Rüstig sein bis ins hohe Alter


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Aus Zeiten als noch die Kampfleistung sich die Ehre schuf

„Schau mal die beiden Alten sind aber noch ganz schön rüstig!“ So oder ähnlich wird es ausgedrückt, wenn alte Menschen (wobei der Begriff Alter sehr dehnbar) noch arbeiten, Dinge tun, für die sie in den Augen anderer schon zu alt dafür sind und eigentlich die Kraft und Ausdauer nicht mehr besitzen, die jungen Menschen zugetraut werden.

Okay, sooft wird das in dieser Form nicht mehr ausgesprochen, eher schon mit: Die beiden Alten sind ja noch ganz fit. Auch wird, der oder die hat das Rüstzeug für eine Sportler- Künstlerkarriere eher mit er oder sie hat das Talent für dies oder das.

Obwohl, so lange ist das mit dem rüstig Sein und dem Rüstzeug Haben in unserer Sprache nun nicht her. Zurückzuführen ist dies natürlich auf die stolzen Rittersleute und ihre „Panzerung“ für den Kampfeinsatz. Und natürlich wurden die Ritter geehrt, nein, so ganz richtig ist das wohl nicht, denn das Bestaunen und Bewundern der Ausrüstung wurde fast in jedem Zeitalter den Kämpfern gegönnt. Selbstredend waren sie nicht nur nach ihren Kampfleistungen den anhimmelnden Blicken ausgesetzt, ebenso beachtenswert waren natürlich die Qualität und die Ausstattung der Waffen und Rüstungen.

Nicht jeder Kämpfer mit glänzender Rüstung hat durch seine „Kampfleistung“ sich die Ehre geschaffen, sich eine teure Ausrüstung zu leisten. Einige hatten durch Geburt und Wohlwollen die finanziellen Mittel, auch ohne „Kampfgeist“ die neuesten und besten Rüstungen zu tragen. Soviel Unterschied zu der heutigen Zeit gibt es nicht. Denn die Rüstung für den Kampf und das Rüstzeug für einen Beruf ist auch ohne weiteres auf sämtliche Lebensbereiche und Berufe zu übertragen und war in allen Zeitaltern anzutreffen.

Sei es im Beruflichen oder im Bereich der Schönen und Berühmten, überall erleben wir Menschen, die für das Rüstzeug zu ihrem Tun nicht unbedingt gerüstet sind, sondern ausgerüstet werden. Diese Erkenntnis ist nicht neu und an sich auch nichts Weltbewegendes, aber manchmal erstaunlich, daß der Unterschied zwischen gerüstet sein und ausgerüstet werden von vielen Menschen nicht bemerkt wird. Selbst das ist nicht weiter auffälliger als all die Jahre zuvor und kann einem die Laune nicht wirklich verderben.

Aber wenn die Ausgerüsteten dann noch Orden, Preise einheimsen, ohne wirklich in die Rüstung zu passen, sondern einfach dazu dienen, noch besser ausgerüstet zu werden, dann kann schon der Kamm anschwellen.

Niemanden ist es möglich, alles an Erfahrung, Wissen permanent vorrätig zu haben, einiges verschwindet im Nebel der Erinnerung, deshalb ist es wichtig, wenn die Erinnerung geweckt wurde, diese Erinnerung mit anderen zu teilen. Und damit auf Menschen aufmerksam zu machen, die ein Rüstzeug hatten, das bewundernswert, be- und geachtet werden lohnt. Die Chance auf einen mehr als verdienten Orden, nämlich den Friedensnobelpreis, wurde verpaßt im Fall von Irena Sendlerowa. Aber schätzungsweise wäre ihr das sogar peinlich gewesen, denn ihre Rüstung war die Menschlichkeit in Zeiten von unsäglichem Leid.

Ob jemand wirklich in der Rüstung steckt, für die er gerüstet ist, oder ob er nur besser ausgerüstet wurde, kann man bisweilen schwer erkennen. Deshalb bleiben Sie rüstig, auch in Ihren Gedanken.

Doris Mock-Kamm

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