Gaffer seitens Polizei Hagen am Facebook-Pranger


flickr.com/ Maik Meid/ (CC BY-SA 2.0)

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Der Sensationslust die Rote Karte gegeben

Tagtäglich flimmert die pure Action, entweder per TV oder DVDs in die Wohnzimmer geholt und auf riesigen Flachbildschirmen zu betrachten, dazu möglichst mit Heimkinosystemen akustisch effektvoll begleitet, der perfekte Kick, um dem faden Alltag für eine zeitlang zu entrinnen. Was interesssieren da zwischenmenschliche Belange wie Kommunikation oder gar Respekt vor anderen.

Jene damit verbundene Sensationslust beflügelt zunehmend etliche Zeitgenossen, gleichwohl im realen Leben mit eigener Kamera, heutzutage dem handlichen Smartphone, unterwegs bei bestimmten Gelegenheiten, um der Schaulust freien Lauf zu lassen. Nunmehr platzte der Hagener Polizei der Kragen, sie stellte Gaffer an den Facebook-Pranger.

Der Anlaß war ein tragischer Verkehrsunfall – Hunderte Schaulustige formierten sich

Normalerweise leistet man vollkommen selbstverständlich vor Ort erste Hilfe, sichert einen Unfallplatz ab, benachrichtigt entsprechende Rettungsdienste. Aktive Verkehrsteilnehmer wissen das, zumal thematisiert als Bestandteil der Führerscheinprüfung. In der Regel spielt sich dies auch in der Praxis so ab.

Vorgestern lief am Hagener Hauptbahnhof ein zehnjähriges Mädchen auf die Fahrbahn, wurde seitens eines VW-Golfs per Kotflügel erfaßt und zog sich schwere Verletzungen zu. Ziemlich schnell fand sich eine anwachsende Zahl Gaffer ein, die per Smartphone die dramatische Rettungsaktion filmten, so daß die Feuerwehr wenigstens mit gespannten weißen Tüchern das Mädchen vor den neugierigen Blicken schützte. Manche Gaffer forderten gar dreist die Rettungskräfte auf, doch Platz zu machen zur besseren Einsicht zum Filmen.

Schaulust – gehegt und gepflegt durch die Herrschenden

Tief verwurzelt in unserer Gesellschaft muß die Schaulust gewertet werden, zumal gerade grausame Folter bis hin zu Hinrichtungen einer bewußt hinzugezogenen Öffentlichkeit zur Schau gestellt wurden, gehegt und gepflegt durch die Herrschenden, insbesondere um damit das Volk abzuschrecken.

Heute gesellt sich eine Medienlandschaft hinzu, die ohnehin keine privaten Grenzen mehr scheut, denken wir ans Reality-TV, an deren Shows, die gnaden- und hemmungslos Tabubrüche bis in verborgenste Winkel der menschlichen Seele aufzeigen, wobei gar die Akteure vor der Kamera oftmals fleißig mitwirken. Narzißmus der abartigsten Art?

Müssen wir uns daher nicht wundern, daß immer mehr Gaffer sich einfinden bei solch tragischen Unglücken? Andererseits sollte eine Gesellschaft sich stets messen lassen an ihren Taten, in sofern kann man nur den Aufruf der Hagener Polizei gutheißen. Vielleicht fühlt sich die Politik aufgefordert, die zuständige Gesetzeslage in dieser Hinsicht zu überdenken. Da wäre eine dringend notwendige Korrektur angebracht, um solche Gaffer wesentlich empfindlicher zu bestrafen zum Schutz der Opfer.

Lotar Martin Kamm

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3 Antworten zu Gaffer seitens Polizei Hagen am Facebook-Pranger

  1. schlingsite schreibt:

    Die Gaffer zu filmen und versehen mit der Kommentarfunktion ins Internet, dem modernen Pranger, zu stellen, wäre schon Strafe genug.

    Gefällt 1 Person

  2. Arno von Rosen schreibt:

    Selbst die Nachrichten nutzen brutale Bilder, um die Quote oben zu halten. Tote Menschen gehören weder ins TV noch in andere Medien. Es ist nicht notwendig, damit auf Greueltaten aufmerksam zu machen, denn die Sensiblen benötigen die Art der Darstellung nicht, und den Anderen ist es sowieso nie genug. Was Kinder heute schon zu sehen bekommen, war zu meiner Zeit noch Stoff für Erwachsene – eine ungute Entwicklung.

    Gefällt 1 Person

  3. F schreibt:

    Weil viele schweigen

    Eine Gesellschaft ist eine Gemeinschaft,
    die gesellig alles gemeinsam schafft.
    Zugehörigkeit, Heimat, Familie, Liebe,
    Generationsvertrag, es für jeden passt.

    So könnte es sein, ist es aber nicht,
    einige glauben sich über jeden Glauben.
    Andere dienen, erniedrigen sich,
    lassen sich von Mitmenschen ausrauben.

    Bei der Geburt sind alle gleich,
    auch der Tod macht uns gleicher.
    Verfehlen wir den Gesellschaftswert,
    werden einige immer reicher.

    Ein Leben – leben ist das höchste Gut,
    Gewalt, viele zum Wegschauen neigen.
    Nein sagen, dazu braucht es Mut,
    nicht gerecht, weil viele schweigen.

    Volksdichter
    Frank Poschau

    Gefällt 2 Personen

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