Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 7)


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Ein Drama mit offenem Ende

Die USA auf Besuch bei der Redaktion der Zeit.

Volontär: Sie wünschen, wie kann ich Ihnen helfen?

USA: Oh, sorry, ich komme unangemeldet hier vorbei, sollte eine kleine Überraschung sein. Ich bin die USA, Vereinigte Schlitzohren Amerikas. Welche Aufgabe obliegt Ihnen, Mister…?

Volontär: Nennen Sie mich einfach Bernd, ich versuche mich hier als Volontär.

USA schaut zwar interessiert, sein Ton wird alllerdings fordernder.

USA: Well, dann hätte ich jetzt gern Die Zeit gesprochen, ist er nicht hier?

Volontär: Müßte jeden Moment wiederkommen. Na, bitte schön… dabei winkt Bernd der gerade eintretenden Zeit.

Die Zeit: Welch Freude, toll, daß Sie uns aufsuchen. Möchten Sie etwas trinken, Kaffee, Tee oder auch was handfestes? Er grinst die USA dabei an.

USA: Oh, good idea, dann einen Whiskey, bitte, eine Jack Daniel’s ohne Eis! Ich komme direkt zur Sache, wir wollen doch keine Zeit verlieren….hahaha, dabei klopft die USA sich heftig auf die Schenkel, wird von Bernd unterbrochen…

Volontär: Der war gut! Ein strafender Blick von der Zeit läßt Bernd zugleich verstummen.

USA: Sie sollen es aus erster Hand erfahren, damit es exklusiv gleich morgen in Ihrer Zeitung erscheinen wird. Wir kündigen den Russen ein Ultimatum an, welches sie in die Knie zwingt: entweder sofortiger Rückzug an den eigenen Grenzen oder die schon lange bereitstehenden Panzer rollen gen Moskau!

Lange Momente des Schweigens folgen, der Drucker druckt ein just ankommendes Fax aus, Bernd eilt dorthin und entnimmt es dem Fach.

Volontär: Ach, entschuldigen Sie, Chef, aber das sollte Sie interessieren!

Die Zeit überfliegt den Text, kann sich kaum noch auf den Beinen halten und setzt sich schwankend auf einen Bürostuhl.

Die Zeit: Das muß ich dann doch auch Ihnen vorlesen, werte USA. Er nickt zustimmend. dpa: Der Bär hat nach der neulichen Talkshow „Knüppelhart und unfair“, kaum zurück in Moskau, seine vertrautesten Minister und Politiker um sich geschart. Anschließend war er vor die Presse getreten und verkündete, daß etliche Divisionen die russischen Grenzen verstärkt hätten, weil man einem US-amerikanischen Überraschungsangriff vorbeugen wolle.

USA: Oh, my God, kann dieser Wladimirowitsch nicht einmal die Füße stillhalten, so sagt man doch bei Euch, oder? Bisher ging unsere Strategie stets auf, seitdem dieser Präsident die Geschicke Russlands lenkt, spuckt er uns nonstop in die Suppe, nicht okay!

Entrüstet verläßt die USA mit heftig lautem Stampfen die Redaktion, Die Zeit und der Volontär schauen ihm kopfschüttelnd hinterher. Der Vorhang schließt sich zum Umbau der zwölften und letzten Szene. Q tritt vors Publikum.

Q: Seit wann werden die Medien dermaßen direkt einbezogen in politische Umwälzungen bzw. Entscheidungen? Die haben dort nicht das geringste verloren, mag der ein oder andere von Ihnen sich sagen. Nun, es ist alles ganz einfach. Die vierte Gewalt erfüllt auch nur ihren Teil der Rolle, die ihr zugestanden wird. Und die lautet schlicht und ergreifend: Blendet das Volk wo immer möglich, Hauptsache die Bürger bemerken nicht die eigentlichen Beweggründe. Kein Wunder, daß im Zeitalter des Internets sich eine handfeste Opposition bilden konnte. Anfangs noch chaotisch, vor allem sich uneins untereinander. Gleichzeitig konnten all die sich wieder erheben, die noch Jahrzehnte zuvor aufgrund der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs eher stillhalten mußten. Ihre Stunde rückte näher, als immer mehr Flüchtlinge gen Europa sich begaben, Nationalstolz und Rassismus fand wieder genug Futter, um sich im Volk zu manifestieren, vergessen die Entgleisungen des faschistischen Europas vom 20. Jahrhundert!

Der achte und letzte Teil folgt.

Lotar Martin Kamm

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 1)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 2)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 4)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 5)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 6)

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