Vernunft bestimmt unser tägliches Handeln


flickr.com/ kleuske/ (CC BY-SA 2.0)

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Wider besseres Wissen – wenn die Unvernunft mit ihren Reizen spielt

Selbst wenn man es spürt, es eigentlich besser weiß, gerät man doch hin und wieder in die Versuchung, man macht’s einfach: gegen die Vernunft handeln. Scheinbar ist dieses Tun mit einem Reiz belegt, der sämtliche Bedenken, Wissen, Erfahrung außer Kraft setzen kann. Kleinen Kindern verzeiht man es, sie wissen es doch noch nicht anders (reden wir uns zumindest ein), bei Jugendlichen kann es zu einem scheinbar immerwährenden Spiel, vielleicht auch in Kampfgeist herausfordernde geistige Auseinandersetzungen ausarten.

Vernunft, gleichbedeutend mit Denkfähigkeit, Erkenntnisvermögen, ist eine Ableitung vom Verb vernehmen, erfassen, ergreifen, wahrnehmen. Demzufolge sagt es ursprünglich nur aus, etwas zu registrieren, aufzunehmen.

Das bedeutet, wenn wir eine Möglichkeit des Vergleichs benützen, können wir aus dem Erfassen eine Erkenntnis schöpfen, die eine vernünftige Lösung, Meinung, Ansicht beinhalten kann. Bleibt aber eine Vergleichsmöglichkeit aus, entweder weil man keine Alternative kennt, oder es widerspricht einem grundsätzlich, eine andere Sicht zu akzeptieren, dann liegt keine Vernunft vor, sondern nur eine Wahrnehmung.

Beispiel gefällig: Wir besitzen ein Huhn. Es hat rote und gelbe Federn. Es frißt nur Samen und wird höchstens fünf Jahre alt. Aus dieser Erkenntnis können wir keine Vernunft erschließen, es bleibt nur „vernumft“, althochdeutsch, vernehmen, ein Erfassen.

Nun haben wir ein Huhn mit roten und gelben Federn, und es frißt Samen, Körner, Würmer und wird höchstens fünf Jahre alt. Hier haben wir durch das Freßverhalten die Möglichkeit für einen Vergleich. Füttern wir das Huhn nur mit Samen oder Würmern, so kann das auf die Altersangabe eine Auswirkung haben, infolge einer Mangelernährung. Es wäre also unvernünftig, das Huhn nur mit Samen zu füttern.

Kleine Kinder haben oft „Entenfüße“, sie ziehen die Schuhe falsch an, weil für sie Schuh Schuh ist und nicht ein rechter und ein linker Schuh. Diese Erkenntnis nehmen sie nicht wahr und ist für sie nicht relevant. Jugendliche bringen es fertig, im Winter mit leichtem Pulli rauszugehen, sie nehmen zwar wahr, daß dies zu kalt ist, blenden die Kälte aber aus, weil nur das Tragen dieses Pullis relevant ist. Erwachsene benützen sehr oft die Unvernunft, um Fehlbarkeiten, Schwächen zu überspielen, so kaufen sie eine überteuerte Stereoanlage, fahren an ein Urlaubsziel, das ihr finanzielles Budget überschreitet, um damit bei Freunden Eindruck zu machen oder um es mit Erich Kästners Worten aus dem Gedicht zu sagen:

Sogenannte Klassefrauen

Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?

Plötzlich färben sich die Klassefrauen,

weil es Mode ist, die Nägel rot!

Wenn es Mode wird, sie abzukauen,

oder mit dem Hammer blau zu hauen,

tuns sie’s auch und freuen sich halbtot.

Der Reiz, etwas Unvernünftiges zu tun, wider besseres Wissen zu handeln, ist ein Zeugnis von Ignoranz gegenüber den eventuellen Folgen, die sich ergeben können. Solange die Unvernunft zu keinem Schaden führt, ist dieses Handeln sicherlich ein kleines Spiel mit dem Feuer und birgt darin seinen Reiz. Wenn nun aber der Spieltrieb ohne Reflektion, ohne Vergleich, beibehalten wird, dann kann das kleine Spiel mit dem Feuer einen Großbrand auslösen. Vernünftig handeln kann nur der, der immer wieder unter mehreren Möglichkeiten Konsequenzen zieht, alles andere ist Unvernunft.

Doris Mock-Kamm

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