Wirres Zeug verfängt sich in Gedanken


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Wie kann aus einem „wie wahr“ bloß wirrwarr entstehen?

Kann aus wirrwarr „wie wahr“ werden? Oder aus wie wahr, wirrwarr? Dieser Text ist ein Versuch des Verfangens in Wörtern oder das Verfangen in einen Versuch. Eigentlich ganz einfach, drauf losschreiben, was befremdlich wirkend einwirkt.

Bedauern wir nicht hin und wieder Menschen, Tiere, die sich in Situationen befinden, unter denen sie leiden. Wir müssen diese Menschen, Tiere nicht unbedingt gut kennen, mit ihnen befreundet sein, um durch Bedauern unser Mitgefühl zu zeigen. Störend an dem Wort ist das Dauern. Was hat dauern, also der Begriff über einen gewissen Zeitraum, eine unbestimmte Zeitspanne, unverändert anhalten, mit Bedauern, mit jemanden mitfühlen zu tun? Rein gar nichts! Unser Mitgefühl ist völlig frei von der Vorgabe, wie lange wir mitfühlen. Es ist schlicht und einfach ein Vertauschen von Buchstaben.

Bedauern („wird ganz falsch D für T geschrieben, und dadurch nicht nur vermischung mit dauern durare herbeigeführt, sondern auch der zusammenhang mit theuer d. i. teuer verdunkelt“ DWB Trier) eigentlicher Ursprung „betûren“, „tiure wesen“, viel kosten, ist also durch das Vertauschen von Buchstabe T mit D und eu mit au zu einem sprachlichen wirrwarr mutiert. Der Einfachheit halber könnte man denken, aber als „beteuern“ glaubhaft versichern, nachdrücklich finden wir „Bedauern“ in seinem ursprünglichen Sinn wieder.

Nun macht man sich darüber Gedanken und fragt sich, ist das Wort in seiner jetzigen Schreibweise wirklich besser zur Formulierung, da taucht auch schon der nächste Wirrwarr auf. Denn eigentlich hat das „danken“ in Gedanken nichts zu suchen, denn darüber denken, tun wir doch, wenn das Denken in Gang gesetzt wurde. Oder soll hier Dankbarkeit impliziert werden, daß wir froh sein können, zu denken? Hier scheint einfach zugunsten vom Sprachrhythmus aus dem „e“ ein „a“ formuliert worden zu sein. Ein gewissenhafter Sprachwissenschaftler könnte vielleicht eine umfangreichere Erklärung dazu bieten. Auffällig ist allerdings, daß „geþanc“, Gedanke, mit angelsächsisch „þancjan“ danken, Ähnlichkeiten aufweist.

Sollten wir also doch dankbar sein, daß Denken uns möglich ist und keine Selbstverständlichkeit darstellt? Sollten wir vielleicht unser Beteuern einem Mitgeschöpf gegenüber nicht doch über einen längeren unbestimmten Zeitraum zukommen lassen?

Befremdlich ist, darüber nachgedacht zu haben und unwillentlich noch einen anderen Wirrwarr geklärt zu haben, denn das Nachgedachte hat jetzt nicht nur ein Fundament, sondern ebenso ein Dach.

Dadurch ist das Bedauern um die Vertauschung der Buchstaben für den Begriff beteuern und das Ersetzen des Buchstabens „a“ in Gedanken, als nicht nur sprachlich korrektes Denken erkannt worden, sondern gleichwohl als: wie wahr!

Wenn Ihnen der Versuch des Verfangens in Wörtern zu wirr war, so haben Sie zumindest sich in dem Verfangen versucht und befremdlich festgestellt, aus einem „wie wahr“ kann wirrwarr entstehen.

Doris Mock-Kamm

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3 Antworten zu Wirres Zeug verfängt sich in Gedanken

  1. Sabine Adameit schreibt:

    Manchmal bin ich ganz dankbar für meinen Wirr-sinn 😀

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  2. Belana Hermine schreibt:

    Sprachspiele, die Wirr-War anrichten und doch manchmal die Wahrheit enthüllen, liebe ich. 🙂

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  3. gkazakou schreibt:

    Der Zusammenklang von Sinn und Wort ist voller Geheimnis. Folge dem Klang, er lockt dich in dunkle Wirrwarwälder, aber verlier dich nicht. Kehre bereichert zurück unters Dach des Gedachten.

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