbunden, die oft Tage dauern und nicht selten zu dem Ergebnis führen, die letzte Arbeitsstelle aufzugeben. Es gibt keine Arbeitsverträge in China, und fehlende Arbeiter werden durch neue ersetzt, die dann erst wieder angelernt werden müssen, denn Ausbildung ist in China Mangelware. Ich breche den kleinen Exkurs ab, weil Sie ja jetzt schon verstanden haben, dass die Produktion für das Frühjahr bereits im Herbst erledigt wurde, die Ware sich auf Schiffen befindet und Richtung Europa unterwegs ist, um unseren Alltag billig zu verschönern.

Falls Sie sich jetzt noch ein bisschen Sorgen machen, die Exporte sind bereits wieder sprunghaft im März angestiegen auf über 175 Milliarden US Dollar, die chinesische Wirtschaft schleppt sich niedergeschlagen mit über 6% Wachstum dahin (Zahlen, von denen in Europa nur noch unsere Urgroßeltern berichten könnten, denn hier sind es selten mehr als 2%). Die Jammerei ist eher der Kultur der irrsinnigen Leistungserfüllung der politischen Führung Chinas geschuldet als tatsächliche Gründe, da die Partei alles steuern will, auch den Erfolg. Deshalb sind die von China genannten Daten eher mit Zweifel zu betrachten. Ja, aber der Zoll und das Statistische Bundesamt müssen es doch nun wirklich wissen, oder?

Jain, denn der Zoll rechnet ja nur die angegebenen Einfuhrpreise zusammen, welche traditionell beschummelt werden, um höhere Zölle zu vermeiden, und das Statistische Bundesamt stützt sich auf die übermittelten Zahlen der Unternehmen, die sich ebenso ungerne in die Karten gucken lassen. Es ist also viel Kaffeesatzleserei im Spiel, und es sind keine verlässlichen Zahlen. Da finde ich es schon bemerkenswert, wie sich Experten aus dem Fenster lehnen und China als Exportgiganten in die Krise reden. Trotzdem gibt es einen Faktor, den man nicht außer Acht lassen kann. Die Automobilimporte Chinas.

Galt unseren deutschen Automobilbauern China bisher als goldene Gans, gehen die Einfuhren der Deutschen Hersteller (die Teile selbst kommen auch aus aller Welt) zurück. Das liegt zum einen an der Sättigung des chinesischen Marktes, denn auf dem Land fährt niemand Neuwagen „Made in Germany“, in der Stadt verursachen Fabriken, Autos und antiquierte Techniken zum Smog-Infarkt, und zum anderen werden in sehr kurzer Zeit (etwa 6-10 Jahre) chinesische Hersteller den eigenen und europäischen Markt mit Automobilen überfluten, denn der Chinese an sich empfindet es als Ehrerbietung, dem Konkurrenten gegenüber dessen Produkte nachzuäffen (das Wortspiel war gewollt) und damit in den kommenden Jahren unsere Autobauer in die Knie zu zwingen.

Denken wir nur an die 70er Jahre, wo wir als Extra den rechten Außenspiegel hatten, die Japaner uns mit elektrischen Fensterhebern verwöhnten und diese anfänglich belächelt wurden. Heute führt VW einen offenen Kampf mit dem Weltmarkführer im Automobilbau aus Japan, und niemand lächelt mehr über den kleinen Inselstaat, obwohl dort hohe Lebensstandards herrschen im Gegensatz zu China, wo wenigstens der Durchschnittslohn von 80 Euro pro Monat (bei einer Arbeitszeit von 80 Wochenstunden) auf etwa 160 Euro gestiegen ist. Es wird also sehr leicht für die Mitbewerber, unsere Stückkosten extrem zu unterbieten.

buddha

Fazit. China hat natürlich keine Krise im wirtschaftlichen Bereich, außer dessen Wachstum aus technologischen Gründen weiter explodieren zu lassen. Die Umwelttechnik könnte von uns kommen, wenn wir clever genug sind, ansonsten haben wir China fast alles auf dem Silbertablett serviert, was der Riese benötigt, um in Europa in Zukunft zu dominieren.

Denn lässt man diese Produkte aus unseren Geschäften weg, wären Onlineplattformen und Innenstadtgeschäfte nahezu leer und machte auch vor Edelboutiquen nicht halt. Woher ich das alles weiß? Ich mache seit über 10 Jahren Geschäfte mit China, ob Produktion oder Import, und nie haben die Chinesen Geld bei einem Auftrag verloren, wirklich nie. Ach ja, falls es Sie interessieren sollte, ich wurde im Jahr des Feuerdrachen geboren, mehr geht eigentlich nicht.

Hier zwei chinesische Weisheiten die gut den Charakter wirtschaftlichen Verhaltens widerspiegeln:

„Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld“

„Verwandle große Schwierigkeiten in kleine und kleine in gar keine“

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12 Antworten zu China Exporte: Wirtschaftspolitisches Gezeter mit viel Kalkül

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Hat dies auf Arno von Rosen rebloggt und kommentierte:

    Guten Morgen! Ich mache nicht nur Fotos, koche und schreibe Lyrik, ab und zu verfasse ich ebenfalls Artikel über Wirtschaft und Finanzen. Das ist dann etwas trockener, aber der nächste schönere Beitrag kommt bestimmt 😉 Euch ein prima Wochenende 🙂

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  2. anudasa schreibt:

    Lieber Arno,
    danke für Deine interessanten Ausführungen.
    Ich finde Wirtschaftsthemen spannend, wenn sie gut aufbereitet sind. Das ist Dir wieder einmal gelungen.
    So weit ich weiß, ist der chinesische Computerhersteller L%NOVO weltweit die Nummer Eins auf dem PC- und Laptopmarkt. Auch mein Notebook ist von dieser Marke.
    Da würde ich mich nicht wundern, wenn China in Zukunft einen Großteil der Autoproduktion übernehmen würde.

    Wir wünschen Dir auch ein schönes Wochenende

    Froschi und Anudasa

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  3. Ruhrköpfe schreibt:

    Hallo lieber Arno, danke für den kleinen Einblick. Schöne Zitate zum Schluss 🙂 Liebe Grüße, Annette

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  4. Corinna schreibt:

    Da sollte man wohl Chinesisch als erste Fremdsprache in Schulen einführen. Dann können unsere Kinder wenigstens mit ihnen handeln, wenn wir schon nichts mehr selbst produzieren.

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    • rosedesabl schreibt:

      Liebe Corinna, wir haben die Kinder vorbereitet und für diesen Zweck die Sprache unterrichtet Das gelbe Meer nimmt aber nur seinesgleichen, hier sind wir tolerant und solidarisch was die Entwicklung der Wirtschaft global angeht, die China-Machthaber aber nicht.

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      • Corinna schreibt:

        Aber es ist schon praktisch, wenigstens die Sprache der Machthaber zu verstehen. … und vielleicht wird die Wirtschaft irgendwann tatsächlich wieder regionaler, wenn wir nicht alles glauben, was uns eingeredet wird (z.B. dass man immer das Neueste haben muss, um ein vollwertiger Mensch zu sein), und wieder eher auf Langlebigkeit statt auf billig setzen. Schau’n wir mal.

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      • rosedesabl schreibt:

        Das will ich hoffen

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  5. Anna-Lena schreibt:

    Ich lese deine Wirtschaftsbereichte gern, denn sie sind gut zu verstehen. Als absoluter Laie auf diesem Gebiet muss ich mich sonst immer sehr durchbeißen, wenn ich so etwas mal für den Unterricht brauche. Und ehrlich gesagt – mein Hobbythema ist das ohnehin nicht… 😉 .

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  6. drnessy schreibt:

    Wieder einmal ein sehr interessanter Post mit der richtigen Würzmischung an Süßem, Salzigen und auch ein wenig Bitterem…. wie es die Chinesen auch lieben. Have a wonderful day, Nessy von den happinessygirls.

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  7. nandalya schreibt:

    Was Europa den Chinesen nicht serviert haben, haben sie kopiert. Aber manchmal explodiert dann so eine kopierte Fabrik. Das wird dann Unfall genannt und nicht eingehaltene Brandschutzvorschriften. Ja.

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  8. drnessy schreibt:

    Hallo Arno! Auch mich stört der etwas geringere Wachstum der Chinesen – Neujahrsfest hin oder her – nicht wirklich… Auch dass sie und nicht mehr ganz so viele unserer schönen Mercedesse abnehmen, kann die deutsche Wirtschaft, denke ich, durchaus verschmerzen. Wie Du so nett schreibst, sind wir ja auch ein wenig selbst schuld am immensen Aufschwung, den China bis jetzt erleben durfte! Das erinnert mich alles ein wenig an unsere Milchbauern, die überproduzieren und sich dann über zu geringe Preise mokieren. Sorry, liebe Milchbauern, klar, dass ihr mehr produzieren müßt, damit sich die Choose noch lohnt, aber wirklich Sinn macht ja das Ganze ja nicht, oder? Nicht, dass ich den alten DDR Staat mit der Planwirtschaft auf den Plan (hihi) rufen möchte, aber was um alles in der Welt, spricht eigentlich dagegen, nicht nur soviel zu produzieren, wie gebraucht wird? Da eh soviel weggeworfen wird, dass es ein Verbrechen an unsere gute Mutter Erde darstellt, ihre Ressourcen so zu verschleudern?

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  9. Michael Geyer schreibt:

    Meines Erachtens fehlt in den Wachstumsanalysen der staatlich entfachte Bauboom in China. Entstehen nicht noch immer gewaltige Häuserkomplexe, die am Ende leer stehen? Auch der rasante Ausbau des Autobahnnetzes, das gewiss inzwischen das längste weltweit sein dürfte, lässt das BIP wachsen. Doch ob diese auch genutzt werden ist fraglich.
    Die Wchstumsrate, ungeachtet dessen, dass die Zahlen durch die Partei ohne Zweifel geschönt werden, birgt somit bestimmt große Vorschussleistungen, die ersteinmal in der Zukunft erwirtschaftet werden müssen.

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