Tschernobyl: Trotz Gedenken weltweit neue AKWs geplant


flickr.com/ bsdphoto/ (CC BY-NC 2.0)

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Zwei Super-GAUs können eine angeblich technische Überlegenheit nicht aufhalten

Heute vor 30 Jahren geschah der erste Super-GAU eines AKWs in der Ukraine, im Kernkraftwerk Tschernobyl, in damaliger Sowjetunion, der Mauerfall und Zusammenbruch des Warschauer Pakts war trotz einiger Vorzeichen noch nicht abzusehen. In Zentraleuropa, also ebenso hier in Deutschland, herrschte Ratlosigkeit, Panik und Angst. Zum ersten Mal wurde die Berechtigung einer Anti-AKW-Bewegung äußerst bitter vor aller Augen geführt. Dringend notwendig sofortiges Umdenken unter der Helmut-Kohl-Regierung? Fehlanzeige.

Befanden sich 1985 weltweit schon 363 AKWs am Netz, wurden in den nächsten fünf Jahren, die Tschernobyl-Katastrophe außer acht lassend, 53 weitere gebaut. Italien reagierte per Volksabstimmung vorbildlich nach dem Tschernobyl Super-GAU, die vier bestehenden AKWs wurden bis 1990 allesamt abgeschaltet. Unser nördlicher Nachbar Dänemark hatte bereits 1985 sich gegen die Nutzung von Kernenergie entschieden. Trotz heutiger Gedenken sind weltweit neue AKWs geplant, zwei Super-GAUs können eine angeblich technische Überlegenheit nicht aufhalten.

Deutscher Ausstieg nach Fukushima halbherzig – Profitdenken beflügelt Befürworter

Obwohl die Anti-AKW-Bewegung keineswegs müde wurde, ihre Bedenken der bundesdeutschen Regierung vorzutragen, beharrte gerade die CDU-Regierung unter Kohl auf diesen gefährlichen politischen Energie-Kurs, selbst die rot-grüne-Ära von 1998 bis 2005 konnte den überfälligen AKW-Ausstieg nicht vorantreiben oder gar abschließen. Frau Merkel hielt explizit an ihm fest.

Nach dem zweiten Super-GAU, in Fukushima am 11. März vor fünf Jahren, erfolgte endlich ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen in der BRD, was dennoch den damaligen EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, nicht davon abhielt, sich lautstark für den weiteren, weltweiten Ausbau von AKWs einzusetzen. Kein Wunder, daß mit solch einer Einstellung der deutsche Kernkraftausstieg eher halbherzig stattfindet, erst Ende 2022 die letzten drei Kernkraftwerke der derzeit noch acht in Betrieb befindlichen vom Netz gehen sollen.

Dem Gedanken einer „absoluten Sicherheit“ deutscher Kernkraftwerke, wie der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs großspurig verkündete, stehen aber gewisse Restrisiken gegenüber, von menschlichen Versagen über Naturkatastrohen bis hin zu Terroranschlägen.

Die „Big Five“ der meisten AKWs (Japan seit Fukushima ausgeklammert)

Vorneweg diese USA, die neben ihrer extrem hohen Militärausgaben, dem Fracking und anderen Ressourcen-Verbrechen ebenso die Liste der in Betrieb befindlichen AKWs (Stand Oktober 2014) mit 99 anführen. Unsere französischen Nachbarn haben so gar kein Problem mit dieser fragwürdigen Technik mit ihren 58 aktiven AKWs. Russland rutschte mit seinen 34 auf den dritten Platz, die VR China betrieb 30 und Südkorea 24 als der letzte der „Big Five“.

Weltweiter Ausstieg längst keine Option

Besonders die VR China erwägt möglichst viele neue AKWs zu bauen, von mehr als 80 weiteren ist die Rede. Auch die Russische Föderation, anstatt die eigene Technik zu hinterfragen in Hinblick zu Tschernobyl, setzt nach wie vor auf die Kernkraft, wie Putin beschlossen hatte, weitere 26 Reaktoren sollen bis 2030 gebaut werden.

In sofern kann von einem weltweiten Atom-Ausstieg keine Rede sein, das Gegenteil ist der Fall. Die zwei Nuklearkatastrophen und deren Folgen haben offensichtlich nicht ausgereicht, ein wirklich nachhaltiges Umdenken zu initiieren. Diese gefährliche Technik wird immer noch deshalb unterschätzt, weil die tödliche oder gesundheitlich extrem gefährliche Strahlenbelastung von den menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden kann, wir ducken uns, gewarnt mittels hör- oder sichtbaren Lärm bei gewissen Gefahren, ziehen Gasmasken an, wenn die Atemwege spürbar belastet, manche essen ahnungslos immer noch gepflückte Pilze mitten in Europa, Geigerzähler ticken an manchen Stränden des Pazifischen Ozeans.

Ich schließe heute mit folgdendem eigenen Zitat:

„Wenn ein Kind sich an der Herdplatte die Finger verbrennt, geschieht dies in der Regel kein zweites Mal. Zivilisierte Menschen haben aus Tschernobyl nichts gelernt, so daß Fukushima vermeidbar gewesen wäre. Doch bis heute verbleibt die arrogante Haltung, es passiere schon nichts weiteres.“

Lotar Martin Kamm

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