Stenographie: Kurzschriftsystem im Abseits


flickr.com/ Patti O’Shea/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Den Geheimnissen von Sprachen auf der Spur – zwischen den Zeilen lesen

Sicher haben manche schon damit ihre Schwierigkeiten, Texte von Freunden, Bekannten zu entziffern, wenn diese ohne Bemühungen die einzelnen Buchstaben erkenntlich auch für andere niederschrieben. Manche Texte sind dann nur in Bezug auf den Inhalt zu erfassen. Wenn uns aber ein Text vorliegt, der sozusagen aus Hieroglyphen besteht, sind wir schnell mit unserem Latein des Verstehens am Ende. Selbst von uns handschriftlich schnell dahingeschriebenes kann zuweilen zu dem gleichen Ergebnis führen.

Bereits 63 v. Chr. wurde in Rom die von Marcus Tullius Tiro, die seit dem 16. Jahrhundert als Tironische Noten bekannte Kurzschrift angewandt. Sozusagen die ersten stenographischen Kürzel, wenn wir von den wirklichen Hieroglyphen absehen, die es ermöglichten, gesprochene Sätze direkt und schnell aufzuschreiben. Vergleicht man diese Kurzschrift mit den in Deutschland angewandten Systemen, kann man zweifelsohne gewiße Ähnlichkeiten nicht bestreiten.

Für alle, die die einzelnen Zeichen des Kurzschriftsystems nicht kennen, ist ein stenographierter Text ein Brief mit wahrscheinlich mehr als sieben Siegeln. Allein in Deutschland gab oder gibt es dreizehn verschiedene Arten der Stenographie. Die Entzifferung ohne Kenntnisse gleicht einer Lösungssuche, ähnlich den ersten Versuchen, die Bedeutung der ägyptischen Hieroglyphen zu erschließen.

Nun ist aber selbst nach der Findung einiger Satzelemente, Wortbegriffe, oftmals ein Text nur zu verstehen, wie im Falle der Hieroglyphen, wenn ein Hintergrundwissen bezüglich des übermittelten Inhalts vorhanden ist. Dazu kommen wie bei „normalen“ Übersetzungen, zum Beispiel englisch-deutsch, die sprachgebräuchlichen Redewendungen oder landestypische Ausdrücke für verschiedene Handlungen hinzu. Es ist also nicht immer einfach, von Sprache zu Sprache zu übersetzen.

Stenographie ist weitestgehend nicht mehr in Gebrauch, da die meisten Reden, Vorträge, Diktate für Schriftverkehr heutzutage per Tonaufnahmen mitgeschnitten werden. Nun ist aber die Sprache allgemein, ob schriftlich oder in wörtlicher Rede, nicht immer von jedermann nachvollziehbar. Damit ist nicht das Verständnis hinsichtlich der Dialekte gemeint, sondern die Vermittelbarkeit des Inhaltes eines Themas oder Erlebnisses. Denn scheinbar belanglos zusammengestellte Wörter zu einem Satzgefüge können zuweilen mehr über den Sprechenden, Schreibenden aussagen, als die Sätze dies sollten.

Nicht umsonst gibt es die Redensart: zwischen den Zeilen lesen. Das Geheimnis der Sprache, egal ob Hieroglyphe, Kürzel der Stenographie oder sogar mit Geheimcodes verfaßte Texte können zwar durch Erlernen der einzelnen Ziffern erlesen werden, aber der wahre Hintergrund, die wahre Aussage liegt zwischen den Zeilen. Auch wenn zurzeit viele der Meinung sind, sie könnten ihre Absichten hinter harmlosen Wertevorstellungen, nationalem Einheitsgefühl und schnellen Lösungsversprechungen tarnen, so zeigen sich ihre wahren Ansichten im Gebrauch der Satzformulierungen.

„Am Anfang war das Wort“, Johannesevangelium. Hören wir also genau zu, was uns vermittelt werden soll, so erfahren wir die tatsächlichen Aussagen.

Doris Mock-Kamm

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2 Antworten zu Stenographie: Kurzschriftsystem im Abseits

  1. Rachel schreibt:

    ich schreibe sogar meinen Einkaufszettel in Steno, habe es aus dem ff gelernt und liebe es, so zu schreiben. Als ich es dann so richtig konnte, habe ich meine elf Tagebücher auch in Steno geschrieben, lächel… muss sie nicht mal abschließen, lach….

    Gefällt 2 Personen

  2. Arno von Rosen schreibt:

    Interessanter Artikel. Mir kommen schon die Kürzel der Jugendsprache wie Hieroglyhen vor 🙂

    Gefällt 2 Personen

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