Waltzing Matilda allgegenwärtig


flickr.com/ malandlu/ (CC BY 2.0)

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Synonym für gelebte Freiheit

Früher war alles besser. Da gab es Recht und Ordnung. Keine Mißstände, da wurde arm und reich als Gott gegeben hingenommen, schließlich wußte jeder, wo sein angestammter Platz war, und falls mal jemand aufbegehrt hat, gab es Mittel und Wege, diese Störenfriede in ihre Schranken zu weisen.

Welch verklärte Weltsicht. In keiner geschichtlich aufgezeichneten Zeit gab es Harmonie und Zufriedenheit triefende Zustände, auch nicht in sogenannten Friedenszeiten. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Die einzelnen Schicksale derer, die ausgestiegen sind aus Gemeinschaften oder ausgestoßen wurden, finden sich in etlichen Erzählungen, Liedern und dies in allen Ländern, Nationen und Völkern.

Auch gab es immer wieder Zeiten, in denen ganze Gruppen von Menschen sich auf die Suche nach einer neuen Heimat begaben. Anlässe hierfür waren unter anderem Naturkatastrophen, Vertreibungen auf Grund von Glaubensfragen, heilsversprechende Verkünder einer besseren Welt, Hungersnöte, kriegerische Auseinandersetzungen und vieles mehr.

Viele Menschen waren aus dem Drang unterwegs, Neues zu entdecken oder sich in einem Handwerk neues Wissen anzueignen. Die Walz, vielleicht besser bekannt durch den Begriff Gesellenjahre, ist inzwischen nicht mehr in den Handwerksbetrieben notwendig, um die Meisterprüfung abzulegen. Allerdings gibt es unter den Gesellen auch heutzutage den ein oder anderen, der auf die Walz geht.

Die Gründe, warum Samuel Hoffmeister aus Deutschland Anfang der 1890iger Jahre nach Australien ging, können nur erahnt werden. Vermutlich hat er wie so viele andere ein Leben herbeigesehnt, das es ihm ermöglicht, unabhängig und frei zu leben. Sicher dürfte er nur wenigen bekannt sein, obwohl sein Leben vertont, fast zur Nationalhymne Australiens geworden wäre.

Samuel Hoffmeister wurde vorgeworfen, an dem Schereraufstand auf Dagworth Station 1894 teilgenommen und der Anführer des Aufstandes gewesen zu sein. Um seiner Verhaftung zu entgehen, wählte Hoffmeister den Freitod. Das vertonte Gedicht „Waltzing Matilda“, den Text schrieb der Dichter Banjo Paterson, schildert die Sehnsucht der Menschen nach selbstbestimmtem Leben und lieber ihr Leben zu beenden, als die Freiheit aufzugeben.

Vielleicht kann das Lied, das von den unterschiedlichsten Interpreten gesungen wurde und wird, ein kleines Stück weit dazu beitragen, unsere Gedanken immer wieder den Menschen zu widmen, die für einen Hungerlohn, als Wanderarbeiter, als Suchende, als Flüchtlinge ihr Leben fristen. Aber auch für alle, die auf der Walz durch die Lande ziehen, und für all jene, die „lieber tot als Sklave“, wo auch immer, sich für die Freiheit einsetzen. Australien hat sich gegen „Waltzing Matilda“ als Nationalhymne entschieden, obwohl in vielen Herzen der Australier dieses Lied die eigentliche Hymne ihres Landes darstellt.

Samuel Hoffmeister hat seinen „Ruhm“ nicht erlebt, aber seine Geschichte steht für viele Menschen, die sich gegen Unterdrücker und Ausbeutung gewehrt haben, selten werden die wahren Verantwortlichen von sozialen Mißständen zur Rechenschaft gezogen Gerade deshalb sollten die Unterdrückten, Ausgegrenzten nicht gegeneinander um ihre Freiheit kämpfen, sondern miteinander eine Zukunft aufbauen, die es allen Menschen erlaubt, in Freiheit zu leben.

Diese Interpretation von Rod Stewart steht hier stellvertretend für viele andere Künstler, die sich dieses Themas angenommen haben. Und in der Hoffnung, daß wir irgendwann nicht nur auf dem Papier, sondern in Realität nach dem 1. Artikel der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf dieser Erde leben:

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Doris Mock-Kamm

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Eine Antwort zu Waltzing Matilda allgegenwärtig

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Selbst Verwandtschaft von mir ist 1841 mit 3 Kindern (ein viertes wurde bereits in Australien geboren) um den halben Globus gereist, um in der fernen Fremde ein neues, geschützteres und unabhängigeres Leben zu führen, fern der verkrusteten Machtstrukturen eines Deutschland, welches mit allen Mitteln versucht hat, an alten Gegebenheiten von rechtlosen Billiglöhnern und Landesherrschern festzuhalten. Sie waren ihrer Zukunft genauso ungewiss wie es die heutigen Flüchtlinge sind, und auch damals wurde mit Ankömmlingen nicht alles richtig gemacht, von den Ureinwohnern ganz zu schweigen, die noch bis spät in die 1970er verfolgt und diskriminiert wurden. Selbst in der Verfassung der USA steht, dass jeder Mann und jede Frau das Recht hat, sein Glück zu suchen. Da drin steht aber nicht, woher diese Menschen kommen dürfen. Zurzeit sind die meisten Grundgesetze und Verfassungen, die vor sich das Schild der Nächstenliebe, Freiheit, Gleichheit und Würde hertragen, nicht das Papier wert, auf das diese Ankerpunkte der Menschheit gedruckt wurden.

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