Wetter mit gravierenden Unterschieden


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Windige Typen geben sich die Ehre

Geht Ihnen auch manchmal ein Licht auf, könnten dann Heureka schreien wie einst Archimedes von Syrakus? Bekanntlich soll er so überwältigt von seiner Erkenntnis gewesen sein, daß er völlig vergaß, sich ein Tuch überzuwerfen, er soll nämlich genüßlich in der Badewanne gelegen haben, als er vor lauter Freude auf die Straße rannte, um aller Welt mitzuteilen: Ich hab’s gefunden!

Na, vielleicht war Ihre Erleuchtung nicht so weitreichend wie die von Archimedes, sondern nur die Erkenntnis, daß es nicht förderlich für den Magen ist, morgens schon ein Glas eisgekühlte Cola zu trinken. Wie dem auch sei, es können ja nicht alle Menschen Genies sein. Wetten, Sie sind bis dato nicht auf die Idee gekommen, daß Wetter und Wetter nicht nur den gleichen Namen haben, sondern beide trotz Wahrscheinlichkeitsberechnungen nicht immer ein Ergebnis aufweisen, das einleuchtend ist?

Der Wetter, die Wetter, das Wetter, welches Wort kann denn schon mit allen drei Artikeln (Pronomen) in Harmonie leben? Okay, der Plural ist bei beiden gleich, gibt es sonst noch Gemeinsamkeiten? Beide, der Wetter und das Wetter sind unzuverlässig. Prognosen hin oder her, verlassen Sie sich nie auf die beiden, denn sie jonglieren mit einem Glauben der Voraussagen, die die Zukunft betreffen. Da sie zufälligerweise öfters auch richtig tippen, vermeint man doch, die Wahrheit über ihr Verhalten erkennen zu können und schließt sich ihnen manchmal im guten Glauben an.

Daß das Wetter etwas mit Wind, Luft zu tun haben könnte, leuchtet ein, aber warum wird ein Teilnehmer eines Glückspiels Wetter genannt? Was hat ein Wetter mit Wind zu tun? Nun, der Freund, der mir sein Heureka anvertraut hat, wie die Karte zu einem versteckten Schatz, hat seinen Weg der Erleuchtung gleich mit beschrieben.

„Hast du dich schon mal gefragt, warum ein unaufrichtiger Mensch auch „windiger Typ“ genannt wird? Er verhält sich wie eine Fahne im Wind, je nachdem woher der Wind weht, dreht sich die Fahne. Das macht auch ein windiger Typ, denn beide haben kein Skelett, keine Festigkeit, kein Rückgrat. Sie sind den Bewegungen des Windes ausgeliefert und können aus eigener Kraft nicht dagegenhalten, schließlich ist die Fahne ein Stück Stoff und keine Mauer.“

„Aber so ein Windhund ist doch eher berechnend, er wettet doch nicht in den blauen Dunst hinein, sondern er kalkuliert seine Vorteile? Das Wetter kann doch nicht kalkulieren, es erhält doch keinen Vorteil durch sein Verhalten.“

„Ja und nein! Unsere Vorfahren haben zu einigen Naturgewalten, also zu Dingen auf die sie keinen Einfluß nehmen konnten, göttliche Gestalten erschaffen, die ihnen das Denken abnahmen, da ein mit besserem Wissen ausgestatteter Gott schon seine Gründe hatte, warum eine Sache so läuft und die andere Sache nicht. Das war reine Spekulation, das war wie eine Wette.“

„So ähnlich wie: Wenn du den Teller leer ißt, gibt’s morgen gutes Wetter?“

„Genau, es war nie Verlaß darauf, was als Nächstes passieren konnte, die Naturgewalten haben mal das Land überschwemmt und mal eine Dürre verursacht! Sie haben sich gedreht wie die Fahne im Wind.“

„Alles klar! Das heißt, der Wetter verhält sich so wie das Wetter, unberechenbar, doch mit Kalkül, wenn ich Wetter einen Namen gebe?“

„Ja, beide sind vom Zufallsprinzip abhängig.“

„Sag mal, du bist doch gläubig. Wie kannst du da Gottheiten mit Wetter vergleichen?“

„Ah, du meinst, weil ich gesagt habe, die Vorfahren haben Naturgewalten einen Namen gegeben und sie zu Göttern stilisiert? Und von wegen Wetter sind unzuverlässig und Windhunde? Für mich ändert sich dadurch gar nichts an meinem Glauben, du kennst mich doch, ich bin auch öfters ein Fähnchen im Wind und schwanke hin und her, vertraue Menschen, der Wissenschaft und so weiter. Wie oft bin ich schon enttäuscht und eines Besseren belehrt worden. Soll mich das davon abhalten, das nicht auch Gott zuzugestehen?“

„Aber der Wetter ist doch negativ besetzt, ein Windhund halt.“

„Klar, aber manchmal gewinnt der Wetter doch und sei es auch nur an Erfahrung für sich selbst. Schlußendlich ist aber jede Missetat, die durch ihn verursacht wurde, ein Gewinn für uns, denn sie verhilft zu unserer Erkenntnis, wetten?“

Doris Mock-Kamm

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