Glyphosat: EU-Parlament ignoriert WHO-Einschätzung


flickr.com/ campact/ (CC BY-NC 2.0)

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Trotz Krebsrisiken stimmt Mehrheit der EU-Abgeordneten für erneute Zulassung

Was schon lange absehbar, geschah jetzt im EU-Parlament, wo über die Hälfte von 701 Abgeordneten, nämlich 374 für eine beschränkte Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat stimmten, 225 votierten dagegen und 102 enthielten sich einfach. Welch schwache Gegenwehr, ein Einknicken vor Monsanto, daß trotz Krebsrisiken der WHO-Einschätzung verantwortliche Politiker der Doktrin ihrer Parteien nachgeben.

Ein Streit auf dem Rücken der Endverbraucher, eine Ignoranz seitens der EU, vom zunehmenden Gebrauch dieses hochgiftigen Glyphosats mal ganz zu schweigen, immerhin stieg der jährlich weltweite Einsatz in 40 Jahren von anfangs 3.200 Tonnen (1974) auf 825.000 Tonnen im Jahr 2014.

Deutschlands Wegducken exemplarisch

Was interessiert die überwiegende Mehrheit der eigenen Bevölkerung, davon hat sich unsere Bundesregierung ohnehin längst verabschiedet, so daß ein Antwortschreiben (Ende März) des Bundesagraministeriums an die EU-Kommission mit einer Zustimmung zur Zulassung von Glyphosat nicht wirklich überraschend erfolgte. Und dies, obwohl 64% der Bevölkerung von fünf der größten EU-Staaten ein Verbot des Unkrautvernichtungsmittels fordern, in der BRD gar 70% der Menschen es ablehnen.

Dabei hätte gerade die größte Wirtschaftsnation der EU mit gutem Beispiel vorangehen können, endlich mal Monsanto und Co. in deren Schranken zu verweisen. Doch Wegducken scheint exemplarisch zu sein, gerade mit einer solchen Kanzlerin, einem CSU-Politiker wie dem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, allein schon in Hinblick zum bevorstehenden TTIP-Abschluß möchte man doch nicht die USA vergraulen.

EU-Umweltausschuß außer Kraft gesetzt – viel mehr Widerstand nötig

Natürlich steht die Frage im Raum, welchen Zweck denn ein EU-Umweltausschuß haben mag, wenn am Ende mittels simpler Mehrheitsbeschlüsse dessen Empfehlungen und Anmahnungen außer Kraft gesetzt werden. Hatte noch ein Funken Hoffnung aufgeglimmt, als im März eine breite Mehrheit des EU-Umweltausschußes gegen eine erneute Entschließung von Glyphosat stimmte, das deutsche Verhalten zu Beginn des ersten Frühlingsmonats mit seiner Stimmenthaltung bereits dunkle Wolken am Horizont angekündigt, kann man jetzt beinahe schon resignieren angesichts der Abstimmung im EU-Parlament.

Gibt es noch Chancen, bis im Juni die endgültige Zulassungsentscheidung fällt und dann in Kraft tritt? Die Menschen selbst haben es in der Hand, auch hierzulande gibt es Wege der Proteste, sollten sämtliche Umweltschutzorganisationen und Verbände wesentlich mehr Zulauf verzeichnen, kann man sich noch zusammenschließen per Demos, Flashmobs und Protest-E-Mails dieser Bundesregierung seinen Unmut äußern, wobei ebenso die Verbraucher selbst Möglichkeiten eines gezielten Widerstandes haben.

Lotar Martin Kamm

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