Homo sapiens mauschelt seit Urzeiten mit Muscheln


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Was haben Muscheln mit Betrügen und Lügen zu tun?

Muscheln essen gilt für manche Menschen als Delikatesse. Während andere sich ekelnd abwenden und es gar nicht nachvollziehen können, so etwas als Nahrung anzusehen. Sie haben vielleicht eher Freude daran, an den Stränden der Meere zu schlendern und das ein oder andere verlassene Muschelhaus mit nach Hause zu nehmen als Erinnerungsstück, oder um es in ihre bereits bestehende Sammlung aufzunehmen.

Muscheln bevölkern nicht nur unsere Meere, sondern sind auch im Süßwasser zu finden. Wer selbst die Gelegenheit hatte, als Kind entweder an der Küste oder einem See aufgewachsen zu sein, wird schätzungsweise in seinen Kindertagen die ein oder andere Muschel gesammelt und eventuell die ersten Tauschgeschäfte damit abgewickelt haben.

Die Schönheit und Artenvielfalt der Muscheln hat bereits den frühen Homo sapiens dazu veranlaßt, Muscheln nicht nur als Schmuckstücke zur Zierde des eigenen Körpers zu benützen, sondern hat ebenso zum Tauschgeschäft angeregt. Der Wert einer Muschel wurde nicht nur nach der Schönheit, auch die Häufigkeit des Vorkommens trug wesentlich dazu bei, den Wert der Handelsware zu bemessen.

Der Name Muschel führt zurück auf eine Muschelart, die von den Römern gern gegessen wurde, aber so oft vorkam, daß sie von geringem Wert war und die Ähnlichkeit mit einer Maus aufwies. musculus, mittelhochdeutsch muschel, althochdeutsch muscula, < lateinisch = Mäuschen, wohl nach der Ähnlichkeit in musculus, eigentlich Form und Farbe mit einer Maus. (Duden)

Die Angewohnheit vieler Muscheln sich an irgendwelchen Dingen fest zu ankern, hat Wissenschaftler dazu verleitet, einen Superkleber zu erfinden. Oder besser gesagt, sie haben mal wieder in der Natur abgekupfert.

Unbestritten ist jedenfalls, daß noch nicht alle „Fähigkeiten“ dieser Tiere bekannt sind und scheinbar ausgestorbene Arten plötzlich wieder auftauchen.

Falls Sie jetzt ein bißchen neugierig geworden sind und mehr über diese Spezies erfahren wollen, können Sie beim nächsten Urlaub Ihr Wissen in diesen erwähnten Museen vertiefen.

Aber kommen wir zurück zur Sammlung der Muschelgehäuse und das eigentliche Thema dieser Kolumne, nämlich: mauscheln. Muscheln, das alemannische Wort für undeutlich sprechen, dumpfe Töne von sich geben, hat sicher unter anderem auch dazu beigetragen, das Wort mauscheln, mit Betrügen und Lügen gleichzusetzen. Als der Handel, Wechsel von Besitz, noch nicht von „festgesetzten“ Werten abhängig war, sondern von individuellem Wert einzelner Gegenstände, haben sicherlich einige der Händler gewisse Unkenntnisse der Geschäftspartner ausgenützt.

Man muß ja nicht jedem gleich auf die Nase binden, daß diese Muscheln an dem einen oder anderen Ort zuhauf vorkommen, quasi nichts oder nur wenig wert sind. Und wenn man bei diesen Handelsgeschäften etwas in den Bart gemuschelt hat, so hatte man gewiß auch keine böse Absicht, der andere hat nur falsch verstanden.

Das Mauscheln, Betrügen und Lügen ist der Menschenseele wohl mit in die Wiege gelegt worden, ähnlich der Schadenfreude, denn wenn der Mensch das Gefühl erhält, einen für ihn guten Deal abgeschlossen zu haben, freut er sich königlich, ähnlich wie über eine unvorhergesehen scheinbar komische Situation, in der sich der andere blamiert. Dabei spielt es oft keine Rolle, ob der andere sich dabei verletzt hat oder nicht.

Und wer jetzt denkt, die Sammlung der Muscheln sei nur eine kindliche Leidenschaft, der irrt. Denn sie kann die Vorbereitung sein für clevere Tauschgeschäfte.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Homo sapiens mauschelt seit Urzeiten mit Muscheln

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Dabei bewahrheitet sich wieder einmal, dass der Händler seinen Gewinn beim Einkauf erzielt, nicht beim Verkauf 😉

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