In die Welt der Düfte versinken


flick.com/ Henk-Jan van der Klis/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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In wie weit beeinflußt sie uns eigentlich?

Die Welt der Düfte, faszinierend und abschreckend zugleich. Ein Sinnesorgan zur Hilfestellung einer Erkenntnis? Reichen das Gehör und die Sprache nicht aus, um sich ein reales Bild von Personen, Tieren und Pflanzen zu verschaffen? Ist die Aussage, „jemanden nicht riechen können“, wirklich eine verläßliche Komponente zum Schutz von Enttäuschungen, Ärgernissen?

Viele Menschen teilen in und mit ihren Gefühlsempfindungen die gleichen Erinnerungen, Eindrücke. Die nach warmen, gemütlichen Tagen riechende Zeit von Mandeln, Nüssen, Zimt, Orangen, Bratäpfeln, Glühwein, die eine wohlig träge Sehnsucht nach engem Zusammensein im wimmelnden Licht von Kerzen vermitteln, ist wohl in etwa ab Mitte November bis Weihnachten. Die Düfte, die vermodernden Pflanzen, Blätter, ausgelaugte Erde, wie aus dem Nichts wachsende Pilze, verbreiten eine schwere Sättigung, gemischt mit zufriedener Stille im Herzen, hinterlassen, erleben wir so ungefähr Ende Oktober.

Die Gerüche des Sommers nach gemähtem Gras, durch flirrendes Licht überströmende Getreidefelder, durch Wärme und Regen atmende Erde beschlagnahmen uns Ende August bis Anfang Oktober. Frühlingsdüfte können teilweise Flieder, Hyazinthe ausgenommen, mit zarten lieblichen Düften eine beschwingte und gleichzeitig melancholisch erdende Stimmung erzeugen. Durch die Leichtigkeit, das Entfliehende der Düfte, spüren wir ebenso die nicht ausreichende Kraft, wirklich entschweben zu können. Das macht es vielen Menschen schwer, trotz der Freude über das Erwachen der Natur sich von trägen grau-blauen Tagen zu lösen.

Im Großen und Ganzen schweben wir also zu gewissen Zeiten in den gleichen Duftwelten. Gemeinsam sind sicher auch die Duftwelten, die wir Menschen außerhalb einer bestimmten Zeitperiode teilen, die magisch anziehenden Gerüche von frisch gerösteten Mandeln, Kräuterbonbons auf den Jahr-, heute oft auch, Mottomärkten, der Geruch vom Badesee, wenn wieder die Zeit des Tümmelns im Wasser ansteht, Kaffeegeruch am Morgen, frische Brötchen und etliche mehr. Unter diesen Gerüchen gibt es auch den ein oder anderen, der eine ganz persönliche Erinnerungswelle auslösen kann, vielleicht der Kuchen von Oma oder Mutter gebacken, Arbeitskleidung des Vaters, wenn dessen Arbeitsstelle gewiße Gerüche mit sich bringt, Öl- und Holzgeruch oder der Geruch der wahrgenommen wurde, als man seine erste große Liebe traf.

Düfte sind sinnliche Wahrnehmungen, sie werden oft angenehm empfunden. Aber sie können ebenso Übelkeit, Erbrechen auslösen, dann sind sie Warnsignale zum Schutz vor gefährlichen Stoffen. Dramatische Folgen haben Gerüche, die wir mit unserer Nase nicht riechen können, wir empfinden sie als geruchlos.

Vielleicht hatten Sie in Ihrer Jugend eine Brieffreundschaft oder heutzutage schriftlichen Austausch über eine der vielen Foren im Internet mit einem oder mehreren Menschen, Sie waren sich sympathisch, teilten die gleiche Freuden, Musik, Filme, Ansichten, kurzum, Sie hatten das Gefühl, gleich zu ticken. Es gibt einige Geschichten, bei denen ein persönliches Treffen nach dieser Art des Kennenlernens in feste Freundschaften und sogar in Ehegemeinschaften führen. Ebenso kann aber das genaue Gegenteil geschehen, die Erkenntnis nämlich, vollkommen falsch gefühlt und gedacht zu haben. Sie unterlagen einer Täuschung in Bezug zu dieser Person.

Nun, direkt kann man wahrscheinlich nicht davon sprechen, daß nur der Sinn des Riechens bei der Erkenntnis jemanden auf den Leim gegangen zu sein, gefehlt hat. Aber verleugnen läßt sich die Wertigkeit, den Riecher für etwas haben, nicht. Jeder Mensch hat seine eigene Ausprägung in Bezug auf die Welt der Gerüche und wird dieser Ausprägung gemäß handeln.

„Richtiges verstehen und kennenlernen“ eines Menschen erfordert alle Sinne, auch wenn wir gerne im Zeitalter des technischen Fortschrittes leichtfertig über die Sinne Hören und Riechen bei unserer täglichen Kommunikation in Foren hinwegsehen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu In die Welt der Düfte versinken

  1. Sylvia Kling schreibt:

    „Ich kann dich nicht riechen“ oder „Ich kann dich gut riechen“ – es kommt nicht von ungefähr. Ein sehr schöner Beitrag, den ich gleich noch einmal lese ….
    Herzliche Grüße
    Sylvia

    Gefällt 2 Personen

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