Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 8)


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Ein Drama mit offenem Ende

Q tritt ab, die deutsche Nationalhymne erklingt:

Deutschland, Deutschland in Europa,
Von der Elbe bis zur Saar,
Wenn es stets vor Freude alle Leute
Inniglich zusammenhält,
Dabei ewiglich innerer Frieden zählt,
Kein böses Wort, keine Fremdenfeindlichkeit –
Deutschland, Deutschland keine Gefahr
Für unsere schöne Welt!

Der Vorhang öffnet sich. Vorm Reichstagsgebäude eine Traube von Journalisten sich tummelt zusammen mit Kameramännern und Photographen. Hinter den Mikrophonen stehen Angie, die Beerde, die USA, der Bär und Sackohrzieh.

Herr Jauch zückt sein Mikrophon, stellvertretend als Moderator und Vermittler zwischen Politik und Medien.

Herr Jauch: Nur für unsere Fernsehzuschauer. Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen mitteilen, daß soeben die hier anwesenden Politiker nach einer langen Sitzung vor die Kamera treten, um der interessierten Öffentlichkeit die Ergebnisse der Verhandlungen vorzutragen und zu begründen. Ich erteile das Wort an die Bundeskanzlerin.

Angie im Vorfeld sich räuspernd: Verehrte Kollegen, meine Damen und Herren der hier anwesenden Medienanstalten. Wir haben eine äußerst lange und harte Sitzung in der letzten Nacht gemeinsam nunmehr endlich beenden können, nachdem insbesondere die USA und der Bär einen moderaten Kompromiß aushandelten, der alle einigermaßen zufrieden stellen dürfte.

Herr Jauch: Wenn Sie gestatten, Frau Bundeskanzlerin, ich sehe gerade, Herr Sackohrzieh möchte etwas erwidern.

Sackohrzieh: Aber Madame Merkel, das entspricht nicht unbedingt der ganzen War-eit, n’est-ce pas? Schließlisch ‚at doch Wladimirowitsch unmißverständlisch auf seine berechtigten Standpunkte be-arrt ! Der Bär nickt heftig bejahend.

Herr Jauch: Wollen Sie sich dazu äußern? Nein? Die USA fällt Angie, die gerade etwas erwidern möchte, ins Wort.

USA: Dazu muß ich aber ein Veto einlegen, weil dies gar nicht mehr zur Diskussion stand, werter Kollege Sackohrzieh. In diesem Kontext muß ich im Namen meiner Nation darauf bestehen, daß wir Europa stets die notwendigen Freiheiten überließen, ganz im Sinne eines demokratischen Grundverständnisses in Anlehnung an George Washington, for sure!

Ein Großteil der Medienvertreter kann sich ein schallendes Gelächter nicht verkneifen.

Der Bär: Zunächst mal, vielen Dank für die französische Rückendeckung, Monsieur Sackohrzieh. Russland hat es nicht nötig, mit irgendwelchen fadenscheinigen Argumenten auftrumpfen zu wollen, wir halten uns an Fakten. Angesichts der langanhaltenden NATO-Belagerung entlang unserer Grenze zur EU reagierten wir selbstverständlich notwendig angemessen. Nunmmehr haben wir in der vergangenen Nacht uns dahingehend einigen können, dieses militärische Störmanöver schnellstmöglich abzubauen, wobei der Westen die ersten Schritte vornehmen muß. Ein Blitzlichtgewitter unterstreicht den Kommentar des Bären.

Herr Jauch: Was sagen Sie dazu, Beerde?

Beerde: Im Namen der Deutschen kann ich mich nur an die gewählte Bundeskanzlerin wenden, die die Verantwortung zu tragen hat, daß alles ordnungsgemäß abgewickelt wird.

Angie fühlt sich sofort angesprochen.

Angie kleinlaut: Nun, wir werden schrittweise die Truppen zunächst ins deutsche Hinterland abziehen, was auch schwere Waffen anbelangt. Dasselbe erwarten wir selbstverständlich von Russland.

Herr Jauch: Das Ganze erinnert sehr stark an die Vorgänge in der Ukraine, wo bekanntlich sich im Ergebnis nichts änderte, der Krieg weiterhin stattfindet.

Sackohrzieh: Da kann isch Ihnen nur beipflichten, das läuft wohl darauf ‚inaus.

Die Pressevertreter beginnen lautstark zu diskutieren, teilweise mittels Fußstampfen begleitet. Plötzlich weichen sie auseinander, weil das Gewissen erscheint und vor die Politiker tritt.

Das Gewissen: Immer noch so lernresistent, auf die eigene Macht beharren, um diesen lächerlichen Auftritt hier obendrein als tollen Kompromiß der Öffentlichkeit zu verkaufen? Wir erleben doch jetzt schon ein Scheitern! Solange die USA und Russland ihr Wettrüsten nicht beenden, der Ost-West-Konflikt weiter anhält, fühlen sich explizit selbst andere Länder wie China, Indien, der Iran etc. berufen, selbst ständig aufzurüsten, um wenigstens den Anschein zu wahren, mithalten zu können. Sie wollen keinen Frieden, sondern existieren vom weltweiten Leid der Betroffenen.

Das Bühnenlicht erlischt ganz langsam, während Blitzlichter aufflackern, es erklingt Richard Strauss „Also sprach Zarathustra, Op. 30: I. Einleitung“ und der Vorhang schließt langsam. Auf geschlossenem Vorhang erscheint unsere Mutter Erde mit der ausklingenden Musik.

Lotar Martin Kamm

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Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 2)
Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)
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