Aufrechte Streiter hoch zu Ross in gnadenloser Mission


flickr.com/ Kass3tte/ (CC BY-SA 2.0)

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Nationalismus – unbelehrbares Relikt aus dem letzten Jahrtausend

Selbstherrlich glänzten sie im grellen Sonnenlicht, rüstungsgleich, um lautstark der gröhlenden Masse sich erhobenen Hauptes zu präsentieren. Ein paar Versprengte stießen zu ihnen, hatten wohl anderweitig dringendes erledigt. Nunmehr war die Riege der Auserwählten komplett, zeigten sich dem gemeinen Fußvolk, welches voller Andacht den aufrechten Streitern hoch zu Roß zujubelte. Deren einziges Ziel: in gnadenloser Mission all diejenigen aufspüren, die sich weigerten, diese Herrschaft anzuerkennen.

Irgendwo in einem weit zurückliegenden Jahrhundert oder in den Köpfen manch abstruser Phantasten mögen derartige Heldenepen den Restverstand umnebeln, der ihnen suggeriert, die Welt läge ihnen zu Füßen, alles würde linientreu einem gezielten System gehorchend funktionieren. Weit gefehlt. Welch fataler Irrtum, genauso wie die Mär des Nationalismus, wobei der inklusive lediglich theoretisch fruchten mag, was angesichts eines sich schnell verselbständigenden Chauvinismus zum exklusiven Nationalismus sich entwickelt. Die Falle schnappt zu, wir gelangen exakt an die Stelle der Geschichte, die zum fanatischen Völkerkult führte, jede andere Nation ächtend, um schließlich im Zuge gewinnbringender Vorteile Kriege anzuzetteln, beste Voraussetzung ein Feindbild zu erschaffen.

Das Visier nach unten geklappt stürmten die Reiter aufeinander zu. Fahnen verdeutlichten die jeweilige Nation zusammen mit markanten Symbolen, Farben und Mustern, wer hier für wen im Kriege kämpfen und bei Verlust sich opfern mochte. Ehrenvoll und stolzen Blickes droschen sie aufeinander ein im Waffengeklirr lautstarker Schreie, die Erde zerwühlend, manch Roß schnaubend gen Boden geschleudert, den Reiter unter sich begrabend, viel Blut zierte die wenig erhaltenen Gräser, die Schlacht verlief wie etliche zuvor. Am Ende viel Leid und Elend, Leben dahingerafft, im Sinne der jeweiligen Nation dienend gekämpft.

Heute nennen sie sich identitär, friedlich patriotisch Gesinnte, die zugleich keineswegs davor zurückschrecken, keinen kulturellen Austausch in einem gesellschaftlichen Miteinander zu dulden. Schön fein säuberlich schnitzt man sich sein verschroben behütetes Weltbild zusammen, Berührungsängste im Auge, daß da ja niemand es wage, die Ehre der Nation zu beschmutzen. Welch wunderbare schicksalshafte Laune der Geschichte, nach geduldigem Verharren ob des „multikulturellen Experiments“, das gar unbedingt den Grünen angelastet, gelangen in Scharen Horden voller Flüchtlinge ins Land, die sofort die eigene Pflicht und Ehre herausfordert, die Nation zu retten. Befreiung von einer verfehlten Politik, die gänzlich es versäumte, an alte Werte der Tradition festzuhalten. Mit Vehemenz werden die Messer gewetzt, natürlich in friedlichem Einklang, um ja keine schlafenden Hunde zu wecken.

In Wirklichkeit strategisch gutdurchdachte Strukturen von langer Hand aufgebaut längst in den Startlöchern stehen, um das Ruder herumzureißen, ein Europa der Nationen vorbildhaft erneut zu etablieren. Gleichwohl dazu einige Gleichgesinnte sich stets einfinden, die jetzt lediglich ihre Rolle aufsuchen sollten, um gemeinsam notwendige Schritte einzuleiten. Sie dürfen raten, wie das zu bewerkstelligen sei. Noch lassen sie sich wählen, europaweit ein Rechtsschwenk ohne weiteres sichtbar sich formiert. Ob hinterher die eine Nation die andere noch „riechen“ mag, bleibt mal dahingstellt. Schließlich bewegt es sich schlecht in nationalistischer Gesinnung, wenn stets der eigene Staat seine Interessen durchsetzen will.

Mal Hand aufs Herz eines jeden halbwegs klar denkenden Zeitgenossen: Wie soll das fruchten? Eine ohnehin komplett chaotisch aus dem Ruder laufende Welt, in der sowieso kaum Einigkeit herrscht, außer in dem Bemühen der Eliten, sich stets das größte Stück Kuchen zu gönnen, während die Völker einfach zu funktionieren haben. Wer will dabei noch eine nationale Gesinnung einfordern und gar umsetzen? Wobei gerade die Wirtschaft in ihrem Wachstumswahn keinerlei Rücksichten nimmt, der Globalismus längst den Kurs diktiert in seinem Raubbau sämtlicher Ressourcen, der Ausbeutung von Humankapital.

Sie sind gestorben für eine Idee, die letztlich zum Scheiten verurteilt war. Sinnlose Kriege forderten zig Millionen Menschenleben, ohne daß auch nur annähernd sie sinnvoll waren. Sie dienten lediglich einer selbstgefälligen Kaste von Herrschern, die bis heute ihre Ziele verfolgen. Solange die Völker sich dermaßen instrumentalisieren lassen, jedem politischen System blindlings dienen, ändert sich nichts.

„Mensch, entledige dich deiner Fesseln, die da lauten: Niemand hat das Recht, Nationalismus einzufordern, schon gleich gar kein Rassismus zuzulassen.“ Wir sind alle rein geboren, entsprungen aus Mutters Schoß, es gilt, die Welt friedlich zu gestalten, in einem Miteinander, ohne jeweden falschen Stolz, verlogene Ehre und anderweitige Doktrin. Nie wieder Nationalismus, der oftmals auch in getarnten Gewändern daherkommt!

Diesen Beitrag widme ich liebend gern Sylvias Projekt „Gegen das Vergessen“.

Lotar Martin Kamm

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14 Antworten zu Aufrechte Streiter hoch zu Ross in gnadenloser Mission

  1. Belana Hermine schreibt:

    Hat dies auf Pilgerin Belana Hermine rebloggt und kommentierte:

    Ein BEitrag zum Projekt „Gegen das Vergessen“.

    Gefällt 4 Personen

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