Prokrastination – ein von der Politik gern angewandtes Mittel


 flickr.com/ Skley/ (CC BY-ND 2.0)


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Hand aufs Herz: Auch Sie pflegen manches mal die Aufschieberitis, oder?

Was hat man nicht so alles zu erledigen! Zu tun, fertig zu stellen, wobei das Anfangen in gewißen Zeiten schon die größere Anstrengung sein kann als das wirklich zu Tuende. Viele drücken sich vor Dingen, die erledigt werden müssen, sollen, dafür gibt es den Ausdruck, die Aufschieberitis. Besonders Jugendliche im sogenannten Teeniealter leiden darunter oder besser, sie sind der Aufschieberitis verfallen.

Auch die zu den Erwachsenen zählenden Personen sind der Falle der Aufschieberitis des öfteren ausgesetzt. Es gibt sogar Fachliteratur darüber, allerdings unter dem Begriff Prokrastination, lateinisch für vertagen. Das Vertagen ist übrigens ebenso in der Politik ein gern angewandtes Mittel, um sich vor Entscheidungen zu drücken.

Wenn es über irgendetwas Literatur gibt, es nötig empfunden wird, sich einer Sache zu widmen, scheint die Aufschieberitis mit Sicherheit nicht nur unsere Kinder und uns selbst zu betreffen, es scheint, ganze Bevölkerungsschichten sind davon betroffen. Dem Himmel sei Dank, mag jetzt der ein oder andere denken. Denn ein gemeinsames Leid ist ein geteiltes Leid, oder? Oder ist die Prokrastination nur die vorgeschobene Erklärung für Faulheit? Keinen Bock, andere Interessen, zu mühevoll, das sollen andere erledigen, damit gebe ich mich nicht ab, dafür ist meine Zeit zu kostbar, vielleicht ein andermal.

Gibt es die Aufschieberitis nur, wenn sie mit unangenehmen Aufgaben in Verbindung gebracht wird, sozusagen eine Pflicht voraussetzt? Existiert die Prokrastination nicht bei den zu erledigenden Tätigkeiten, die uns Freude bereiten? Wenn wir uns selbst gegenüber darauf eine Antwort geben sollen, so werden wir bestimmt nicht ganz ehrlich zu uns sein, sondern genügend Ausreden finden, die dem widersprechen. Aber bei der Beobachtung anderer zu ihrem Verhältnis „etwas zu erledigen“, können wir feststellen, daß ein schnelles und effizientes Erledigen nicht nur mit „dann machen wir mal“, sondern verbunden ist mit einem gewissen Enthusiasmus.

Erledigen, kommt ursprünglich von ledig, freimachen, in Freiheit setzen, eigentlich logisch. Wenn etwas erledigt ist, bin ich von der Arbeit befreit. Jetzt erledigen wir auch noch das Wort ledig, oder? Mittelhochdeutsch, ledic, verwandt mit dem Wort Glied, bedeutet eigentlich gelenkig, im schwedischen heißt ledig geschmeidig. Beobachten wir uns oder andere bei ihren Tätigkeiten, so werden wir sehr oft an der Körperhaltung erkennen, ob die Arbeit wirklich mit Freude oder eher lustlos verrichtet wird. Die Körperhaltung kann also verräterisch dazu beitragen, ob wir uns bei der Arbeit wohl fühlen oder nicht, ob wir etwas erledigen, weil die Aufschieberitis nun nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, oder ob wir mit einem zufriedenen Gefühl der Beschäftigung nachgehen.

Bei beiden Erledigungsarten sind wir nach getaner Arbeit befreit. Der Unterschied im Ergebnis kann nicht immer ersehen werden. Allerdings gibt es tatsächlich Menschen, denen die Aufschieberitis völlig fremd zu sein scheint und die ihre entweder selbst gestellten oder übertragenen Aufgaben meist zügig erledigen. Vielleicht haben Sie es bereits zwischen den Zeilen gelesen, die diesen Text verfaßende Schreiberin zählt zu den Aufschieberitismenschen, ist also der Prokrastination, wenn auch nur in gewißen Zeiten anhängig.

Und hat zu allem Übel jetzt auch noch Sie von Ihren zu erledigenden Aufgaben abgehalten. Da sich die Wäsche nicht von allein in die Waschmaschine legen kann, um mal wieder erfrischt zum Wohle der Schreibenden getragen zu werden, wird diese, da das Argument zur Rechtfertigung der Prokrastation den Text noch zu schreiben, schließlich irgendwann nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Deshalb sind Sie und ich jetzt befreit, und wir können uns für die nächste Aufgabe, Tätigkeit freimachen, uns in Freiheit setzen, erledigen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Prokrastination – ein von der Politik gern angewandtes Mittel

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Ich litt bis zu meinem 21. Lebensjahr unter schwerer Ignoristis (artverwandte Krankheit), bis mich eines schönes Morgens zwei ultrafreundliche Herren von der Polizei zur Musterung fuhren, die ich irgendwie vergessen hatte. Das war damals eine komplette Spontanheilung, die bis heute anhält 😉

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