Tücken der Karten und Navigationsgeräte


flickr.com/ conticium/ (CC BY-SA 2.0)

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War das nicht diese Ausfahrt?

„War das nicht die Ausfahrt, die wir nehmen sollten?“

„Meinst du?“

„Sieh doch mal nach!“

„Wie hieß die noch mal?“

„Wer?“

„Die Ausfahrt.“

„Weiß ich nicht, Ausfahrten haben doch keine Namen, sondern Nummern!“

„Du weißt doch, was ich meine, also, wo sind wir überhaupt?“

„Sicher nicht auf deiner Landkarte! Schau doch mal auf die Schilder!“

„Du bist doch der Fahrer!“

„Ich kann doch während der Fahrt nicht auf die Karte sehen! Paß doch auf! Die Karte ist ja schon auf dem Lenker! Sag mal, brauchst du eine Brille?“

„Was kann ich denn dafür, daß die so groß ist! Verdammt! Laß mich in Ruh! Dann fahr halt rechts ran und mach’s besser!“

„Geht’s noch, wir sind auf der Autobahn! Du bist vielleicht zickig, soll ich dir jetzt auch noch sagen, wie man eine Karte liest!“

„Du…!“

So oder ähnlich verliefen Fahrten zu Zeiten, als zur Orientierung die Straßenschilder und die Straßenpläne die wichtigsten Hinweisgeber zur sicheren Erreichung des Urlaubsortes waren. Nicht selten begann die Hinreise mit einem handfesten Streit, wenn eine Abfahrt verpaßt wurde, eine Umleitung nicht der versprochenen Orientierung stand hielt, wenn Straßen befahren wurden, die noch nicht in der Karte verzeichnet oder Verkehrsschilder so aufgestellt waren, daß sie nur aus der anderen Richtung kommend den Namen des Ortes zu ersehen waren.

Nun ja, diese Zeiten sind vorbei. Keine hilflosen verwirrten, mit dem Nerven am Ende in den Autobahntankstellen auftauchenden Menschen, die verzweifelnd nach dem richtigen Weg fragen mußten. Oder Helfer protokollierten, daß der Fahrer eine aufgeschlagene Straßenkarte auf dem Schoß liegen hatte, als es zum Unfall kam.

Diese Zeiten sind vorbei. Dank modernster Technik sind nicht Beifahrer in Person die hilfeleistende Stützen, sondern Navigationsgeräte.

„Sei mal ruhig, gleich müßte doch gesagt werden, in welche Spur ich mich anreihen soll!“

„Ich hör nichts.“

„Psst! Versteh ich nicht, vorher hat sie doch gesagt, in 500 Meter halten sie sich links!“

„Wann vorhin? Ich hab nichts gehört!“

„Du hörst doch nie zu! Aber die Musik kannste aufdrehen bis zum Anschlag!“

„Bis gerade eben hat es dich nicht gestört! Und die 500 Meter wäre inzwischen auch eine Schnecke gelaufen, so schnell wie du fährst!“

„Schssst, da guck mal, sie lädt sich neu.“ *Fahren Sie in 3 km rechts ab!* „Hab ich’s doch gewußt, wir hätten vorhin links abbiegen sollen!“

„Dann fahr halt jetzt auf die rechte Spur.“

„Witzbold, soll ich in die LKWs reinfahren?“

„Dann mach halt was du willst! Aber sie hat gesagt, rechts abbiegen und bei deiner Geschwindigkeit sind die 3 km gleich erreicht! Aber anscheinend kannste ja nicht auf eine Frau hören, hättest besser ein Gerät mit Männerstimme gekauft!“

„Was soll…?“

Ja, so ganz scheinen die Zeiten sich nicht geändert zu haben, wahrscheinlich liegt es daran, daß die Karte ein steifes Papier ist und das Navigationsgerät ein unflexibles technisches Instrument, und wenn diese Faktoren, steif und unflexibel, auf Menschen treffen, die nicht anpassungsfähig sind auf unvorhersehbare oder schnell zu reagierende Situationen, ja, dann wird es auch zukünftig noch genügend Potential geben, über die Anreise zum Urlaubsort zu schreiben.

Doris Mock-Kamm

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