Zins und Zinseszins: Welch gefährliche Selbstverständlichkeit (Teil 2)


Börse

Wenn Banken den Lauf unserer Welt beherrschen

Arno von RosenNachdem wir nun im letzten Artikel festgestellt haben, wo wir als Einzelperson auf der Leiter des Banken-Ranking stehen (diejenigen unter Ihnen, die Höhenangst haben, müssen sich jetzt nicht sorgen, denn Sie stehen immer vor der Leiter, nie darauf), beleuchten wir heute die internationalen Banken, im Fachchinesisch auch „Investment-Banken“ genannt.

Hinter diesem schönen Begriff versteckt sich nichts anderes als der weltweite Geldhandel, von dem Sie natürlich schon gehört haben, aber von dem meistens nur ein Börsenbarometer hängen bleibt, wenn eine dieser Riesenbanker mal wieder eine Gewinnwarnung (weniger Ertrag als vorausgesagt) oder ein nach oben korrigiertes Ergebnis (die Anteilseigner = Aktionäre) jubelnd nach mehr Aktien gieren lässt, um den ausgeschütteten Gewinn der Bank für sich persönlich zu mehren. Wie kommt es dazu?

Nun, Gewinnwarnungen gehen nicht selten mit Strafzahlungen an Länder einher, die kriminelle Machenschaften einer Bank offen gelegt und verurteilt haben. Sehr beliebt ist dieser Finanzsport in den USA, denn dort kommen nicht selten Milliarden Beträge als Strafe zusammen (schon allein um den eigenen Finanzmarkt oben zu halten). Bevor diese Zahlungen letztendlich fällig werden (diese Gerichtsprozesse ziehen sich teilweise über Jahre hin, und jede Gerichtsinstanz wird komplett ausgeschöpft), nimmt die Bank eine Rückstellung vor. Sie legt das Geld für eine mögliche Strafe schon mal zur Seite, um diese dann bei einer Verurteilung zahlen zu können.

„Das ist doch sehr vernünftig“, denken Sie jetzt. Ja, ist es bestimmt, aber der eigentliche Zweck besteht darin, dass diese Rückstellung nicht versteuert werden muss, also den Gewinn des Rückstellungsjahres um diese Summe schmälert. Dadurch gehen, im Beispiel Deutsche Bank, dem deutschen Fiskus erhebliche Steuereinnahmen verloren. Besonders beliebt ist diese Vorgehensweise in Jahren mit großer Rendite. Ärgern sich da nicht die Anteilseigner? Die Kleinen bestimmt, denn ihnen wird die Ausschüttung vorenthalten. Bei den großen Anteilseignern ist das Teil des Geschäftsmodells, denn sie kaufen Aktien von enttäuschten Kleinanlegern, wenn der Kurs der Bank an der Börse abrutscht, weil diese ihre Aktien dann unbedingt verkaufen wollen, um ihr Geld zu retten oder in etwas anderes zu investieren. Schieben Banken ihre Gewinne und Verluste umher, um einer Besteuerung zu entgehen?

Panama Papers (1)

Natürlich tun sie das, wie alle großen Unternehmen, denn nichts anderes ist eine Bank, auch wenn diese zusätzlich anderen Unternehmen zur Seite steht, um deren Geld ebenfalls vor dem Finanzamt zu retten. Dazu benötigt man dann die „Briefkastenfirmen“, so wie in Panama, über die jetzt heftig diskutiert wird (natürlich verlogen). Das Ereignis sind ja nicht diese virtuellen Firmen (zumeist ein Bürohaus, in dem sich zig tausende Unternehmen und Einzelpersonen in einer Etage zusammen finden). Dieses Konstrukt ist völlig legal, wird von den Banken selbstverständlich nie hinterfragt (da selbst genutzt), ist auch jedem Politiker, egal welchen Landes, bestens bekannt, aber bisher wurden noch nie „Klarnamen“ von Firmen und Personen dahinter gefunden, außer mal in Einzelfällen, wo sich investigative Journalisten über Jahre die Mühe gemacht haben, diese Geflechte aus Rechtsanwaltskanzleien, Briefkastenfirmen, Grundbucheinträgen, Bankenverbindungen und Steuererklärungen aufzudröseln.

So kommt dann auch mal raus, dass die Flugzeugflotte von VW auf den Cayman Islands (knapp 60.000 Einwohner stehen über 200.000 eingetragenen Firmen gegenüber) registriert und (nicht) versteuert wird, die Verluste dagegen in Deutschland geltend gemacht werden, um die Steuerlast bei unserem Finanzamt zu drücken. Das ist natürlich extrem clever (schütteln Sie jetzt bloß nicht den Kopf) und auch total legal (jetzt dürfen Sie sich komplett schütteln). Da sind die Staaten völlig machtlos, stimmt’s?

Wer hat’s erfunden? Nein, knapp daneben. Die Kapitalverschiebung wurde in Frankreich erfunden, wo das Gesetz eine Versteuerung der Hauptfirma forderte, ohne konkrete Angaben zu machen, wo der Hauptsitz liegen müsse. So wanderte das erste Unternehmen mit der (unbemannten) Zentrale in die Schweiz (Sie waren schon nahe dran) und tausende folgten diesem Beispiel. Daraus wurde für das kleine neutrale Land ein baumdicker Wirtschaftszweig – vor über 100 Jahren. Richtig, jetzt dürfen Sie auf den A… Allerwertesten fallen, vor Schreck, Wut, Verwunderung, Unverständnis und gerne auch noch mal Wut, weil’s so schön ist und berechtigt. Nur eine winzige Korrektur würde ausreichen, um diesen Zustand weltweit zu unterbinden, indem die Steuern da gezahlt würden, wo die Unternehmen ihre Umsätze machen. Dann würden die Gelder von IKEA, REWE & Co. nicht auf irgendwelchen Auslandskonten landen, um in die Taschen von Multimilliardären zu kullern. Warum tut die Politik nix?

Ein gewisser Herr Seehofer, ein junger engagierter Gesundheitsminister, wollte eine schwarze Liste für Medikamente erstellen, um den Pharmariesen den unberechtigten Geldhahn für überteuerte Arzneimittel abzudrehen. Einer dieser Vorstandsvorsitzenden rief daraufhin rotzfrech den Minister an und sagte (sinngemäß), „mach die Liste und ein Skandal fegt dich von der politischen Bühne, für immer!“ Die Liste gab es nie, Herr Seehofer beendete seine Zweitbeziehung, ging zurück nach Bayern, verlautete diese Drohung (spekulativ zum Eigenschutz) und igelt sich fortan im Freistaat ein.

Steuervermeider

Rein Fiktiv gesponnen, könnte eine Firma in Panama, nennen wir sie „Blacklist“, eine Rechnung an ein Pharmaunternehmen, irgendwo auf der Welt stellen, und diese Rechnung würde beglichen, natürlich steuerentlastend für das Unternehmen in diesem Land, natürlich mit fiktivem virtuellem Vorstand dieser Briefkastenfirma (der Vorstand besteht aus weiteren Briefkastenfirmen usw.), es wäre nicht nachzuvollziehen, wem dieses Unternehmen letztendlich gehört, und es werden natürlich keine oder nur wenig Steuern fällig. Alles ganz legal, es sei denn, man könnte nachweisen, dass jemand in einem Land wie Deutschland Einnahmen hätte, die nicht nach Recht und Ordnung hier versteuert wurden. Dann wäre es nicht nur peinlich, mit dem System „Panama“ in Verbindung gebracht zu werden, von der Tatsache dann als gieriger Sack zu gelten, der den Hals nicht voll bekommt, ganz zu schweigen.

Das alles funktioniert ohne internationale Investment-Banken natürlich nicht und ist für den kleinen Bürger erstens undurchschaubar und zweitens uninteressant, da der monetäre Grundstock fehlt, ab dem sich solche Briefkastenfirmen und Banken lohnen, denn die neue ausgerufene Zielgruppe dieser Banken sind die… Superreichen – welch eine Überraschung.

Ich erspare Ihnen jetzt die gefühlte Wurzelbehandlung ohne Narkose und erwähne nicht, dass Spekulationen mit Lebensmittelernten die Preise in „Dritte-Welt-Ländern“ so nach oben treiben, dass die Menschen dort Matschkekse essen müssen, um etwas im Bauch zu haben, oder dass durch diese Spekulanten der Banken jährlich mehr Getreide in Indien verrottet, als alle hungernden Völker zusammen benötigten, oder in Deutschland jeder erwerbstätige Mensch nur noch 12 Stunden in der Woche arbeiten müsste, um richtig gut zu leben, und es auch keine Armut mehr gäbe, wenn diese optimierten legalen Steuerschlüpflöcher geschlossen würden, und das in einem Deutschland, welches als Steueroase noch vor Panama liegt. Die unbezahlbaren Mieten in Großstädten durch die Anlagewut der Vermögenden ist da schon fast lächerlich zu nennen, trifft aber wieder die Menschen, die nie eine wirkliche Wahl haben, nicht einmal alle paar Jahre, wenn wieder ein Kreuz auf einem Zettel fällig ist.

Ihr Arno von Rosen, total spekulationsfrei, mit nur einem Briefkasten (direkt vor der Haustür) und der unerschütterlichen Zuversicht, dass dieses System endet wie alle zuvor, nur um wieder von vorne zu beginnen, am Besten mit der Gründung einer neuen demokratischen Republik (da war doch mal was?), wo alle Menschen gleich sind, jedenfalls so ungefähr. Beenden werde ich den Artikel mit einem Zitat vom legendären Baron Nathan Meyer Rothschild. (1840-1915), erster Bankier der Gelddynastie, über Spekulationen:

„Kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt, selbst wenn es dein eigenes ist.“

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