Einfach nur blöd in der Gegend herumstehen


flickr.com/ -c2k-/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Oder warum es nicht unbedingt an Ihnen liegen muß

Der Golfplatz wurde der Gegend harmonisch angepaßt. Die Gegend rund um das Feriendomizil bietet viele abwechslungsreiche Wanderwege und Aussichtsplattformen. Die Gegend hat sich aber verändert, vor zehn Jahren standen hier noch etliche Buchen und Eichen. Die Gegend in einem gewissen Stadtteil (hat wohl jede Stadt zu bieten) ist gefährlich.

Sind Sie auch schon mal blöd in der Gegend rumgestanden, entweder weil Ihr Date nicht pünktlich erschienen ist oder Sie den Bus, die Bahn verpaßt haben und dann auf die nächste Gelegenheit warten mußten, um von dort wegzukommen? Aber vielleicht sind Sie nicht nur blöd rumgestanden, sondern hatten in der Gegend ein mulmiges Gefühl?

Bei manchen Spaziergängen in der Gegend gibt es Orte, in denen man sich frei wie ein Vogel fühlt, wie in Abrahams Schoß geborgen. Andere Gegenden vermitteln ein beklemmendes, ängstliches Gefühl der Beobachtung, die Gegend läßt die Nackenhaare hochstehen, und das muß nicht unbedingt mitten im dunklen Wald, sondern kann ohne weiteres in einer lichtdurchfluteten Gegend sein.

Also bemühen wir wieder einmal den Duden und finden zu Gegend folgenden Stichpunkt: mittelhochdeutsch gegent, gegende, althochdeutsch geginōti, eigentlich = gegenüberliegendes Gebiet, zu gegen, wohl Lehnübersetzung von mittellateinisch contrata (regio, terra), zu lateinisch contra = gegen(über).

War ja fast zu erwarten, daß Gegend etwas mit gegen zu tun hat, oder? Ist doch sehr offensichtlich in den Wörtern zu erkennen. Wenn wir uns irgendwo aufhalten, ist überall ein Gegenüber, sogar auf dem offenen Meer oder im freien Feld. Das Gegenüber ist außerhalb von uns. Was uns dazu bringt, in gewissen Gegenden Freiheit und in anderen Gegenden Angst zu empfinden, kommt aus unserem Innern. Vielleicht haben Sie, unterwegs mit Freunden erlebt, daß sie ein unbestimmtes Unwohlsein empfanden, Ihre Freunde aber sich pudelwohl in dieser Gegend fühlten. Somit ist nicht unbedingt die Gegend für Ihre Gefühle verantwortlich, sondern Sie selbst. Natürlich kann diese Stimmung von Ihnen und Ihren Freunden auch gleichzeitig als unbestimmte Angst oder losgelöste Freude empfunden werden.

Was immer diese Gefühle auslöst, sind sie in erster Linie von Innen wahrgenommen und in zweiter Linie tatsächlich von außen auf Sie einwirkbar. Nun gibt es für Gegend auch eine andere Wahrnehmung, nämlich das Umfeld. In dem Wort gibt es kein Gegenüber, oder? Bei genauerem Lesen aber doch. Um das Feld herum ist gegenüber, genauso wie bei Umland, das Land drumherum. Über das Gebiet wollen wir hier gar nicht erst sprechen, denn es folgert einen Anspruch: Ich gebiete über das Land.

Aber zurück zu unserer Gegend, unzweifelhaft gibt es Gegenden, die uns nicht gesonnen sind, deren Gründe gibt es viele und sie müssen nicht unbedingt mit Ihrem Sein, Ihrem Tun, Ihren Gefühlen etwas zu tun haben, hinterlassen aber Emotionen, die vielleicht nicht immer erklärbar sind. Auch wenn Sie sich in Ihrem Umfeld befinden, müssen die empfundenen „Störfaktoren“ oder „Glücksgefühle“ nicht Ihrem Wesen entsprechen, sondern das Umfeld entspricht seinem Wesen.

Sie sind gegen Ihre eigentliche Vorahnung zu der Party eines Freundes gefahren und erleben das von Ihnen gefürchtete „blöd Rumstehen“, überlegen sich, mit welcher Ausrede Sie sich jetzt vom Acker schleichen können, weil Ihnen die Stimmung, die Leute, die Gegend, ach alles zusammen auf die Nerven geht. Manchmal findet sich ein Mitmensch ein, der die gleiche Stimmung in sich trägt und mit dem man dann unter vorgeschobenen Gründen das Weite sucht und irgendwo anders Unterschlupf findet.

Oder man bringt es nicht übers Herz, seinen Freund zu enttäuschen und bleibt bis zum Schluß der Party mit einem sauertöpfischen Gefühl im Magen und einem aufgesetzten Lächeln. Aber es können auch Wunder geschehen, und derartige Möglichkeiten gibt es viele, so daß plötzlich Ihre Stimmung kippt, Sie den Gesprächspartner finden, mit dem Sie zwanglos über Gott und die Welt quatschen können, Sie jemand zum Tanzen auffordert, das aufgetischte Essen Sie „entlohnt“.

Wie auch immer, um sich in der Gegend, im Umfeld, im Umland wohl zu fühlen, gehören stets mindestens Zwei dazu. Die Gegend und Sie.

Doris Mock-Kamm

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