Viel brauchbares benötigt man eigentlich nicht


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Messie-Verhalten oder ausgehungert Sein vor lauter Verlangen?

„Brauchen wir noch was? Ich schreibe gerade den Einkaufszettel!“ Und schon wird darüber nachgedacht und möglicherweise diskutiert, was denn noch alles fehlt und mitzubringen ist. Wenn man, besonders vor Fest-, Feiertagen einen Blick in die Einkaufswagen der Mitmenschen wirft, stellt sich öfters die Frage: Für was brauchen die das alles?

Da liegt ja Ware für die nächsten Wochen im Wagen. Nun, vielleicht feiern sie eine Fete, viele Leute kommen, da braucht man schon so einiges, um alle satt zu bekommen. Hin und wieder erleben wir, besonders wenn Firmen mit Angeboten locken, einen Menschenandrang, weil plötzlich so viele ein Produkt brauchen, und dieses eine soll es sein und kein anderes. Sie prügeln sich sogar, so sehr brauchen sie diese Dinge. Klar, es ist scheinbar billiger, aber die Menschen schlagen sich auch die Köpfe ein, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, das noch relativ teuer zu erstehen ist. Oder sie stehen stundenlang Schlange vor dem Konzertkartenverkauf, um Tickets zu bekommen, weil man diese braucht.

Aber manche Menschen brauchen obendrein Liebe, Zuneigung, Beachtung, Hilfe, Werte, die man nicht kaufen kann. Menschen reagieren auf die Frage: Was brauchst du? Da werden je nach Alter, sozialem Stand, Nation, andere Wertigkeiten aufgezählt. Jedenfalls, wenn es sich um kaufbare Werte handelt. Bei Werten, die nicht durch Geld zu erlangen sind, ähneln sich die Antworten, vielleicht weil die Auswahl nicht so groß ist.

Trotz Ähnlichkeiten in den Antworten stechen immer wieder Menschen hervor, die alles Mögliche brauchen, sogar Dinge, die sie bereits in ähnlicher oder in der gleichen Form schon besitzen. Es sind nicht die Sammler, die hier benannt werden sollen, sondern die Menschen, denen das Brauchen ihrer Unzufriedenheit zuzuschreiben ist. Sie kaufen Zahnbürsten, obwohl zuhause bereits fünf auf Lager gebunkert sind, sie kaufen Schuhe, nur um zu kaufen, nicht um sie je zu tragen, sie schnappen bei fast jedem Angebot zu, denn man kann nie wissen, ob je wieder so ein Schnäppchen möglich ist.

Sie brauchen nicht unbedingt die neuesten, schönsten Dinge, sie brauchen die Dinge nicht, um sie in ihre Sammlung aufzunehmen, zur Präsentation, sie horten genauso Klopapier wie Kuchengabeln oder Socken. Sie sind deshalb näher an einem Messie-Verhalten, weil sie die Dinge haben müssen und ohne sie Geschehnisse sich ereignen können, die nicht vorsehbar sind und vor allen Dingen, weil es ansonsten einen Verlust bedeutet. Sie sind ausgehungert und kompensieren die Dinge für ihre Zufriedenheit.

Brauchen ist ein Ausdruck für hungrig sein, ursprünglich althochdeutsch „brühhan“, Nahrung aufnehmen. Verdeutlicht auch durch den Auszug, wieder mal der Gebrüder Grimm:

Nicht genug dies. brauchen berührt sich auch mit brechen, fungi für frungi mit frangere, weil das essen und kauen ein zerbrechen mit den zähnen ist,…

Somit schließt sich der Kreislauf dieser Menschen, die immer auf der Suche sind, was sie noch alles brauchen können. Wer immer wieder in den Kreislauf des Brauchens verfällt, obwohl es ihm eigentlich an nichts mangelt, sei es für käufliche Waren aber auch für Werte, der ist stets auf der Suche. Er hungert ständig, hat immer das Gefühl von nicht genügend Beachtung und Liebe, überhaupt fehlt es ihm an Aufmerksamkeit, selbst wenn sie vorhanden ist.

Sicher tragen genauso Werbung und Medien dazu bei, dieses Brauchen zu fördern, schließlich will man dazugehören, aber schlußendlich liegt es an den Menschen selber, über wen oder was sie sich definieren. Denn diese Haben-, Brauchenmenschen gab es wohl schon immer. Es ist keine Neuzeiterscheinung. Auch ist ein Auskommen mit diesen stets hungrigen Menschen kein Problem, solange diese nicht durch Lügen, Betrügen, Arglistigkeit, Täuschung die Mitmenschen drangsalieren und mittels der Rolle des Täters eine Opferrolle vorspielen.

Haben Sie Ihren Einkaufszettel für den Wochenendeinkauf schon geschrieben? Sehen Sie lieber nochmal bei Ihren Vorräten nach, ob Sie nicht doch etwas übersehen haben, das Sie brauchen! Aber vielleicht wär das gar nicht so schlimm, wenn Sie für Ihren unerwarteten Besuch kurz bei den Nachbarn klingeln müßten, um eventuell nach ein bißchen Zucker oder was immer Ihnen fehlt, zu bitten. Man weiß ja nie, für was man ein freundliches Nachbarschaftsverhältnis brauchen kann, oder?

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Viel brauchbares benötigt man eigentlich nicht

  1. Stella, ad Astra! schreibt:

    Wirklich sehr, sehr schön geschrieben! Was mir auch aufgefallen ist, dass man innere Unzufriedenheit mit so einem Verhalten kompensieren will- jedenfalls bei mir war das so. Sobald ich in eine Zeit gerate, wo ich nicht weiß, was ich will und meine Launen habe, weiß ich plötzlich, was für mich sooo extremst wichtig ist. Da ist ein neuer Schreibblock dabei, weil der andere nicht mehr genug Blätter hat, ein Leibchen, uvm. Wenn ich dann aber wieder ein bisschen zu mir gefunden habe, dann würden mir solche Sachen noch nicht einmal einfallen.
    LG 🙂

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  2. Stella, ad Astra! schreibt:

    Hat dies auf Starlit Sky thoughts rebloggt und kommentierte:

    „Aber manche Menschen brauchen obendrein Liebe, Zuneigung, Beachtung, Hilfe, Werte, die man nicht kaufen kann.“

    Sehr schöner Text, der zum Nachdenken anregt!

    Gefällt 1 Person

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